Ein Pferd im Gang eines Stalls, eine Mutter hält das Pferd an den Zügeln und ein kleines Mädchen sitzt auf dem Pferd (Foto: SWR)

Zehn Kilometer abgetrieben

Pferd wurde von der Flut im Ahrtal mitgerissen und überlebte

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Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat viele tragische Geschichten geschrieben. Eine kleine Tröstende ist diese: Ein Pferd wurde vom Hochwasser rund zehn Kilometer abgetrieben - und überlebte.

Mitiaro steht in einer Box auf dem Hubertushof bei Remagen. Sein braunes Fell glänzt, seine Wunden aus der Flutnacht sind kaum mehr zu sehen.

Besitzerin Diana Schmitz-Hecker streichelt ihm liebevoll den Hals. Sie kann ihr Glück immer noch kaum fassen: "Wir waren so überwältigt, als wir ihn wiedergefunden haben. Wir haben geglaubt, er hätte es nicht überlebt."

Die Flut zerstörte den Stall

Denn die Chancen für den 20 Jahre alten Vollblüter standen denkbar schlecht. Sein Stall in Lohrsdorf, einem Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler, wurde vom Hochwasser umgerissen.

Mitiaro war zunächst verschollen. Stundenlang suchten die Besitzer am Flussufer nach ihm. "Wir haben eigentlich schon aufgegeben. Wir dachten, er liegt unterm Stall", sagt Diana Schmitz-Hecker.

Ein Pferd im Stall (Foto: SWR)
Mitiaro geht es inzwischen wieder gut.

Pferd stand bei Sinzig im Wasser

Ganz wollte sie die Hoffnung aber doch nicht aufgeben. Sie startete einen Aufruf über die sozialen Medien und bekam einen Hinweis aus Sinzig. Ein Pferd würde hier nahe der Rheinmündung verharren.

Tatsächlich handelte es sich um Mitiaro. Allerdings stand das Pferd so weit vom Ufer weg, dass an eine Rettung zunächst nicht zu denken war. "Man konnte ihn eigentlich nur mit dem Fernglas erkennen. Wir hatten keine Chance, an das Pferd ran zukommen", erzählt Schmitz-Hecker.

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Gefährliche Rettungsaktion an der Ahr

Zu dem Zeitpunkt waren alle Einsatzkräfte mit der Menschenrettung beschäftigt. Die Familie war also auf sich allein gestellt. Ohne Boot blieb ihr am Ende nichts anderes übrig, als sich zu Fuß bis zu Mitiaro durch zu kämpfen. Eine lebensgefährliche Aktion, wie die Pferdebesitzerin rückblickend zugeben muss: "Wir wussten ja gar nicht, wie tief das Wasser ist."

Zusammen mit einem Freund machte sich ihr Mann auf den Weg. Baumstämme trieben vorbei, teilweise standen die Männer bis zur Brust im Wasser, wie Schmitz-Hecker berichtet. Doch irgendwie gelang es den beiden, das Pferd unbeschadet zu erreichen und zurück ans rettende Ufer zu bringen.

"Das Pferd ist für uns eigentlich alles: unser Hobby, unser Leben. Mitiaro ist ein Familienmitglied."

Pferd überlebt Flut vollkommen entkräftet

Doch damit waren die Sorgen nicht zu Ende: Mitiaro ging es nach all den Stunden, die er im Wasser verbracht hatte, äußerst schlecht. Seine Haut war aufgequollen, das Fell verklebt von Öl. Die Familie brachte das völlig entkräftete Pferd in eine Tierklinik.

Mitiaro erholt sich

Trotz zunächst besorgniserregender Blutwerte erholte sich der Wallach bald und konnte schließlich auf dem Hubertushof in Remagen unterkommen. Ganz gewöhnt hat er sich noch nicht an die neue Umgebung. Manchmal sei er noch etwas nervös, sagt Schmitz-Hecker. Doch Tochter Lina konnte bereits wieder auf ihm reiten.

Auch wenn das jahrelang mit Liebe aufgebaute Pferdedomizil in Lohrsdorf den Fluten zum Opfer gefallen ist: Das Wichtigste konnte gerettet werden. Für Lina ist Mitiaro wie "ein großer Bruder". Sie ist mit ihm aufgewachsen. Diana Schmitz-Hecker sagt: "Das Pferd ist für uns eigentlich alles: unser Hobby, unser Leben. Mitiaro ist ein Familienmitglied."

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