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Prüfungen im Hörsaal mit bis zu 100 Teilnehmern: Viele Studentinnen und Studenten der Uni Koblenz haben eine Petition gegen solche Präsenzklausuren unterschrieben. Die Uni verweist auf ihr Hygienekonzept und will an den Klausuren festhalten.

Der Lehramtsstudent Gerrit Schell hat die Petition vor mehr als zwei Wochen gestartet. Knapp 700 Menschen haben bislang schon unterschrieben. Darunter seien auch Eltern, sagt der 21-Jährige.

Die Studenten hätten Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, vor allem weil mittlerweile auch Mutanten im Umlauf seien: "Überall werden Institutionen und öffentliche Gebäude geschlossen, der Einzelhandel darf nicht öffnen. Und wir in der Uni sollen uns dann mit 50 bis 70 Personen, die aus verschiedenen Haushalten kommen, zusammensetzen. Das verstehen wir einfach nicht."

100 Studenten in Quarantäne im bayerischen Ansbach

Was schief gehen kann, zeigt ein Fall im bayerischen Ansbach. Vor kurzem hatte dort ein Student mit einer Corona-Infektion an einer Prüfung teilgenommen. 100 seiner Kommilitonen mussten daraufhin in Quarantäne. Ein Szenario, das auch in Koblenz und an anderen Unis möglich ist.

Die Uni-Leitung habe im vergangenen Jahr genug Zeit gehabt, sich Alternativen zu den Präsenzklausuren zu überlegen, sagt Gerrit Schell. Er wünscht sich bessere Konzepte, die dem aktuellen Geschehen in der Pandemie angepasst seien.

Zufriedenheit mit Hygienekonzept

Am Dienstag musste der Lehramtsstudent selbst eine Biologie-Klausur mit seinen Kommilitonen im Hörsaal schreiben. Hierfür konnten sich bis zu 160 Studenten anmelden. Teilgenommen hätten aber nur etwa halb so viele, berichtet Gerrit Schell.

Mit dem Hygienekonzept im Hörsaal war der Lehramtsstudent zufrieden: "Über QR-Codes mussten wir unsere Plätze eintragen, was ich gut finde. Wir wurden aufgeteilt in Gruppen. Das sind zumindest die kleinen Schritte, die man machen kann, um das Ganze ein bisschen angenehmer zu gestalten." Auch die Abstände hätten im Großen und Ganzen gut eingehalten werden können. Die Studenten seien alphabetisch in Gruppen aufgeteilt und durch verschiedene Eingänge in den Hörsaal gelotst worden.

Nach Angaben der Unileitung gibt es außerdem eine moderne Belüftungsanlage in dem Hörssaal. Außerdem fänden Klausuren mit mehr als 100 Teilnehmern nicht statt, sagt der Vizepräsident der Uni, Stefan Wehner.

Uni-Leitung: Manche Klausuren online nicht möglich

Dass die Studenten besorgt sind, versteht Wehner: "Wenn der einzelne Studierende sagt: Ich möchte jetzt nicht kommen, dafür ermöglichen wir ja auch lange Rücktrittsfristen bis unmittelbar vor der Prüfung sowie Nachholtermine."

Die Klausuren alle online abzuhalten, sei allerdings nicht möglich, so Wehner: "Es gibt Klausuren, die als Präsenzklausuren stattfinden müssen. Das sind z.B. Klausuren, bei denen keine Hilfsmittel zugelassen sind und wo es um die Abfrage von Wissen geht. Bei kompetenzorientierten Klausuren, wo Hilfsmittel zulässig sind, kann man auch alternative Formate wie Hausklausuren nehmen."

Weitere Präsenzklauseren an der Uni Koblenz geplant

Studenten und Unileitung haben ihre Standpunkte inzwischen auch per E-Mail ausgetauscht. Ganz auf einen Nenner werden beide Seiten aber wohl nicht mehr kommen. Noch bis Mitte März finden weitere Präsenzprüfungen auf dem Koblenzer Campus statt.

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