Ein Holz-Vollernter in einem von Trockenheit und Borkenkäfern befallenem Wald in Rheinland-Pfalz. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)

Vorwurf der illegalen Abholzung bei Montabaur

Peter Wohlleben stellt Strafanzeige gegen Umweltministerium

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Peter Wohlleben hat das Forstamt Neuhäusel, die Zentralstelle der Forstverwaltung und das Umweltministerium angezeigt. Der Grund: Bäume bei Montabaur seien illegal gefällt worden.

Unterstützt wird der bekannte Förster und Buchautor Peter Wohlleben von Biologe und Hochschul-Professor Pierre Ibisch. Sie haben das betroffene Waldgebiet in der Nähe des Aussichtsturms "Köppel" bei Montabaur den Angaben zufolge gemeinsam untersucht. Dabei handele es sich um ein so genanntes FFH-Gebiet. Das steht für "Flora-Fauna-Habitat“ und ist ein europäisches Schutzgebiet.

Vorwurf: Lebensraum durch Kahlschläge verschlechtert

Wohlleben und Ibisch werfen den Behörden und Förstern vor, durch die Baumfällungen den Lebensraum von geschützten Tier- und Pflanzenarten in diesem Gebiet verschlechtert oder sogar zerstört zu haben. Konkret nennen sie etwa Torfmoose, Borstgrasrasen oder Waldmeister-Buchenwälder als dort vorkommende geschützte Pflanzenarten. Unter den geschützten Tierarten seien in dem Gebiet etwa die Bechstein-Fledermaus, der Raufußkauz oder der Eisvogel nachgewiesen worden.

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Durch die großflächige Abholzung von Fichten sei der Waldboden zudem nicht vor Sonne geschützt und würde sich stärker erhitzen und austrocknen. Außerdem hätten die schweren Forstmaschinen die Böden verdichtet und aufgerissen, wodurch sie auf viele Jahre hinweg geschädigt seien.

Forderung nach naturnaher Forstwirtschaft

Wohlleben und Ibisch fordern in solchen Schutzgebieten nach eigenen Angaben eine naturnahe Forstwirtschaft. Alt- und Totholz sollen demnach mehr im Wald bleiben - als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Auch der Einsatz von schweren Forstmaschinen müsse verhindert werden. Und es sollten nur Baumarten nachgepflanzt werden, die dort heimisch sind.

Umweltministerium kennt Inhalt der Anzeige noch gar nicht

Das rheinland-pfälzische Umweltministerium reagiert stellvertretend für die Zentralstelle der Forstverwaltung und das Forstamt Neuhäusel auf die Anzeige. Das Ministerium sagt aber, dass es die zuständige Staatsanwaltschaft noch gar nicht über die Anzeige oder deren Inhalt informiert habe. Da Wohllebens' und Ibischs' Kritik aber bekannt sei, könne das Ministerium dennoch darauf reagieren.

Tatsächlich handele es sich bei der Entnahme von vom Borkenkäfer befallenen und damit "todgeweihten" Fichten um eine wissenschaftlich empfohlene Methode des Waldschutzes, die das Landeswaldgesetz den Waldbesitzenden als Handlungspflicht auch auferlege, so das Ministerium. Durch das Fällen der Bäume hätte das Forstamt verhindern wollen, dass die Käfer sich weiter ausbreiteten.

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Ministerium: Nur zehn Prozent betroffene Fläche im FFH-Gebiet

Das Ministerium kritisiert zudem, dass Wohlleben und Ibisch einen falschen Eindruck vermitteln würden. Tatsächlich liege in dem etwa 6.500 Hektar großen Waldgebiet "Montabaurer Höhe“ der Anteil der toten Fichtenflächen im FFH-Gebiet bei unter zehn Prozent.

"Herr Wohlleben und Herr Ibisch behaupten, vor den Eingriffen im FFH-Gebiet hätte eine Umweltverträglichkeitsprüfung stattfinden müssen“, so das Ministerium. Tatsächlich sei der Forstverwaltung aber wenig Zeit zum Handeln geblieben. Es gebe nur ein Zeitfenster von rund drei Wochen, um vom Borkenkäfer befallene Fichten zu entdecken, zu fällen und abzutransportieren. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung dauere im Einzelfall hingegen mindestens drei Monate bis zu einem Jahr.

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