Weitgehend zerstört präsentiert sich der Ortskern von Rech im Ahrtal drei Monate nach der Flutkatastrophe vom Juli. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler)

Ermittlungen der Koblenzer Staatsanwaltschaft

Etwa 200 Zeugen zur Flutnacht im Ahrtal befragt

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Die Staatsanwaltschaft Koblenz wertet derzeit Daten und Zeugenaussagen zur Flutkatastrophe im Ahrtal aus. Die entscheidende Frage: Waren die massiven Überschwemmungen absehbar?

Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat im Zuge der Ermittlungen zur Flutnacht im Kreis Ahrweiler nach eigenen Angaben bereits etwa 200 Zeugen befragt. Zudem seien Geo- und Wetterdaten analysiert worden. Bei den bislang befragten Zeugen handelte es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft hauptsächlich um Rettungskräfte und Personen, die sich über die extra eingerichtete Mailadresse gemeldet hatten.

Notrufe und Daten der Flutnacht analysiert

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen nach eigenen Angaben in zwei Schritte unterteilt. Zum ersten Schritt gehörte demnach die Sichtung der sichergestellten Notrufe bei der Integrierten Rettungsleitstelle in Koblenz sowie der Polizei. Alle Daten seien elektronisch erfasst worden, um daraus eine möglichst präzise Darstellung des Katastrophengeschehens entwickeln zu können, so die Staatsanwaltschaft.

Die Arbeiten seien bereits "erfreulich weit fortgeschritten" auch Dank der Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz und der Unterstützung aller Polizeipräsidien des Landes.

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Kernermittlergruppe soll Informationen bewerten

Im zweiten Schritt sollen jetzt die vorhandenen Informationen zusammengeführt und eingehend bewertet werden. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf der Frage liegen, ob und ab wann gegebenenfalls für wen absehbar war, dass es zu massiven Überschwemmungen mit Personenschäden oder gar Todesfällen kommen würde.

Parallel dazu werden nach Angaben der Staatsanwaltschaft die bereits erfolgten Vernehmungen der Mitglieder des Krisenstabes sowie die vorhandenen Daten danach überprüft, welche Informationen wann und in welcher Form vorlagen und wie diese bewertet worden sind. Dieser Schritt erfordere, dass alle ermittelnden Beamten fundierte Kenntnisse aller Zusammenhänge hätten. Um Informationsverluste zu vermeiden und die Ermittlungen weiter zügig voranzubringen, soll daher die Zahl der ermittelnden Beamten auf eine Kernermittlergruppe reduziert werden.

Staatsanwaltschaft weist auf Unschuldsvermutung hin

Die Koblenzer Staatsanwaltschaft weist ausdrücklich darauf hin, dass die bisherigen Ermittlungen inhaltlich noch nicht bewertet wurden und sie deshalb nicht vorschnell beurteilt werden sollten. Damit bezieht sie sich auf verschiedene Medien, die in jüngster Zeit einzelne Ergebnisse aus den Ermittlungsakten veröffentlicht und interpretiert hatten. Es gelte nach wie vor die Unschuldsvermutung, so die Staatsanwaltschaft.

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