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Die Corona-Krise bringt Obdachlose in Koblenz, Mainz und anderen Städten derzeit in eine besonders schwierige Lage. Viele Betroffene haben keine Möglichkeit, im Warmen zu übernachten. Auch kostenloses Essen ist knapp.

In Koblenz sind die Wärmestuben zu. Das Obdachlosenrestaurant Mampf gibt Essen nur noch am Schalter aus. Wegen der verschärften Bedingungen werden Obdachlose auch nicht mehr im Bahnhof oder in Vorräumen von Banken geduldet - trotz Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt.

Ein Koblenzer Streetworker sagte dem SWR, das Übernachtungsheim der Stadt sei voll. Eine Notunterkunft im Stadtteil Asterstein sei für viele Betroffene nur schwer erreichbar. Deshalb müssten derzeit bis zu 15 Menschen im Freien übernachten.

Die Streetworker seien nach wie vor mit dem Kältebus unterwegs, um nach ihnen zu sehen. Die Betreuer wollen jetzt mit Stadt und Gesundheitsamt beraten, wie sich die Lage für die Obdachlosen verbessern lässt.

Einige Obdachlose müssen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt draußen übernachten. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Einige Obdachlose müssen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt draußen übernachten. Picture Alliance

Kommunen sind gefordert

Der in Mainz ansässige Verein "Armut und Gesundheit in Deutschland" forderte die Kommunen auf, dringend Pläne zur Versorgung Obdachloser mit Lebensmitteln und zur Unterbringung von Infizierten zu erstellen. Der Vereinsvorsitzende Gerhard Trabert sagte, viele Kommunen hätten die Auszahlung von Tagessätzen an wohnungslose Hartz-IV-Empfänger eingestellt.

Zu wenig Essen und Schlafplätze

Viele Tafeln, etwa im Rhein-Hunsrück-Kreis, und andere Hilfseinrichtungen sind ebenfalls geschlossen. Die Wohnheime und die wenigen noch geöffneten Anlaufstellen sind überfüllt. "Jetzt fallen auch noch die Einnahmen vom Betteln weg, denn die Städte sind ja leer", sagte Mediziner Trabert, der seit vielen Jahren wohnungslose Menschen im Rhein-Main-Gebiet versorgt.

Viele Obdachlose hätten nun nichts mehr zu essen. Unter ihnen gebe es auch Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen, was sie jetzt zu besonders gefährdeten Personen mache. Um sie zu schützen, müssten die Behörden auch Zimmer in Hotels und Jugendherbergen zur Unterbringung heranziehen, forderte Trabert.

Mainzer Verein hilft weiterhin

Der Verein "Armut und Gesundheit in Deutschland" betreibt trotz der Pandemie weiter seine Ambulanz für Menschen ohne Krankenversicherungsschutz in Mainz. "Wir wollen auf jeden Fall die Arbeit aufrecht erhalten", sagte Trabert. Da viele ehrenamtliche Helfer selbst schon über 60 Jahre alt sind, sei das Angebot jedoch reduziert worden.

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