Anja Meurer in einem ihrer Behandlungszimmer in Neuwied.  (Foto: SWR)

Medizinerin macht sich Sorgen um Langzeitwirkungen

Neuwieder Hausärztin ist gegen Impfpflicht

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Hausärzten kommt bei der Pandemie-Bekämpfung eine besondere Rolle zu. Sie sollen die Menschen von einer Impfung gegen Corona überzeugen. Doch was, wenn sie selbst skeptisch sind?

Wenn es um die Frage "Soll ich mich Impfen lassen?" geht, sind Hausärzte oftmals die ersten Ansprechpartner. Doch nicht alle sind davon überzeugt, dass die Impfung für jedermann das Richtige ist. Zu ihnen gehört zum Beispiel auch die Neuwieder Hausärztin Dr. Anja Meurer - sie impft zwar, spricht sich aber dafür aus, jede Impfung genau abzuwägen.

Sorgen um Nebenwirkungen von Corona-Impfung

"Für alle mit Vorerkrankungen ist die Impfung ein echter Segen", betont sie im Gespräch mit dem SWR. Wenn es um gesunde oder junge Menschen geht, die eher ein geringeres Risiko haben, schwer an Corona zu erkranken, ist sie aber zurückhaltend, was eine Empfehlung betrifft. Der Schutz der Impfung sei zwar nicht von der Hand zu weisen, Meurer macht sich abgesehen von den seltenen starken Nebenwirkungen aber auch Gedanken über noch unerforschte Langzeitwirkungen.

Im Bezug auf spät auftretende Nebenwirkungen sagt der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, zuletzt, dass diese "nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität bei einzelnen Impfstoffen" gewesen seien. Ein Beispiel ist der Impfstoff Pandemrix, der 2009 im Rahmen der Schweinegrippe verimpft worden ist und infolgedessen einige Kindern und junge Erwachsene an Narkolepsie erkrankten.

Dr. Meurer distanziert sich entschieden von Corona-Leugnern oder Menschen, "die glauben, sie bekommen mit der Impfung einen Chip eingepflanzt", wie sie sagt. Doch angesichts der neuartigen mRNA-Impfstoffe kann sie verstehen, wenn Patienten eine gewisse Skepsis empfinden. "Wir wissen einfach noch nicht hundertprozentig, was die Impfung mit uns macht - da sind wir erst in einigen Jahren schlauer."

Maske und Abstand als guter Schutz

Von einer Impfpflicht für große Teile der Bevölkerung hält sie dementsprechend wenig. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit von gravierenden Langzeitfolgen ihrer Ansicht nach gering ist, sollte jeder Mensch selbst entscheiden können, wie und ob er sich gegen das Virus schützen möchte. Dafür seien schon Maske tragen, Hygieneregeln beachten und Abstand halten gute Mittel. "Die Impfung schont vor allem die Krankenhäuser vor Überlastung", sagt sie.

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Wer allerdings am gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchte, für den führt an einer Impfung oft kein Weg mehr vorbei. Für viele ihrer unentschlossenen Patienten seien die 2-G oder 3-G-Regeln letztlich der Hauptgrund für eine Impfung. Das empfindet Meurer als bedenklich: "Juristisch gesehen ist jede Impfung eine Körperverletzung, die gerechtfertigt werden muss durch einen medizinischen Nutzen des Patienten."

Wer geimpft werden will, der kann sich jedoch auch bei ihr den berühmten "Pieks" abholen. Nur Kinder, Schwangere und Stillende impft sie nach eigenen Angaben nicht. "Das kann ich aufgrund fehlender Langzeitstudien nicht verantworten", betont sie.

Großteil der Arztpraxen im Land impft gegen Corona

Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Hausärztebunds impfen derzeit im Land rund 80 Prozent der Arztpraxen. Dass Ärzte aus Skepsis an der Impfung nicht oder nur wenig impfen würden, ist nach Auskunft der Vorsitzenden, Barbara Römer, "kein flächendeckendes Phänomen", komme aber durchaus vor. Die Entscheidung, zu impfen, müsse jeder Arzt für sich treffen. Nur wenn ein Arzt als Corona-Leugner auftritt, könne das berufsrechtlich geahndet werden.

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An die 2,4 Millionen Corona-Schutzimpfungen wurden bislang nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten im Land durchgeführt. Im Kreis Neuwied gab es beispielsweise schon mehr als 61.000 Impfungen, im Westerwaldkreis liegt die Zahl bei 55.000 Impfungen durch Hausärzte. Zu Erst- und Zweitimpfungen kommen mittlerweile auch schon viele Auffrischungsimpfungen dazu.

Ansturm auf Arztpraxen wegen Booster-Impfungen

Römer betont in diesem Zusammenhang, dass es für gesunde Menschen "keine Notwendigkeit" gebe, sich direkt nach sechs Monaten eine Booster-Impfung abzuholen. In der vergangenen Woche habe es einen Ansturm auf die Praxen gegeben, der mitunter für Probleme im Tagesgeschäft gesorgt habe. Derzeit laufe bei der Kassenärztlichen Vereinigung eine Abfrage unter den Hausärzten, wer auch Kapazitäten hat, Fremd-Patienten zu impfen.

Auch die Neuwieder Hausärztin Anja Meurer verabreicht derzeit schon viele Drittimpfungen - sie hält sich dabei an die Empfehlung der Ständigen Impfkommission und gibt Menschen ab 70 Jahren den Vortritt. Sie informiert sich nach eigenen Angaben regelmäßig in Fachzeitschriften über Studien rund um das Corona-Virus und verfolgt auch den NDR-Podcast mit Christian Drosten.

"Das Virus ist gekommen, um zu bleiben. Es wird irgendwann normaler Bestandteil unserer Erkältungs- und Grippenwellen sein."

Der Virologe hatte im September noch davon gesprochen, dass es nicht das Ziel sein könnte, alle immer wieder gegen Corona zu impfen - um langanhaltend immun gegen das Virus zu werden, brauche es eine Infektion. Dazu meint Meurer: "Das Virus ist gekommen, um zu bleiben. Es wird irgendwann normaler Bestandteil unserer Erkältungs- und Grippenwellen sein."

Die Delta-Variante habe gezeigt, wie anpassungsfähig das Virus sein kann. Angesichts der großen Zahl an Impfdurchbrüchen kann aus Meurers Sicht von einer alleinigen "Pandemie der Ungeimpften" eigentlich keine Rede sein. Für den Weg aus der Pandemie empfiehlt Meurer, nicht nur auf die Impfung zu setzen, sondern auch weiterhin die AHAL-Regeln zu beachten - egal ob geimpft oder nicht.

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