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Ab März soll es laut Gesundheitsminister Spahn (CDU) kostenlose Corona-Schnelltests für alle geben: Ärzte und Apotheker auch aus dem Norden von Rheinland-Pfalz sehen das kritisch.

Nach Angaben des Landesapothekerverbands in Mainz gibt es bislang nur wenige Apotheken in Rheinland-Pfalz, bei denen bereits Corona-Schnelltests gemacht werden. Die Gründe dafür seien vielfältig - fehlendes Personal, keine geeigneten Räumlichkeiten oder Sicherheitsbedenken.

Verbandssprecher Frank Eickmann hält den Plan, bis zum 1. März flächendeckende kostenlose Tests für Jedermann in Apotheken anzubieten, deshalb für sportlich: "Auch wenn wir die Idee grundsätzlich befürworten, ist das jetzt doch eine organisatorische Mammutaufgabe, die wir mit Sorge betrachten." Er befürchte, dass es Anfang März zu einem Ansturm auf die Apotheken kommen könnte, ähnlich wie bei der Nachfrage nach den kostenlosen FFP-2-Masken.

Schnelltests bedeuten großen Aufwand für Apotheken

In der Rosen-Apotheke in Neuwied werden bereits seit Ende 2020 Corona-Schnelltests für Menschen ohne Symptome angeboten - immer zwei Stunden lang täglich nach Terminvergabe. Diese Termine sind begehrt, berichtet der Sicherheitsbeauftragte der Apotheke, Stefan Bauer: "Wir sind immer ausgebucht und überlegen jetzt, ob wir das Angebot noch ausbauen können."

Allerdings ist der Aufwand sehr groß. Die Corona-Schnelltests werden in der Neuwieder Apotheke in einem Extra-Raum von geschultem Personal in spezieller Schutzmontur durchgeführt. Diese Mitarbeiter fehlen währenddessen aber in der Beratung und im Verkauf. Die Tests seien auch mit einem hohen Dokumentationsaufwand verbunden, erklärt Bauer. Viele Kunden wünschten sich eine Bestätigung des Ergebnisses per E-Mail. Positiv-Fälle müssten an das Gesundheitsamt gemeldet werden. 

"Negative Testergebnisse könnten dazu missbraucht werden, sich nicht mehr an die Regeln zu halten."

Schnelltests nur eine Momentaufnahme

Der Sicherheitsbeauftragte der Rosen-Apotheke sieht daher die Idee massenhafter Schnelltests eher kritisch. Stefan Bauer bemängelt, dass viele Menschen schlecht über die Aussagekraft der Ergebnisse informiert seien und befürchtet, die Tests könnten als eine Art "Freifahrtsschein" missbraucht werden. Bei den Corona-Schnelltests handele es sich jedoch lediglich um eine Momentaufnahme, die nur bei stark ansteckenden Menschen aussagekräftig sei. Vielen sei das aber nicht klar.

Ärzteobfrau: Falsch-positive Tests könnten Labore belasten

Auch die Hausärztin Dr. Anja Meurer aus Neuwied ist wenig begeistert von den Plänen von Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU). Die Ärzte-Obfrau des Kreises Neuwied weiß zwar, dass die kostenlosen Tests für alle dabei helfen könnten, sogenannte "Superspreader" ausfindig zu machen, also Menschen, die nach einer Corona-Infektion hochansteckend sind. Aber auch sie spricht nur von einer "relativen Sicherheit", die dadurch vermittelt werden könne.

Und die Neuwieder Hausärztin macht darauf aufmerksam, dass bei den Schnelltests die Zahl falsch-positiver Ergebnisse hoch sei. Also von Tests, bei denen angeblich eine Corona-Infektion vorliegt, der Getestete sich aber gar nicht angesteckt hat. "Diese Leute müssen ja alle nochmal einen großen PCR-Test machen lassen. Das könnte dazu führen, dass die Labore unnötig überlastet werden."

Zahnärzte rund um Koblenz grundsätzlich dafür

Kostenlose Corona-Schnelltests für alle soll es nach den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums auch bei Zahnärzten geben. Die Bezirkszahnärztekammer (BZK) Koblenz erklärt auf SWR-Anfrage, dass sie das zwar begrüße. Um zu beurteilen, ob und wie Zahnarztpraxen hier beitragen können, müsse jedoch noch die entsprechende Landesverordnung abgewartet werden. Aus dem Vorstand des BZK Koblenz heißt es: "Grundsätzlich wird es immer die Entscheidung der einzelnen Kollegin und des einzelnen Kollegen sein, ob in der jeweiligen Praxis ab dem 1. März Schnelltests angeboten werden können."

Schnelltests für daheim noch nicht zugelassen

Auch Schnelltests für den Eigengebrauch könnten Apotheken und Ärzte entlasten - bislang gibt es allerdings noch keine zugelassenen Produkte auf dem Markt. Mitunter werden jedoch schon Spucktests in Sanitätshäusern in der Region Koblenz vertrieben. Eine Nachfrage bei einem der Sanitätshäuser hat ergeben, dass diese bereits nach wenigen Tagen restlos ausverkauft waren. Nachschub soll erst im März eintreffen.

Eine Übersicht, wo man sich überall testen lassen kann, finden Sie hier.

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