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Die Wied ist der längste Fluss im Westerwald, doch es geht ihr nicht gut: Zu wenige Fische, zu viele Algen. Forscher suchen nach dem Grund für den schlechten Zustand - und haben eine Vermutung.

In langen Wathosen und mit elektrischen Keschern gehen drei Wissenschaftler langsam durch die Wied. Mit den Keschern können sie ein leichtes Stromfeld im Wasser erzeugen, das die Fische im Fluss betäubt. Zwei andere Männer fangen sie mit Netzen ein. Eine Studentin registriert zudem diese Fische auf einer Liste, bevor sie wieder zurück in die Wied gesetzt werden.

"Die Elektro-Befischung hilft uns dabei, die Fischbestände zu schätzen."

Carola Winkelmann von der Universität Koblenz-Landau

Vom Ufer aus beobachtet Carola Winkelmann von der Universität Koblenz-Landau das Team bei seiner Arbeit. Sie will mit der sogenannten Elektro-Befischung herausfinden, warum es so wenig Fische und so viele Algen in der Wied gibt. Dazu müsse man genau wissen, wie viele Fische es in einem bestimmten Abschnitt gibt. Und ob möglicherweise die Kormorane zu viele fressen.

Fressen die Kormorane zu viele große Fische aus der Wied?

Kormorane brauchen bis zu 500 Gramm Fisch pro Tag. Deshalb könnten die Wasservögel nach Einschätzung von Carola Winkelmann eine Ursache für den schlechten Zustand der Wied sein: Eigentlichen nutzen große Fische die Algen im Fluss als Nahrungsquelle. Wenn es aber zu wenig große Fische gibt, können sich Algen ausbreiten. Sie verstopfen ihrerseits das Kiesbett, in dem sonst kleine Fische und Muscheln leben. So beginnt ein negativer Kreislauf.

Nährstoffe aus Landwirtschaft und Klärschlamm verantwortlich?

Der Mensch sie mit dafür verantwortlich, dass es im Wasser der Wied im Westerwald zu viele Algen gibt, sagt die Forscherin. Denn über die Landwirtschaft und die Kläranlagen gelangten zu viele Nährstoffe in den Wasserkreislauf. Vor allem Phosphat fördere das Algenwachstum.

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Am Ende des Tages haben die Forscher nur wenige Fische in der Wied gefangen, nur ein paar Döbeln, Nasen und Forellen. Das sei ein ernüchterndes Ergebnis, erklärt der Biologe Jörg Schneider vom Forschungsprojekt. "Das spricht alles für einen großen Fraßdruck durch die Kormorane." Sollte sich bei weiteren Fischzählungen in der Wied herausstellen, dass die Kormorane zu viele Fische fressen, dann könnten sie möglicherweise stärker bejagt werden, obwohl sie eigentlich unter Schutz stehen.

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