Armin Weigeldpa (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Landesweite Reform in RLP

Nachts immer weniger besetzte Bereitschaftsdienstzentralen

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Kürzere Öffnungszeiten, dafür aber mehr Hausbesuche - der ärztliche Bereitschaftsdienst im Land befindet sich im Wandel. In Kirchen und Altenkirchen im Westerwald fallen jetzt Nachtstunden komplett weg.

Dort haben die Bereitschaftspraxen nach einem Beschluss der Kassenärztlichen Vereinigung statt wie bisher die ganze Nacht über nur noch bis 23 Uhr geöffnet. In der Kreisstadt Altenkirchen statt bislang täglich sogar nur noch montags, samstags und sonntags.

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kirchen, Andreas Hundhausen (SPD), kritisiert diese Kürzungen. Er befürchtet, dass sich damit die Gesundheitsversorgung in der Region verschlechtere. Außerdem sei die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung ohne Absprache mit den Ortsbürgermeistern in der Region beschlossen worden. Ein Gespräch mit den Beteiligten hätte eine für alle akzeptable Lösung gebracht, so Hundhausen.

Landesweite Reform

Die KV verteidigt die Entscheidung, die Pläne seien Teil einer landesweiten Reform. Jedes Jahr würde in Rheinland-Pfalz ein Defizit von rund 20 Millionen Euro entstehen. Zahlen müssten dies letztlich die niedergelassenen Ärzte selbst. Fast alle Bundesländer würden bereits auf die Öffnung der Bereitschaftspraxen in der Nacht verzichten. Stattdessen solle in der Region ein mobiler Bereitschaftsdienst aufgebaut werden.

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Sorge um ärztliche Versorgung im Westerwald

Die neuen Öffnungszeiten der Bereitschaftsdienstzentralen in Altenkirchen und Kirchen waren unter anderem auch Thema im Verbandsgemeinderat Asbach. Aus der Sitzungsvorlage geht hervor, dass die Verwaltung die anstehende Änderungen kritisch sieht. In der Vorlage heißt es dazu: "Nach der Umstrukturierung müssen Patienten in der Nacht lange Fahrtzeiten in Kauf nehmen". Schwerwiegende Konsequenzen werden befürchtet.

Nächtliches Angebot sei kaum genutzt worden

In anderen Regionen im Norden von Rheinland-Pfalz wurden die Zeiten der Bereitschaftsdienstzentralen bereits reduziert, etwa im Kreis Cochem-Zell oder dem Rhein-Hunsrück-Kreis.

Auch in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Andernach sind die ärztlichen Bereitschaftspraxen seit Anfang September nur noch bis 23 Uhr geöffnet. Während in Andernach nur eine Stunde wegfällt, ist der Einschnitt in Bad Neuenahr-Ahrweiler wesentlich größer - hier konnten Menschen zuvor die ganze Nacht vorbeikommen. Allerdings sei dieser Dienst den Angaben der KV zufolge kaum genutzt worden. Ein Sprecher sagte dem SWR, dass im Schnitt ein bis drei Patienten pro Nacht kamen.

Wenn die Reform abgeschlossen ist, sollen laut KV nur noch die Bereitschaftspraxen in Koblenz, Neuwied, Mayen, Simmern und Hachenburg nachts besetzt sein.

Arzt sitzt im Auto statt in der Praxis

Auch der Ärztemangel spiele nach Angaben der KV eine große Rolle. Je weniger Ärzte zu Verfügung stünden, desto besser müsse ihre Arbeitskraft koordiniert werden. Ein Sprecher der KV verweist in diesem Zusammenhang auf den "aufsuchenden ärztlichen Bereitschaftsdienst" hin. Heißt: Auch wenn nachts mitunter Zentralen nicht mehr besetzt seien, bestünde die Option, dass ein Arzt vorbeikommt.

Menschen, die außerhalb der Sprechzeiten ihres Hausarztes Hilfe benötigen, sollten nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung unabhängig von den Öffnungszeiten der Bereitschafstdienstzentralen immer zuerst den Patientenservice unter der Telefonnummer 116 117 anrufen. Dort würden sie beraten werden.

Zentrale Telefonnummer anrufen

Die Nummer sei durchgängig von medizinisch geschultem Personal besetzt, das bei der Einschätzung des Problems helfen könne. In den Fällen, in denen eine kurzfristige ärztliche Konsultation nötig ist, würde entweder zu einer geöffneten Bereitschaftsdienstzentrale vermittelt oder - im Fall von Menschen, die nicht mobil sind - ein Arzt vorbeigeschickt.

Der Sprecher der KV weist im Gespräch mit dem SWR nochmal darauf hin, dass der ärztliche Bereitschaftsdienst nicht für Notfälle gedacht sei. Typische Probleme, die in den Praxen aufschlagen würden, seien Rückenschmerzen, Blasenentzündungen oder Erbrechen und Übelkeit.

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