Knast, Kneipe  und Kanzel - dafür steht Titus Schlagowsky aus Nastätten. (Foto: SWR)

Laienprediger soll keine Gottesdienste der EKHN mehr feiern

Wirbel um "Kneipenpastor" Titus Schlagowsky aus Nastätten

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Die hessen-nassauische Landeskirche (EKHN) will sich von dem als "Kneipenpastor" bekannt gewordenen Laienprediger Titus Schlagowsky trennen. Das sorgt für Diskussionen im Rhein-Lahn-Kreis.

Die Beauftragung von Titus Schlagowsky als Prädikant soll nach dem Willen der evangelischen Landeskirche Hessen-Nassau (EKHN) im September auslaufen und nicht mehr verlängert werden. "Die EKHN weiß, dass er manchen Menschen ins Herz und aus dem Herzen spricht", teilte Kirchensprecher Volker Rahn dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit: "Sie weiß aber auch, dass er inzwischen vor Ort zahlreiche Menschen verstört."

Niemand spreche dem Gastwirt in Nastätten seinen christlichen Glauben ab, den er selbstverständlich auch künftig weiter bekennen und mit anderen feiern könne. Allerdings sei dies künftig nicht mehr im offiziellen Auftrag der EKHN möglich, erklärte Rahn.

Hat Titus Schlagowsky der evangelischen Kirche Schaden zugefügt?

Schlagowsky hatte nach eigenen Angaben zum christlichen Glauben gefunden, als er eine Haftstrafe wegen Steuerdelikten absaß. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis absolvierte er eine Prädikantenausbildung bei der Landeskirche, mit der er auch ohne abgeschlossenes Theologiestudium Gottesdienste leiten konnte. Im Rhein-Lahn-Kreis predigte er unter anderem vor den Bewohnern von Senioren- und Behinderteneinrichtungen. Während des Lockdowns in der Corona-Krise hatte er begonnen, unkonventionelle Gottesdienste und Andachten in seiner Kneipe aufzuzeichnen. Diese veröffentlicht er unter anderem in einem eigenen Internetkanal.

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Schlagowsky teile nicht das von Prädikanten erwartete Selbstverständnis und setze vor allem auf die eigene Person, heißt es in dem Kündigungsschreiben, das der Kneipenwirt auf seiner Website veröffentlichte. Darin werde ihm vorgeworfen, in den vergangenen Wochen und Monaten erhebliche Verwerfungen und Konflikte verursacht zu haben. Seine Kirche werfe ihm vor, bei den Kneipenandachten handele es sich um nicht genehmigte Gottesdienste, so Schlagowsky.

Kritik am EKHN-Präsidenten in Youtube-Video

Zudem habe es Ärger wegen einer Heiligabend-Andacht unter freiem Himmel gegeben, die er gefeiert habe, nachdem coronabedingt der Gottesdienst in der Kirche abgesagt worden sei: "Diese Andacht war offenbar zu gut besucht." In seiner jüngsten Kneipen-Predigt übte Schlagowsky scharfe Kritik an der Leitung der EKHN, die mitverantwortlich für die vielerorts leeren Kirchen sei. "Ich bleibe in der Landeskirche und möchte auch jeden bitten, nicht aus der Kirche auszutreten, sondern in diesem Haufen etwas zu ändern", fügte er hinzu.

In der EKHN sind Prädikantinnen und Prädikanten oft als Urlaubs- oder Vakanzvertretungen im Einsatz. Nach den Worten der Kirche besteht ihr Auftrag darin, "in ihrer eigenen Sprache zeit- und lebensnah das Evangelium zu verkündigen". Unter bestimmten Umständen dürfen sie mittlerweile auch kirchliche Trauungen und Beerdigungen leiten.

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