Ein Sportplatz in Gondershausen (Foto: SWR)

SWR-Wetterexperte erklärt

Nach Hüpfburg-Unfall in Gondershausen: Wie entstehen solche Böen?

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In Gondershausen im Rhein-Hunsrück-Kreis haben Windböen am Sonntag eine Hüpfburg mit 15 Kindern in die Luft gerissen. Das Wetter zu der Zeit: blauer Himmel und Sonne.

Der Antriebsmotor von einer solchen starken Windböe, wie sie am Sonntag über den Sportplatz in Gondershausen gefegt sein muss, sei die Sonne, sagt SWR-Wetterexperte Stefan Bender. Die Sonne heizt laut Bender den Boden auf, es bilden sich warme Luftblasen - wie ein unsichtbarer Luftballon etwa. Durch die Reibung bleibt der Luftballon am Anfang noch hängen, irgendwann ist die Luft aber so warm, dass die Blase nach oben steigt, erklärt der Meteorologe weiter.

Irgendwann reißt die Luftblase nach Angaben des Wetterexperten ab. Dabei entstehe am Boden ein Unterdruck und eine Drehbewegung - in der Umgebung dieses Drehzentrums könnten dann hohe Windgeschwindigkeiten entstehen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) handelt es sich bei diesem meteorologischen Phänomen um sogenannte Staubteufel.

Laut Deutschem Wetterdienst tritt das Phänomen plötzlich auf

Das tückische an diesen Staubteufeln sei, dass sie an ruhigen Sommertagen entstehen, an denen eigentlich nicht mit stärkerem Wind oder anderen Wettergefahren gerechnet wird, teilte der DWD mit. So könnten auch Wind- oder Sturmböen genügen, um größere, unzureichend gesicherte Gegenstände in die Luft zu wirbeln. Nach Angaben des DWD tritt dieses Phänomen sehr plötzlich auf.

SWR-Wetterexperte rät kleine Windräder an Hüpfburgen zu befestigen

Bei durchwachsenem Wetter könnten solche Windböen durch die Wolken vorher erkenntlich werden, sagt Stefan Bender. Doch bei wolkenlosem Wetter seien solche Windböen vorher schwer zu erkennen. "Ich empfehle in der Nähe solcher Hüpfburgen kleine Windräder zu befestigen. Dann könnte man Böen von 20 bis 30 Stundenkilometern erkennen und dann langsam mal die Luft aus den Hüpfburgen lassen", so der SWR-Wetterexperte. Bei schönem Wetter könnte laut Bender eine solche Windböe jederzeit entstehen.

Hüpfburgen müssen laut der Unfallkasse einer DIN Norm entsprechen

Nach Angaben der Unfallkasse Rheinland-Pfalz gibt es für Hüpfburgen auch eine DIN Norm, der sie entsprechen müssen. Zudem müssen Hüpfburgen auch vom TÜV abgenommen sein und bis Windstärke 5 aushalten.

Ermittlungen wegen möglicher fahrlässiger Körperverletzung

Nach den bisherigen Ermittlungen wurde die Hüpfburg auf einem Sportplatz in dem Ort im Rhein-Hunsrück-Kreis am Sonntag durch eine Windböe erfasst und mehrere Meter über einen vier Meter hohen Zaun in die Höhe gezogen. Anschließend wurde die Hüpfburg 40 bis 60 Meter über eine Wiese geschleudert. Die darauf befindlichen 15 Kinder stürzten aus einer Höhe von vier bis fünf Metern ab. Drei Kinder wurden dabei schwer verletzt, sechs mittelschwer.

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Koblenz wurden inzwischen Ermittlungen eingeleitet, und zwar wegen einer möglichen fahrlässigen Körperverletzung. Momentan erhebe die Polizei Daten und Informationen zum Unfallhergang und befrage Zeugen. Laut Mitteilung der Polizei am Montagnachmittag seien alle Kinder außer Lebensgefahr. Vier konnten bereits aus den Krankenhäusern entlassen werden.

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