Ein Stromverteiler in Schuld nach der Flutkatastrophe (Foto: SWR)

Nach der Flutkatastrophe

Energie- und Wasserversorgung im Ahrtal weiter massiv gestört 

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Die Energie- und Wasserversorgung im Landkreis Ahrweiler ist nach der Flutkatastrophe im Ahrteil weiterhin stark gestört. Probleme gibt es auch bei Telefon- und Internetverbindungen.

Viele Menschen im Ahrtal sind weiter ohne Strom, Wasser und Gasversorgung. Der Grund sind die massiven Zerstörungen der Infrastruktur. Zum Teil müssten die Anlagen komplett neu aufgebaut werden. Inzwischen wird nach und nach eine provisorische Versorgung eingerichtet. Die Energieversorger müssen aber auch in jedes Haus, um dort die Leitungen zu prüfen.

Strom
Gas
Telefon/Internet
Frischwasser
Abwasser

Strom

Der für große Teile des Ahrtals zuständige Netzbetreiber Westnetz erklärte am Dienstag, dass derzeit noch rund 10.000 Einwohner von Stromausfällen betroffen seien. Ein Großteil der Anlagen sei durch die Flut komplett zerstört worden. In fast allen Ortsgemeinden an der Ahr zwischen Schuld und Dernau konnte der Strom noch nicht wiederhergestellt werden.

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Der Betreiber möchte diese Gemeinden mit provisorischen Anlagen versorgen. In Dernau wird eine mobile Schaltanlage aufgebaut. Laut Westnetz sind Monteure aus dem gesamten e.on-Konzern, zu dem Westnetz gehört, im Ahrtal unterwegs, um die Stromversorgung wieder herzustellen. Die Westnetz bittet darum, Strom zu sparen.

Leitungen beschädigt oder herausgerissen

Die für die Stadt Bad-Neuenahr-Ahrweiler zuständigen Ahrtalwerke sprechen von einem sehr großen Ausmaß der Schäden. Der Großteil der Stromnetzstationen sei überspült worden, viele Leitungen seien beschädigt, selbst unterirdische Leitungen wären in Gänze herausgerissen worden.

Gas

Auch die Gasversorgung ist wegen defekter Anlagen weiter gestört. Am Dienstag konnte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) aber zumindest einen kleinen Erfolg vermelden. Demnach konnten durch eine Zuleitung über Unkelbach die Gemeindeteile Grafschaft Esch, Holzweiler und Gelsdorf in Betrieb genommen werden.

Gasleitungen nicht mehr vorhanden

Die für die Gasversorgung zuständige Energieversorgung Mittelrhein (evm) ist optimistisch, dass die Gasversorgung in Teilen des Tals im Laufe der Woche wieder funktioniert. Anders sieht es in der Kreisstadt aus: Viele Gasleitungen rund um Bad Neuenahr-Ahrweiler seien laut evm nicht nur beschädigt, sondern schlicht nicht mehr vorhanden.

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Ein Unternehmenssprecher bezeichnete die Lage nach der Hochwasserkatastrophe als "dramatisch". Viele Gasleitungen seien an Brücken gewesen oder unter dem Fluss verlegt worden. Eine Hauptversorgungsleitung sei zerstört. Vermutlich müsse sie auf einer Länge von mehreren Kilometern neu gebaut werden. Die evm sei mit allen verfügbaren Kräften vor Ort.

Herbst und Winter ohne Heizung?

Die Leitungen müssten oft komplett neu aufgebaut werden. Das könne Wochen, wenn nicht Monate brauchen. Für die Bürger heiße das, dass sie möglicherweise längere Zeit nur kaltes Wasser haben und nicht warm duschen können - und im Herbst und Winter möglicherweise in einer kalten Wohnung sitzen. Die evm sucht nach eigenen Angaben nach einer Lösung. Möglicherweise könne man den Menschen mit Notaggregaten helfen.

Telefon/Internet

Auch die Internet- und Telefonanbieter arbeiten mit Hochdruck an der Wiederherstellung des Betriebs. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Digitalisierungsministeriums konnten dank der Kooperation dreier Telekommunikationsunternehmen bereits mehr als 70 Prozent der mehr als 500 ausgefallenen Mobilfunkstationen wieder in Betrieb genommen werden. In den meisten Fällen sei dies durch die Wiederanschaltung der Stromversorgung möglich.

Mobile Stationen kommen zum Einsatz

Wo das aufgrund der heftigen Zerstörung nicht möglich sei, würden auch mobile Stationen und Richtfunkanbindungen zum Einsatz kommen, die dafür vorgehalten werden. Die fehlende Stromversorgung und die Erreichbarkeit der Standorte seien die Hauptprobleme. In den Orten Liers, Ahrbrück, Brück, Pützfeld, Kreuzberg, Rech, Dernau, Marienthal, Heimersheim und Heppingen wurden Satellitenschüsseln aufgestellt, mit denen die Bevölkerung Zugang zum Internet bekommen kann. Weitere Stationen sollen dazu kommen.

Frischwasser

Die Wasserversorgung im Kreis Ahrweiler ist nach wie vor nicht gesichert, weil viele Leitungen zerstört sind. Zum Teil sind auch Wasserhochbehälter leergelaufen. Das Technische Hilfswerk hat im Kreis mehrere Aufbereitungsanlagen für Trinkwasser aufgestellt - unter anderem in Bad Neuenahr-Ahrweiler am Krankenhaus Maria Hilf. Anwohner können dort an einer Zapfstelle frisches Wasser bekommen. Der Kreis Ahrweiler warnt eindringlich davor, das Wasser der Ahr zu nutzen.

Eine Palette mit Trinkwasser steht neben dem verwüsteten Ahrufer in Rech (Foto: SWR)
Auch Rech ist schwer getroffen von der Flutkatastrophe. Zum Teil wird Wasser sogar über den Luftweg angeliefert.

Abwasser

Das Abwasserwerk der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde laut Stadtverwaltung massiv getroffen. Es müssten viele Schäden an der Kanalisation und den Hausanschlüssen repariert werden. Außerdem sei das noch intakte Abwasserkanalsystem durch den Schlamm verstopft. Dadurch würde die Kanalisation immer wieder überlaufen. Die Stadt bittet die Menschen deshalb darum, keinen Schlamm und Feuchttücher über das Abwasser zu entsorgen.

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