Rastplatz an der B9, der immer wieder voller Müll ist (Foto: SWR)

LBM kommt mit dem Säubern kaum hinterher

Müllproblem auf Rastplätzen an der B9 bei Andernach

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Müll am Straßenrand ist vielen ein Dorn im Auge. Auf zwei Rastplätzen an der B9 zwischen Neuwied und Andernach ist es besonders schlimm. Sie gleichen häufig einer Müllkippe.

Dreimal die Woche lässt der Landesbetrieb Mobilität (LBM) nach eigenen Angaben die Rastplätze von einer Fremdfirma reinigen - aber das reicht nicht aus. Deshalb schauen Mitarbeiter des LBM, wie Jens Bettendorf, zusätzlich regelmäßig dort vorbei. Mit Greifzange und Müllsack rücken er und seine Kollegen den Hinterlassenschaften anderer Menschen zu Leibe.

"Das ist ganz klar ekelerregend."

Hier ein Papierchen, da einige Fast-Food-Reste - aber auch mal eine ganze Tüte voll vergorenem Haushaltsmüll ist dabei. "Das ist ganz klar ekelerregend", macht Bettendorf deutlich. Jetzt im Winter gehe es noch einigermaßen, was den Geruch betrifft, im Sommer aber sei der Gestank in der Nähe der Mülltonnen kaum auszuhalten.

Kein typischer Rastplatzmüll

Etwa fünf bis zehn 50-Liter-Säcke voll Müll kommen bei einer normalen Sammelaktion etwa zusammen, schätzt Bettendorf. Das, was er und seine Kollegen auf den Rastplätzen finden, hat mitunter wenig mit dem zu tun, was erwartbar wäre. "Da ist alles mögliche dabei. Auch Möbelstücke, Kühlschränke oder Bauschutt", berichtet Bettendorf.

Der LBM sammelt regelmäßig auf den Rastplätzen an der B9 Müll (Foto: SWR)
Straßenwärtermeister Patrick Wanner (v.r.n.l.) vom LBM mit seinen Kollegen Jens Bettendorf und Michael Sauter beim Müllsammeln an der B9.

Warum die Leute ihren Müll auf dem Rastplatz abladen, ist LBM-Straßenwärtermeister Patrick Wanner ein Rätsel: "Wenn ich zu Hause Sperrmüll habe, dann fülle ich einen Entsorgungscheck aus und er wird vor der Haustür abgeholt. Warum sich Leute die Arbeit machen, den Kram ins Auto zu laden und hierhin zu karren, dafür hab ich keine Erklärung und auch kein Verständnis."

"Das ist schon ein riesen Berg, den wir hier einsammeln."

Zwar habe es schon immer ein Müllproblem auf den beiden Rastplätzen an der B9 gegeben, Wanner ist sich aber sicher, dass es über die letzten Jahre immer schlimmer geworden ist. Das Reinigungsintervall sei extra angepasst worden - drei statt zwei Reinigungen pro Woche - aber es werde einfach nicht besser. Wanner spricht von 500 Kubikmetern Müll pro Jahr. "Das ist schon ein riesen Berg, den wir hier einsammeln."

Auch Tierkadaver finden sich im Müll

Besonders schlimm sei die Situation an Montagen, wie ein Mitarbeiter der Fremdfirma dem SWR berichtet. Immer wieder hätten ihn in den letzten Jahren säckeweise Reste von großen Familienfeiern erwartet, wenn er zum Aufräumen kam. Als besonders widerlich bezeichnete er Tierkadaver, die ab und zu auftauchen würden.

Müll stapelt sich am Rastplatz an der B9 zwischen Neuwied und Andernach (Foto: Environmental Service GmbH)
Nicht nur die Mülleimer auf dem Rastplatz an der B9 zwischen Neuwied und Andernach sind regelmäßig bis zum Anschlag gefüllt. Auch daneben landen oft Tüten voller Unrat. Environmental Service GmbH

Diese Art von Müll ziehe Ratten an, wie Wanner berichtet. Und nicht nur die - selbst Wildschweine seien schon auf Nahrungssuche gesichtet worden. Vor einiger Zeit sei deshalb extra ein Wildschutzzaun auf dem Rastplatz in Richtung Andernach (Kreis Mayen-Koblenz) aufgebaut worden. Ansonsten hilft laut Wanner nur häufigeres Aufräumen. "Aber wir haben auch noch anderes zu tun, als den Leuten ihren Müll hinterherzufahren."

Videoüberwachung nicht ohne Weiteres möglich

Ein Ende des Ärgers ist für Wanner momentan nicht in Sicht. Eine Videoüberwachung könnte Abhilfe schaffen, allerdings gebe es dabei Probleme mit dem Datenschutz in Deutschland. Im Interesse aller wünscht er sich daher, dass die Besucher des Parkplatzes die Augen offen halten und mögliche Müllsünder samt Kennzeichen an die Ordnungsbehörden melden.

Die Situation, wie sie jetzt ist, sei eine Zumutung für jeden - nicht nur die Mitarbeiter und Beauftragten des LBM, sondern auch für alle, die während ihrer Autofahrt mal eine Rast an der B9 einlegen wollen. Und nicht zuletzt kostet die illegale Müllentsorgung auch Geld: "Zahlen muss momentan die Allgemeinheit."

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