Kleinen Jungen mit Messer angegriffen: Angeklagter entschuldigt sich beim Prozessaftakt in Koblenz. (Foto: SWR)

Mann wegen versuchtem Totschlag angeklagt

Messerangriff auf Jungen in Koblenz: Angeklagter gibt Tat zu

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Der Mann, der mitten am Tag in der Koblenzer Innenstadt auf einen zweijährigen Jungen eingestochen haben soll, hat die Tat zu Prozessbeginn zugegeben und sich dafür entschuldigt.

Der Angeklagte gab am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Koblenz an, unter Verfolgungswahn gelitten zu haben. Er habe zu seiner eigenen Sicherheit drei Messer bei sich getragen. Gegen Nachmittag habe er eine Stimme gehört: "Ich töte dich!" Deshalb sei er durchgedreht und habe sich verteidigen wollen.

An die Zeit danach habe er keine Erinnerung mehr. Der Mann erklärte, er habe erst verstanden, dass er gerade auf ein Kind eingestochen habe, als er von Zeugen überwältigt worden war. Warum er ausgerechnet den Jungen angriffen habe, könne er selbst nicht sagen.

Kleinkind im Kinderwagen angegriffen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem mutmaßlichen Täter versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Im Frühjahr hatte der Fall bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Der Mann soll Mitte März in der Nähe des Koblenzer Hauptbahnhofs den zwei Jahre alten Jungen in einem Kinderwagen mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte zunächst die Mutter des Jungen ohne erkennbaren Grund vom Kinderwagen weggeschubst und dann mehrfach auf das Kind eingestochen. Bei dem Angriff habe der Junge mehrere Stichverletzungen vor allem im Rücken erlitten - die Einstiche seien bis zu sieben Zentimeter tief gewesen.

Passanten verhinderten Schlimmeres

Dass das Kleinkind trotz der schweren Verletzungen überlebte, ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft dem Eingreifen der Passanten zu verdanken. Ihnen sei es gelungen, den 39-jährigen Angreifer zu überwältigen. Einer der Passanten soll als Erster reagiert und dem Angreifer das Messer entrissen haben. Das Kind wurde in ein Krankenhaus gebracht und sofort operiert.

Mutmaßlicher Täter wahrscheinlich schuldunfähig

Der mutmaßliche Täter wurde noch am Tatort festgenommen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war. Das geht auch aus einem Gutachten zur Psyche des Mannes hervor, das von den Ermittlern in Auftrag gegeben wurde. Der Angeklagte befindet sich seit der Tat in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Wegen seiner psychischen Probleme fordert die Staatsanwaltschaft, den Mann auch weiterhin in einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen. Der Angeklagte sagte beim Prozess selbst aus, dass er schon vor der Tat in psychiatrischer Behandlung war. Er habe vergessen, seine Medikamente zu nehmen.

Der Richter sagte, in dem Fall könne nicht wirklich von einer Strafe gesprochen werden. Es gehe vielmehr darum, die Gesellschaft und auch den Angeklagten selbst davor zu schützen, dass so etwas noch einmal passiere.

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