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Im Kreis Mayen-Koblenz ist ein Mann an einer akuten Vergiftung gestorben, nachdem er aus Versehen die Pflanze Herbstzeitlose gegessen hatte. Er hatte sie mit Bärlauch verwechselt.

Wie die Polizei mitteilt, wollte der Mann mit seiner Ehefrau Bärlauch sammeln und hat stattdessen die hochgiftige Herbstzeitlose gepflückt. Diese sieht dem Bärlauch sehr ähnlich. Nach dem Essen bekam das Ehepaar aus Vallendar Vergiftungserscheinungen und wurde ins Krankenhaus gebracht.

Weil unklar war, woher die Symptome kamen, wurden Experten vom Gesundheitsamt des Kreises dazu geholt, die mit der Polizei die Wohnung der beiden durchsuchten. Dabei fiel ihnen eine Tüte mit grünen Blättern auf, die Bärlauch ähnelten. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei jedoch um Teile der Herbstzeitlosen handelte.

Giftige Herbstzeitlose, die der Mann aus dem Kreis Mayen-Koblenz mit Bärlauch verwechselt hat. Er ist an einer Vergiftung gestorben. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Giftige Herbstzeitlose, die der Mann aus dem Kreis Mayen-Koblenz mit Bärlauch verwechselt hat. Er ist an einer Vergiftung gestorben. Picture Alliance

Frau liegt nach Vergiftung immer noch im Krankenhaus

Für den Mann kam die Diagnose allerdings zu spät. Er starb noch am Dienstag vergangener Woche, wie die Polizei jetzt mitteilte. Seine Frau liegt noch immer im Krankenhaus.

Die Polizei warnt, beim Sammeln von Bärlauch im Wald besonders gut aufzupassen, weil Verwechselungen wie in diesem Fall tödliche Folgen haben können.

Herbstzeitlose kann mit Bärlauch (Quelle: picture-alliance) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Die Herbstzeitlose (links) ist besonders giftig. Schon 60 Gramm der Blätter reichen, um einen 80 Kilogramm schweren Menschen zu töten. Ihre Blätter haben keinen Stiel. Bärlauch dagegen ist nicht giftig. Die Blätter riechen nach Knoblauch. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Giersch (links) gilt bei vielen Gärtnern als Unkraut, ist aber auch ein Wildgemüse und als Heilkraut bekannt. Seine Blätter riechen beim Zerreiben nach Petersilie oder Möhre. Der Gefleckte Schierling (rechts) dagegen ist der giftige Doppelgänger. Der Schierlingsbecher war in früheren Zeiten ein Getränk, um Menschen zu töten. Ihn erkennt man am rötlich gefleckten Stengel. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Auch Maiglöckchen (links) sehen Bärlauch ähnlich. Hier wachsen statt einem Blatt zwei Blätter am gleichen Stengel. Während Bärlauch schon im Februar oder März austreibt, kommen die Maiglöckchen erst im April heraus. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Beinwell (links) ist zwar ein Heilkraut, doch in größeren Mengen kann der Verzehr giftig sein. Die Pflanze kann bis zu einen Meter groß werden und damit deutlich größer als Borretsch-Kraut, das auch als Gurken- oder Kukumerkraut bekannt ist. Es ist zum Beispiel Bestandteil der Frankfurter Grünen Soße. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Vor allem im jungen Stadium kann das Jakobskreuz-Kraut (links) mit Löwenzahn (rechts) verwechselt werden. Das Jakobskreuz-Kraut ist sehr giftig, schon geringe Dosen können gefährlich werden. Das Zerreiben der Blätter stößt einen unangenehmen, abstoßenden Geruch aus. Löwenzahn-Blätter dagegen können problemlos gegessen werden. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen

Nach Auskunft der Naturschutzorganisation Nabu wird der wildwachsende Bärlauch in der Frühjahrsküche immer beliebter. Beim Pflücken solle man aber genau hinschauen, denn es bestehe Verwechslungsgefahr mit Maiglöckchen und Herbstzeitlosen. Diese beiden Pflanzen sind giftig und dürften auf keinen Fall gegessen werden.

Bärlauch über Geruch von Maiglöckchen und Herbstzeitlose unterscheiden

Im Wald könne vor allem das Maiglöckchen an den gleichen Stellen wie der Bärlauch wachsen. Wichtiges Unterscheidungsmerkmal sei der Geruch: Während die Blätter des Bärlauchs intensiv nach Knoblauch riechen würden, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibe, seien die Blätter von Maiglöckchen und Herbstzeitlose geruchlos.

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Der Nabu empfiehlt daher, Bärlauch nur dann zu sammeln, wenn man die Pflanze sicher bestimmen kann. Dabei können Bücher oder Apps helfen. Im Zweifel solle man die Pflanzen lieber stehen lassen. Darüber hinaus gelte, wie auch beim Pilze sammeln: Nur so viel sammeln, wie man wirklich selbst braucht. In Naturschutzgebieten sei das Sammeln von Bärlauch oder andere Wildkräuter tabu.

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