Rahimullah Rahimi (Foto: SWR)

Rahimullah Rahimi aus dem Westerwald

"Ich habe Angst um meine Familie in Afghanistan"

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Nachdem die Taliban die Kontrolle über Afghanistan übernommen haben, sorgen sich viele Afghanen in Deutschland um ihre Familien in der Heimat. Einer von ihnen ist Rahimullah Rahimi aus Höhr-Grenzhausen im Westerwald.

Er ist 2015 nach Deutschland geflohen und hat sich hier ein neues Leben aufgebaut. Der heute 20-Jährige hat seinen Schulabschluss gemacht und arbeitet in einer Fabrik.

In den sechs Jahren, die Rahimullah nun schon in Deutschland lebt, hat er seine Familie nicht mehr persönlich gesehen. Mit seiner Mutter, seinem kleinen Bruder und seinen Schwestern hat er nur telefonisch Kontakt.

Sorge um jüngere Schwestern

Besonders um die 15 und 16 Jahre alten Schwestern macht er sich zurzeit große Sorgen: "Wenn jemand ein Mädchen zu Hause hat, das älter als 15 Jahre alt ist, dann soll das schnellstmöglich an die Taliban übergeben und verheiratet werden", erzählt er. Das wolle er unbedingt verhindern. "Meine Familie hat Angst."

Rahimullas Familie lebt in Dschallalabad, ganz im Osten Afghanistans, nicht weit von der pakistanischen Grenze. Die Stadt ist am Sonntag von den Taliban erobert worden. Seitdem trauen sich seine Mutter und seine Geschwister nicht mehr auf die Straße, erzählt er. Sie wollen nur noch eins: weg aus Afghanistan, berichtet Rahimullah.

"Ich versuche ihnen gerade einen Reisepass zu besorgen, weil überall die Grenzen zu sind. Ich will sie nicht nach Europa bringen, sondern einfach irgendwohin, wo es sicher ist. In Afghanistan können sie nicht leben in der aktuellen Lage."

Taliban erschossen Rahimullas Vater

Wie gefährlich die Taliban sind, hat die Familie leidvoll erfahren müssen. Rahimullas Vater arbeitete für die afghanische Regierung und das westliche Militär. Jahrelang bedrohten die Taliban ihn und verlangten mehrere Tausend Dollar als Strafe. Ein typisches Vorgehen der Taliban, sagt Rahimullah. "Mein Vater wurde von den Taliban verhaftet. Wenn er eine Strafe zahlt, dann ist alles in Ordnung, sagten sie. Wir haben das Geld bezahlt, aber im Endeffekt wurde mein Vater im vergangenen Jahr trotzdem erschossen."

Trauer, Angst und Wut – das empfindet Rahimullah, wenn er an seine Heimat Afghanistan denkt. Dass das afghanische Militär das Land kampflos aufgeben wird, hatte er schon vor Monaten befürchtet. Eine Zukunft sieht er für sich und seine Familie dort nicht mehr. "Afghanistan ist verloren. Ich habe keine Hoffnung mehr für das Land."

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