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Die betörende Loreley ist weltberühmt: Auf dem Rheinfelsen sitzt sie laut Legende singend und zieht die Schiffer auf dem Fluss ins Verderben. Doch was ist dran am Mythos Loreley?

Bei Rheinkilometer 555 macht der Fluss eine scharfe Kurve. An deren Innenseite ragt der 132 Meter hohe Loreley-Felsen aus dunklem Tonschiefer aus dem Wasser. Südlich von St. Goarshausen liegt damit eine der gefährlichsten Stellen des Rheins. "Es ist ein sehr anspruchsvoller Abschnitt durch die enge Kurve, aber auch durch die Strömung", sagt Florian Krekel vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt.

Die Loreley ist außerdem die engste Stelle auf dem schiffbaren Abschnitt des Rheins – nur etwa 145 Meter ist der Fluss hier breit. Je nach Wasserstand ragen mehrere Felsen aus dem Rhein hervor. So wird der Abschnitt auch als Gebirge bezeichnet. Deshalb waren Schiffe noch bis in die 1980er Jahre von St. Goarshausen bis Bingen mit einem ortskundigen Rheinlotsen als Steuermann unterwegs.

Immer wieder Havarien an der Loreley

Auch ganz ohne blonde Schönheit auf der Spitze des Felsens kommt es an der Loreley immer wieder zu Schiffsunfällen und - unglücken. Vor 20 Jahren habe es an dieser Stelle noch jährlich mehr als 100 Havarien gegeben. Das sei dank aufgerüsteter Technik besser geworden, sagt Ralf Schäfer, Fachgebietsleiter Schifffahrt am Standort Bingen des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Rhein. Dennoch kommt es an der Loreley jedes Jahr zu mehreren kleineren Havarien von Binnenschiffen.

Die Loreley-Figur hoch oben über dem Rhein (Foto: SWR)
Aus dem 19. Jahrhundert stammt die Legende der schönen Loreley. Sie soll sich auf dem Felsen ihre langen, goldenen Haare gekämmt haben. Mit ihrem Gesang betörte sie die Schiffer, die dann mit ihren Schiffen in der gefährlichen Strömung an den Felsen zerschellten.

Im September 2003 verunglückte beispielsweise ein Ausflugsschiff. Bei Niedrigwasser lief es auf Grund, wodurch die Propeller für Antrieb und Steuerung beschädigt wurden. Direkt in Höhe des Loreleyfelsens blieb das Passagierschiff dann am Ufer hängen. Durch den Aufprall wurden 41 Passagiere verletzt.

"Der Rhein zeigt uns regelmäßig seine Gewalt, zum Beispiel bei Hochwasser. Der Fluss hat seine eigenen Gesetze."

Das Kentern der Waldhof war dennoch ein herausragender Unfall, sagt Florian Krekel. "Das Ausmaß des Unglücks und die lange Sperrung des Rheins – so etwas hat es sehr, sehr lange nicht gegeben." Auch danach sei zum Glück nichts passiert, was nur annähernd an diese Dimension herankommt.

Mehr Sicherheit durch neue Verkehrsleittechnik

Als Konsequenz aus der Waldhof-Havarie wurden mehrere neue Regelungen geschaffen: So ist die Verkehrsleittechnik im betreffenden Streckenabschnitt verbessert worden und Gefahrgutvorschriften wurden angepasst. Seit 1. Dezember 2014 dürfen Berufsschifffahrer auf dem Rhein nur noch mit dem sogenannten Automatic Identification System fahren. Das ist vereinfacht gesagt ein Funksystem, das Schiffs- und Navigationsdaten mit anderen Schiffen austauscht und damit die Sicherheit und Lenkung des Schiffsverkehrs verbessert.

Die Revierzentrale im nahen Oberwesel betreut die in dieser Form bundesweit einzigartige sogenannte Wahrschaustrecke. Rheinaufwärts fahrende Schiffe werden über drei Lichtspalten am westlichen Ufer informiert, welche Binnenschiffe dort ebenfalls unterwegs sind und wie groß sie sind. Die Infos richten sich an flussaufwärts fahrende Schiffe, weil diese wegen der Strömung bei Bedarf besser stoppen können.

Umstrittene Rheinvertiefung

Diskutiert wird auch immer wieder darüber, ob die Fahrrinne des Rheins überall auf 2,10 Meter vertieft werden soll. Politik und Wirtschaft sind dafür, weil eine Rheinvertiefung der Schifffahrt nutzen würde und so viele Tonnen Güter über den Fluss statt über die Straßen transportiert werden könnten. Doch Naturschützer befürchten große Schäden für Tiere und Pflanzen, weil ein tieferer Rhein den Grundwasserspiegel senken könnte.

Trotz verbesserter Technik könne man nie ausschließen, dass sich ein solches Unglück wie das Kentern der Waldhof wiederholt, so die Experten. Die Technik erleichtere vieles, sagt auch Florian Krekel, und die Schiffe seien mittlerweile deutlich stärker motorisiert. "Aber auch menschliche Fehler können wir nie ausschließen. Davor schützt uns auch die beste Technik nicht", sagt Krekel.  

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