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Ware bestellen und am nächsten Tag erhalten – Millionen Menschen kaufen mit einem Klick beim Online-Händler Amazon. Aktionen wie der "Black Friday" lassen die Anzahl der Bestellungen in die Höhe schnellen. Aber was passiert eigentlich, nachdem der Kunde auf "Bestellen" geklickt hat?

Über die Hälfte des Online-Handels in Deutschland wird über die Plattform des Konzerns Amazon abgewickelt. Mehr als 200 Millionen Produkte hat das Unternehmen in Deutschland im Sortiment: Von Waschmittel bis hin zum Erotik-Spielzeug ist alles dabei. Dafür, dass die Produkte in kürzester Zeit beim Kunden ankommen, sorgen bundesweit dreizehn Logistikzentren.

Eines davon befindet sich seit 2012 in Koblenz. Die Fläche des Standorts ist etwa so groß wie 17 Fußballfelder. Knapp 100.000 Artikel werden hier durchschnittlich am Tag versandt. In der Weihnachtszeit sind es zwei- bis dreimal so viele. Aktionstage wie der "Black Friday" oder der "Cyber Monday", die den Weihnachtsverkauf einläuten, können die Anzahl der Bestellungen sogar auf 500.000 am Tag in die Höhe treiben.

"Die meisten Tätigkeiten werden von den Mitarbeitern händisch durchgeführt", sagt Pressesprecher Thorsten Schwindammer. In Koblenz habe Amazon zwar Fördertechnik, aber keine Roboter im Einsatz wie an den Standorten Frankenthal bei Mannheim oder in Winsen bei Hamburg.

Der Weg eines Amazon-Pakets

Wann und wo in Deutschland auf "Bestellen" geklickt wird, spielt eine große Rolle. Denn dementsprechend ermittelt Amazon, wo der gewünschte Artikel noch vorrätig ist und in welchem Logistikzentrum Ressourcen vorhanden sind, um die Bestellung schnellstmöglich abzuwickeln. Erst dann entscheidet sich, an welchem Standort die Bestellung bearbeitet wird.

Zuerst kommt die verpackte Ware im sogenannten "Inbound Dock", der Warenannahme, an. Hier stapeln sich viele in Plastikfolie gehüllten Pakete, die darauf warten, geöffnet zu werden. Die Mitarbeiter fahren die großen Kartons, in denen sich die einzelnen Artikel befinden, in die Abteilung "Receive", zu deutsch "Empfangen". Dort wird jeder Artikel einzeln gescannt und mit dem Amazon-System "verheiratet." Das bedeutet, dass die Ware nach diesem Schritt im Online-Shop verfügbar ist. Anschließend wird der Artikel in eine schwarze Plastikbox auf ein Fließband gelegt.

"Stower" und "Picker"

Die Box erreicht den "Pick Tower", das Herzstück des Logistikzentrums. Es umfasst vier Ebenen, auf denen sich jeweils 200 Gänge befinden. Etwa 12 bis 13 Millionen Artikel lagern hier – völlig chaotisch eingeordnet. Neben einem Buch können beispielsweise Rasierer, Kerzen oder Schuhe liegen. Hier arbeiten "Stower" und "Picker". Zusammen bilden die Einsortierer und Sammler die größte Abteilung im Logistikzentrum Koblenz. "Das ist ein wirklich sehr laufintensiver Job", sagt Schwindammer.

Zu Fuß sortieren die "Stower" die Ware in unzählige Fächer des Regal-Labyrinths. Sie scannen den Artikel, danach das jeweilige Fach, in dem sie den Artikel hineinlegen. Es gibt nur eine Regel: Es dürfen nicht mehr als sechs Artikel in ein Fach.

Sobald eine Kundenbestellung eingegangen ist, kommen die "Picker" zum Einsatz. Ihre Scanner zeigen an, welcher Artikel vom Kunden bestellt wurde und wo er im "Pick-Tower" gelagert ist. Nachdem er den Artikel gefunden hat, muss er ihn scannen, bevor er den nächsten einsammeln kann. Die Mitarbeiter legen die bestellte Ware in eine schwarze Box und schicken sie weiter zur Packstation.

Amazon Logistikzentrum in Koblenz Der Weg eines Amazon-Pakets

Warenannahemstation bei Amazon (Foto: SWR)
Im "Inbound Dock" wird die Ware angenommen und anschließend an die Fließbänder gefahren Bild in Detailansicht öffnen
Ein Teil der Ware liegt in einem Schnelllager und verlässt das Logistikzentrum über einen verkürzten Weg Bild in Detailansicht öffnen
Viele Artikel kommen nicht in das Schnellager, sondern in eine schwarze Plastikboxen. Sie befördern die Ware durch das Logistikzentrum in Koblenz Bild in Detailansicht öffnen
Bereits vom Eingang des "Pick-Towers" sind die Regale zu sehen, in denen die Ware gelagert wird Bild in Detailansicht öffnen
Beim Ordnen der Ware gibt es nur eine Regel: In jedem Fach dürfen sich nur sechs Artikel befinden Bild in Detailansicht öffnen
Ist die Ware Teil einer größeren Bestellung mit mehreren Artikeln, so ordnen die Mitarbeiter die Artikel für die Packer vor, die zu einer Bestellung dazugehören Bild in Detailansicht öffnen
An den Packstationen im Logistikzentrum stehen Kartons in vielen Varianten Bild in Detailansicht öffnen
Nachdem die Mitarbeiter die Ware verpackt haben, fährt sie auf dem Fließband in das "Outbound Dock", dem Warenausgang Bild in Detailansicht öffnen
Die bestellten Artikel sind nun eingelagert und werden zu einem Verteilzentrum gefahren. Von dort aus wird das Paket zum Kunden geliefert Bild in Detailansicht öffnen

Anonyme Bestellungen

Bevor die Ware in der Packstation ankommt, wird in einem Zwischenschritt unterschieden, ob der Kunde nur einen einzelnen oder mehrere Artikel bestellt hat. Hatte er mehrere Artikel in seinem Warenkorb, so fährt die Box mit den Artikeln einen kleinen Umweg: Hier ordnen die Mitarbeiter die Artikel in gelbe Fächer vor, damit die Packer später wissen, wie viele und welche Artikel zu einer Bestellung gehören.

Wie bei allen bisherigen Stationen scannen die "Packer" die in der Packstation eingetroffene Ware. Das System zeigt den Mitarbeitern an, welcher Karton die passende Größe hat und gibt eine Empfehlung. Der Mitarbeiter packt den Artikel in einen Amazon-Versand-Karton, beklebt ihn mit einem Barcode und legt in auf ein weiteres Fließband, das den verpackten Artikel zur vorletzten Station befördert. Bis hierhin ist jede Bestellung anonym.

Das Paket verlässt das Logistikzentrum

Im "Outbound Dock", dem Warenausgang, wird die Ware dem Empfänger zugeordnet. Eine Maschine scannt den vom "Packer" aufgeklebten Barcode. Dadurch kann sie sekundenschnell den Empfänger ausmachen und das Amazon-Paket mit der Adresse bekleben.

Zur letzten Station gelangen die fertig bearbeiteten Pakete über eine Rutsche: Hier werden sie in Wechselbrücken, containerähnliche Ladungsträger, eingeladen. Ein Lkw bringt den Container zu einem der vielen Amazon-Verteilzentren in Deutschland. Von dort aus wird das Paket zum Endkunden geliefert. Die letzten Stationen kann der Kunde über die Amazon-App nachverfolgen.

Auf das Weihnachtsgeschäft ist Amazon in Koblenz vorbereitet. Der Konzern hat zusätzliche Lagerräume außerhalb des "Pick-Towers" und weitere Packstationen im Logistikzentrum eingerichtet, sodass dem nächstmöglichen Umsatzrekord nichts mehr im Weg steht.

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