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Der geplante Abriss von Kuranlagen in Bad Neuenahr-Ahrweiler sorgt schon länger für Streit in der Kurstadt. Eine Bürgerinitiative protestiert gegen die Pläne. Jetzt steht der Abriss unmittelbar bevor.

Eine große Konzerthalle mit Orchestermuschel, Trinkhallen und Läden: Die Anlage im Kurpark von Bad Neuenahr war die erste Kuranlage im Stil der Bauhausarchitektur. Das Ensemble im Kurpark wurde 1927 konzipiert und in den 30ern gebaut. Inzwischen ist es jedoch in die Jahre gekommen. Der Beton bröckelt, teilweise wird die Konstruktion mit Stützen gesichert und mit Bauzäunen abgesperrt. Aus Sicherheitsgründen kann man die Gebäude nicht mehr betreten.

Abgesperrte Wandelgänge in den Kurparkanlagen Bad Neuenahr-Ahrweiler (Foto: SWR)
Die Gebäude können aus Sicherheitsgründen nicht mehr betreten werden

Orchestermuschel soll erhalten bleiben

Nach Angaben der Stadt kann die Bausubstanz nicht saniert werden. "Die Baukonstruktionen im Kurpark haben laut Gutachten das Ende ihrer Lebensdauer erreicht", heißt es von Seiten der Stadtverwaltung. Eine Abbruchgenehmigung von der unteren Denkmalbehörde gebe es bereits seit zwei Jahren. Allein die Orchestermuschel soll erhalten bleiben.

Anfang November sind die Vorarbeiten im Inneren der Gebäude geplant, ab Januar sollen schließlich auch die Bagger rollen. Der Abriss soll rund eine halbe Million Euro kosten. An gleicher Stelle sollen anschließend unter anderem ein neuer Konzertsaal und ein Café entstehen.

Bürgerinitiative für Sanierung

Die Bürgerinitiative "Lebenswerte Stadt" stellt sich gegen die Pläne. Die Mitglieder setzen sich dafür ein, die historischen Gebäude zu erhalten und zu sanieren. Sie kritisieren, dass eine Sanierung nie richtig geprüft worden sei. Unterstützt werden sie von dem Ingenieur und Sanierungsexperten Rainer Hempel. Nach seiner Einschätzung ist das Gebäude mit einem vertretbaren Aufwand sanierbar. "Ich finde, der Abriss ist unnötig, verfrüht und kontraproduktiv", sagt Hempel im Interview mit Zur Sache Rheinland-Pfalz.

Kurparkanlagen Bad Neuenahr-Ahrweiler (Foto: SWR)
Die Vorbereitungen für den Abriss der Gebäude im Bauhausstil sollen jetzt beginnen

Auch Matthias Müller vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz spricht sich gegen die Pläne aus. Für ihn ist der Abriss eine Tragödie. "Damit würde Rheinland-Pfalz, aber auch Deutschland, eines der wichtigsten Denkmäler der Bauhausarchitektur verlieren", so Müller. Juristisch gebe es keine Möglichkeit mehr, den Abriss zu verhindern. Er appelliert an die Beteiligten, noch einmal das Gespräch zu ermöglichen und die Sanierung zu prüfen.

Haftungsfragen und Standsicherheit

Die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) sieht jedoch keine Möglichkeit, die Gebäude zu sanieren. "Das Gutachten hat die Nicht-Sanierungsfähigkeit festgestellt", sagt Generaldirektor Thomas Metz. Für den Neubau habe die Behörde bestimmte Auflagen gemacht, so müssen Größe und Strukur dem alten Ensemble entsprechen. "Natürlich hätten wir uns gewünscht, möglichst viel von diesem Bauwerk zu erhalten", so der Generaldirektor. Es gehe dabei aber auch um Haftungsfragen und die Standsicherheit der Bausubstanz. "Hier geht es um ein zu nutzendes Gebäude und einen Eigentümer, der dafür geradestehen muss, dass dort nichts passiert." Die letzte Entscheidung treffe der Eigentümer, die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Große Konzerthalle im Kurpark (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die große Konzerthalle (2018): Die Orchestermuschel soll erhalten bleiben Picture Alliance

Stadt: Keine leichte Entscheidung

Die Stadtverwaltung sagt, sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Bürger und Bürgerinitiative seien angehört worden, in Ausschüssen und im Stadtrat habe man lange diskutiert. "Hier kann keineswegs von einer voreiligen Entscheidung gesprochen werden", so ein Sprecher. Die Stadtverwaltung sei sich der großen Bedeutung des Kurparks für die Stadt bewusst. Der Kurpark und die neuen Gebäude sollen langfristig ein Gewinn für Bürger und Gäste von Bad Neuenahr-Ahrweiler werden.

Noch ist unklar, ob die neuen Gebäude bis zur Landesgartenschau 2022 fertiggestellt sind.

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