Kugelobjekte aus Licht (Foto: SWR)

Zu hoher Stromverbrauch?

Diskussion um Lichter-Events Lumagica und Christmas Garden

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AUTOR/IN
Christina Nover
Autorin Christina Nover (Foto: SWR)

Die Politik ruft seit Wochen zum Energiesparen auf, gleichzeitig werden in Neuwied und Koblenz mit der Lumagica und dem Christmas Garden große Lichterfeste geplant. Daran gibt es Kritik.

300 Lichtinstallationen mit tausenden von kleinen Lämpchen - die erste Ausgabe der Lumagica in Neuwied schauten sich im vergangenen Jahr nach Veranstalterangaben rund 68.000 Besucher an. An den Erfolg wollen die Macher in diesem Jahr anknüpfen. Am 24. September soll die zweite Auflage der Lumagica starten - doch es gibt Kritik.

Diskussionen rund um Lumagica 2022 in Neuwied

Seit die ersten Plakate hängen und die Veranstaltung offensiv beworben wird, äußern Menschen angesichts der Energiekrise unter anderem in den sozialen Medien ihren Unmut. Während die Politik zum Stromsparen aufruft und Straßenlaternen und Leuchtreklamen abgeschaltet werden sollen, fehlt ihnen das Verständnis dafür, dass die Lumagica in Neuwied stattfinden soll.

Die Geschäftsführerin des Neuwieder Ortsverbands der Grünen, Inge Rockenfeller, bezeichnete die Lichterausstellung beispielsweise in einem Artikel der Rhein-Zeitung als "reine Energieverschwendung". Aber es gibt auch andere Stimmen, die die Kritik für überzogen halten.

Karl-Heinz König von MK Illumination - der Firma, die hinter dem Lichterpark steht - kann die Aufregung nicht so recht nachvollziehen. König spricht von der Lumagica als einer dank LED-Technik "energieeffizienten Veranstaltung" - im Gegensatz zu großen Fußballspielen unter Flutlicht. Während der rund sechswöchigen Spielzeit würden insgesamt zwischen 12.000 und 16.000 Kilowattstunden Strom verbraucht. Das sei aus seiner Sicht vertretbar.

Stadt Neuwied: Freizeitangebote wichtig für die Menschen

Stadtsprecher Erhard Jung erklärte auf SWR-Anfrage, dass das wirtschaftliche Leben in Neuwied derartige Veranstaltungen brauche. Eine Absage der Lumagica, bei der es sich um eine private Veranstaltung handele, würde zwangsläufig bedeuten, dass auch andere Events wie zum Beispiel Weihnachtsmärkte und Sportveranstaltungen in Frage gestellt werden müssten.

Nach den Entbehrungen durch den Corona-Lockdown wolle die Stadt das gesellschaftliche Leben nicht erneut zu stark herunterfahren. Freizeitangebote seien wichtig für die Menschen, weil sie "willkommene Ablenkung und Gelegenheit zum gesellschaftlichen Miteinander sein können". Die Stadt Neuwied leiste an anderen Stellen ihre Beiträge zum Energiesparen, sagte Stadtsprecher Jung.

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Stadt Koblenz: Christmas Garden wichtig für Tourismus

Die Lumagica ist auch nicht die einzige Lichterausstellung in der Region. Ab Mitte November ist in Koblenz auch wieder der Christmas Garden auf der Festung Ehrenbreitstein geplant. Der Lichterpark soll bis zum 8. Januar stattfinden. Im vergangenen Jahr kamen laut Veranstalter rund 90.000 Besucher.

Die Koblenz Touristik teilte auf SWR-Anfrage dazu mit, dass Christmas Garden ebenso wie der Koblenzer Weihnachtsmarkt aus touristischer Sicht "enorm wichtige Veranstaltungen" seien, die der Stadt vor allem in Kombination deutschlandweite Strahlkraft verliehen.

Energiesparen beim Christmas Garden: Verzicht auf Eislaufbahn

Angesichts der Energiekrise gibt es nach Angaben der Koblenz-Touristik jedoch Gespräche mit dem Veranstalter, um die Veranstaltungen "den aktuellen Gegebenheiten entsprechend anzupassen". So solle etwa auf die erstmals geplante Eislaufbahn verzichtet werden. Zudem seien Öffnungstage reduziert worden, auch über eine Kürzung der Öffnungszeiten werde nachgedacht. Eine Absage stehe derzeit aber nicht im Raum.

Sebastian Stein, Geschäftsführer von Christmas Garden Deutschland, verweist darauf, dass an dem Veranstaltungsformat zahlreiche Arbeitsplätze hängen. Für die durch die Corona-Krise schwer gebeutelte Branche sei es deshalb wichtig, dass das Licht-Event stattfinden könne.

Stromverbrauch pro Besucher vergleichbar mit Streaming

Es sei viel dafür getan worden, den Energieverbrauch des Christmas Gardens soweit wie möglich zu reduzieren, sagt Stein. Der Betrieb pro Veranstaltungstag liege bei etwa 1.300 Kilowattstunden. Auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet seien dies durchschnittlich 0,56 Kilowattstunden, betont der Veranstalter. Der Besuch des Christmas Gardens verursache demnach einen ähnlichen Stromverbrauch wie das Anschauen eines Spielfilms bei Netflix.

Die Koblenz Touristik weist darauf hin, dass beim Christmas Garden ebenso wie beim Koblenzer Weihnachtsmarkt die Beleuchtung mittlerweile fast komplett auf LED-Lampen umgestellt wurde. Beim Koblenzer Weihnachtsmarkt werde auf die großen Energieverbraucher Eisbahn und Weihnachtsbäckerei verzichtet.

Maßnahmen auf Koblenzer Weihnachtsmarkt 2022

Auch der Einsatz von Heizpilzen werde vermutlich generell verboten werden, teilte die Koblenz Touristik mit. Des Weiteren soll die Markt-Illumination auf bis zu 50 Prozent reduziert werden. Um dies zu erreichen, werde die Zahl der Leuchtmittel vermindert und Leuchtzeiten verkürzt.

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