Zerstörte Häuser im Ahrtal (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Nach der Flutkatastrophe

Fortschritte beim Aufräumen nach Hochwasser im Ahrtal

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Nach der Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal gibt es bei den Aufräumarbeiten weiter Fortschritte. THW und Bundeswehr sind immer noch im Einsatz.

Nachdem zwei Tage lang gezielt Müll und Unrat abtransportiert worden sei, zeige sich ein "erstes Vorankommen", so ein Polizeisprecher am Dienstag. Dennoch würden immer wieder Bereiche entdeckt, wo noch viel zu tun sei. "Das wird noch eine ganze Zeit lang dauern", sagte der Sprecher. Immer wieder würden beispielsweise Autos in den Trümmern gefunden.

Nach Angaben der Technischen Einsatzleitung im Kreis Ahrweiler sind bis Montagmittag insgesamt 47.000 Tonnen Müll weggeschafft worden.

Krisenstab warnte vor Seuchengefahr nach Hochwasser

Die Leiterin des Krisenstabs, Begoña Hermann, hatte am Montag vor Seuchengefahr in der Region gewarnt. Um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, sei es besonders wichtig, den angehäuften Müll schnell zu beseitigen. Die Müllabfuhr habe glücklicherweise große Unterstützung von Entsorgungsbetrieben aus anderen Regionen erhalten.

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Freiwillige weiterhin im Hochwassergebiet in RLP benötigt

Nachdem der Krisenstab aufgrund neuer Unwetterwarnungen und großer Verkehrsprobleme im Ahrtal am Wochenende alle unorganisierten, freiwilligen Helfer aufgerufen hatte, die Region zu verlassen, betonte Hermann zudem, Freiwillige würden weiterhin benötigt - insbesondere für die Aufräumarbeiten in Privathäusern. Wichtig sei aber, dass Auswärtige nicht mit dem eigenen Auto in die zerstörten Orte kämen, sondern die bereitgestellten Shuttlebusse nutzten.

Lewentz: Servicebusse, um neue Papiere auszustellen

Innenminister Roger Lewentz (SPD) berichtete, dass die Verbandsgemeinde Altenahr ganz besonders von der Naturkatastrophe getroffen wurde. In Dernau habe es wohl bis zu 16 Tote gegeben. Die Verbandsgemeinde sei auch in ihrer Verwaltungsstruktur zerstört. "Es gibt kein Verwaltungsgebäude mehr, kein Einwohnermeldeamt, kein Kartenmaterial", sagte Lewentz. Die Computer der Verwaltung seien alle zerstört. Für die Betroffenen sei es ohne Papiere kaum möglich, dringliche Anliegen mit Banken oder Versicherungen zu klären.

Der Minister lobte die örtlichen Verwaltungsbediensteten, von denen viele permanent im Einsatz blieben, obwohl auch sie persönlich von der Flut betroffen seien oder gar den Tod von Angehörigen betrauern müssten. Lewentz hat "Ersatzstrukturen" angekündigt: Es sollten Servicebusse eingerichtet werden, die mit Koffern der Bundesdruckerei in die Gemeinden fahren, um neue Papiere auszustellen.

Strukturen müssen an Flutkatastrophe angepasst werden

Im Prinzip müsse "alles am Schluss auf den Prüfstand. Denn so einen Einsatz hat die Bundesrepublik noch nicht gehabt". Er berichtete, dass Rheinland-Pfalz bei der Katastrophe teilweise 33 Hubschrauber im Einsatz hatte, die mit Seilwinden bis zu 330 Menschen von Dächern und Bäumen gerettet hätten. Man müsse im Nachgang auch überlegen, "ob wir mit Geräten nahe genug an möglichen Orten der Katastrophe sind", sagte Lewentz.

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Lewentz: Schadenssumme des Hochwassers wird acht Milliarden überschreiten

Für künftige Fälle müsse man Strukturen aufbauen, "wo man in dieser neuen Dimension denkt und wo man schneller Dinge aufbauen kann". Man sei im Innenministerium "schon ziemlich weit in der Beschreibung der Herangehensweise eines Wiederaufbaustabs", sagte Lewentz weiter. "Und das werden wir in den nächsten Tagen und Wochen genau bekanntgeben, wie das geht." Derzeit sei man auch dabei, "ein Gefühl für die Gesamtschadenssumme des Ahrtals zu erzielen". Man dürfe davon ausgehen, dass die Summe von mehr als acht Milliarden Euro für Hochwasser-Schäden insgesamt wahrscheinlich nicht ausreichen werde.

Mehr als 3.000 Haushalte haben nach Hochwasser Soforthilfe beantragt

Mehr als 3.000 Haushalte im Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz haben bislang einen Antrag auf Soforthilfe des Landes gestellt. "Wir gehen davon aus, dass in der Mitte dieser Woche erste Auszahlungen erfolgen können", sagte ein Sprecher des Statistischen Landesamts in Bad Ems, das die Abwicklung der Anträge für den am schwersten betroffenen Landkreis Ahrweiler übernommen hat.

Der Landrat von Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), sagte, der Kreis habe an Soforthilfen bereits 2,4 Millionen Euro ausgezahlt. "Es ist bei uns im Kreis unermessliches Leid geschehen." Die Kreisverwaltung sei mittlerweile wieder handlungsfähig, es herrschten allerdings weiterhin "kriegsähnliche Zustände", die alle Einwohner und Amtsträger vor äußerte Herausforderungen stellten: "Was zu tun ist, kann man einfach auf den Punkt bringen: Alles."

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