An einer Zeltwand des Flutmuseums in Kreuzberg hängen Schippen und Fotos aus dem zerstörten Ahrtal (Foto: SWR)

Im Zelt untergebracht

"Flutmuseum" in Kreuzberg an der Ahr erinnert an Katastrophe

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Sabrina Droste

Nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal läuft auch in Kreuzberg noch lange nichts "normal". Daran will das "Flutmuseum" in einem Zelt erinnern - und so zeigen, was alles schon passiert ist.

Man stolpert fast über das völlig verbogene, rote Metalldach des Feuerwehrwagens mitten im Eingang des "Flutmuseums" im Altenahrer Ortsteil Kreuzberg. Ein Erinnerungsstück an die unvorstellbare Kraft des Wassers, das in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli so vieles mit sich riss im Ahrtal, und so viel zerstörte.

"Das Dach vom Feuerwehrauto ist das Einzige, das davon übrig geblieben ist."

Katharina Bernhardt schaut sich in dem großen weißen Zelt um. Sie hat diesen ganz besonderen Ort mit eingerichtet: Hier wird weder Essen noch Kleidung ausgegeben. Es ist vielmehr ein Ort, an dem die Menschen über das ins Gespräch kommen sollen, was sie in der Flutnacht und danach erlebt haben.

Ein Teil einer eingedrückten roten Autokarrosserie liegt auf dem Boden mit einem Nummernschild und einem weiteren eingedrückten verschlammten Schild mit der Aufschrift "Hochwasser" (Foto: SWR)
Bei dem Hochwasser im Ahrtal sind unzählige Autos überflutet und weggespült worden, so wie dieses hier. Bild in Detailansicht öffnen
In diesem Zelt bietet das "Flutmuseum" in Kreuzberg einen Ort zum Erinnern und Austauschen. Bild in Detailansicht öffnen
Dieses Schild findet hoffentlich irgendwann seinen Platz an einem festen Gebäude, hofft Initiatorin Katharina Bernhardt. Bild in Detailansicht öffnen
Die riesige Hilfsbereitschaft, die die Flutopfer erfahren, überwältigt viele. Sie ist aber von unschätzbarem Wert und immer noch dringend nötig. Bild in Detailansicht öffnen
Auch dieser schlammverschmierte Kasten wurde im "Flutmuseum" in Kreuzberg abgegeben. Bild in Detailansicht öffnen
Bei der Flut sind die Öltanks aus den Kellern geschwemmt worden und es roch wochenlang unerträglich stark nach Öl. Bild in Detailansicht öffnen
Handschuhe, Gummistiefel, Eimer - seit der Flut im Ahrtal immer noch unentbehrlich. Bild in Detailansicht öffnen

Fotos, Schippen, Gummistiefel - Erinnerungen an die Flutnacht

An den Wänden hängen Bilder vom Hochwasser: Von den Fluten, die ganze Häuser mitgerissen haben. Von Menschen, die auf Dächern auf Hilfe warten oder vor den Trümmern ihrer Existenz stehen. Von einem Ort, der nahezu komplett unter Sperrmüll und Schutt vergraben ist.

Das sind Bilder, die sich die Menschen angucken, um das Erlebte zu verarbeiten, sagt Katharina Bernhardt. "Es kommen viele hierhin. Und es gehen viele mit Tränen wieder raus. Aber die meisten sagen - das hat gut getan, jetzt kann ich in meinem Haus weitermachen."

Ein Ort der Erinnerung, aber auch der Zuversicht

Das "Flutmuseum" soll den Menschen an der Ahr dabei helfen, sich zwischendurch bewusst zu werden, was seit der Flutnacht alles schon geschafft wurde. Es soll ihnen aber auch ganz deutlich vor Augen führen, was da vor vier Monaten passiert ist. Dafür sei so ein realistischer Ort wichtig, sagt Katharina Bernhardt. Auch sie selbst greife es sehr an, wenn sie die Bilder der Häuser ihrer Familie sehe.

"Es greift mich schon an, wenn ich die Bilder der Häuser meiner Familie sehe."

Ortsvorsteherin: "Das ist eine Art Therapie"

Diese Gefühle kennt auch Anke Hupperich, die Ortsvorsteherin von Kreuzberg. Auch sie hat die Flutnacht miterlebt. Für sie übernimmt dieser besondere Ort, der Raum für die Erinnerung gibt, eine wichtige Rolle: "Es ist wie eine Art Therapiemuseum." Sie beobachte immer wieder, dass Betroffene mit ihren Besuchern hierher kämen, um ihnen zu zeigen, wie es wirklich war in dieser Nacht. "Man kann gar nicht in Worte fassen, wie es hier ausgesehen hat."

"Flutmuseum" soll noch weiter wachsen

Ein Therapieort für Betroffene, ein kleines Ehrenmal für Helfer und ein Zeitzeugnis für alle anderen: Das "Flutmuseum" in Kreuzberg soll noch weiter wachsen, sagt Katharina Bernhardt. Es soll immer mehr Momente der Katastrophe, aber auch die Fortschritte abbilden.

Genau wie die Betroffenen der Flut soll das Museum auch so schnell wie möglich ein richtiges Zuhause in einem festen Gebäude bekommen.

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Sabrina Droste