Ein Außenthermometer in einem Kleingarten zeigt die Temperatur von knapp 40 Grad an. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Jens Büttner)

Kommunale Konzepte gegen Hitze

Viele Kommunen rund um Koblenz haben keine Pläne bei akuter Hitze

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Immer häufiger leiden auch die Kommunen im nördlichen Rheinland-Pfalz unter längeren Hitzewellen. Hitzeaktionspläne haben die meisten trotzdem nicht.

Wie das Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen Rheinland-Pfalz auf SWR Anfrage mitgeteilt hat, ist Koblenz die einzige Kommune im nördlichen Rheinland-Pfalz, die einen so genannten Hitzeaktionsplan hat. Laut Stadt befindet sich dieser aktuell aber noch in der Umsetzung: die ersten Schritte wurden nach eigenen Angaben in einer Arbeitsgruppe mit Vertretern verschiedener Ämter diskutiert. Als nächstes soll der Plan in die Gremien gebracht und dann erste Maßnahmen festgelegt werden.

In den kleineren Städten und Gemeinden gibt es solche Pläne nicht. Aus Montabaur heißt es als Begründung beispielsweise: "Der südliche Westerwald ist eine ländliche Region und die Stadt Montabaur eine ländlich geprägte Kleinstadt. Die Menschen finden hier ausreichend Rückzugsorte, um sich vor der Hitze zu schützen." Bei Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser seien zunächst die Einrichtungen selbst und die Träger gefragt, heißt es weiter.

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Kompetenzzentrum: Kommunen könnten nicht kurzfristig reagieren

Das Kompetenzzentrum kritisiert, dass die Kommunen größtenteils nicht auf akute Ereignisse mit Hitze vorbereitet seien und kein entsprechendes Management haben. Das sei in Anbetracht der klimatischen Entwicklung kritisch zu sehen. Durch den Klimawandel sei die Hitzebelastung in Rheinland-Pfalz bereits angestiegen und es sei von einer weiteren Verstärkung auszugehen. Das zeige sich beispielsweise an längeren und stärkeren Hitzewellen – oft in Kombination mit sehr warmen Nächten, den so genannten "Tropennächten".

Gleichzeitig betont das Kompetenzzentrum aber auch, dass viele Kommunen bereits für das Thema Hitze sensibilisiert seien: Demnach gibt es vielerorts bereits entsprechende Maßnahmen, die eine positive Wirkung auf das Klima und den Hitzeeffekt haben. Das seien aber vor allem langfristig wirkende Maßnahmen, wie zusätzliche Begrünung im Stadtgebiet. Pflanzen helfen demnach besonders, die Umgebung durch mehr Schatten und Verdunstung abzukühlen.

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Viele kommunale Klimaschutzkonzepte mit Maßnahmen gegen Hitze

In Neuwied haben sich die Stadtwerke beispielsweise vorgenommen, bis zum Jahr 2025 70.000 Bäume zu pflanzen, erklärt ein Sprecher der Stadt. Grundsätzlich würde auch auf eine stärkere Begrünung bei Neubauten geachtet. Die Stadt hat nach eigenen Angaben zudem eine Firma mit einem Klimaschutzkonzept beauftragt. Vor zwei Wochen habe es eine entsprechende Auftaktveranstaltung gegeben.

Auch in Andernach gibt es keinen Hitzeaktionsplan – aber ein Klimaschutzkonzept. Neben Dach- und Fassadenbegrünung stehen hier auch Schottergärten im Fokus: denn diese heizen im Sommer die Luft stark auf. Bisher habe die Stadt den Bürgerinnen und Bürgern nahe gelegt, auf solche Gärten zu verzichten, sagt ein Sprecher. Inzwischen gehe man hier aber restriktiver vor.

Bei neuen Bauvorhaben in Andernach sind nach Angaben der Stadt Schottergärten verboten. Zudem kontrolliere die Stadt in Neubaugebieten, wo Schottergärten vorhanden aber nicht erlaubt seien. Dabei sei aufgefallen, dass sich rund 50 Prozent der Bewohner nicht an die Auflagen der Stadt halten würden. Die Bürger dort müssten ihre Gärten jetzt entsprechend umgestalten, sonst drohe eine Strafe, heißt es.

Stadt Mayen bietet gezielte Förderungen an

Die Stadt Mayen fördert nach eigenen Angaben beispielsweise auch Dachbegrünung oder den Bau von Zisternen. Gründächer seien je nach Schichtstärke ein wahrer Wasserspeicher, verbesserten das Klima und seien Lebensraum für Tiere und Pflanzen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Wer in Mayen ein Gründach hat, dem könnten bis zu 70 Prozent Gebühren für Grundstücksfläche von der Stadt erlassen werden. Zudem fördert die Stadt nach eigenen Angaben das Anlegen eines solchen Daches mit bis zu 50 Prozent.

Und auch für Grundflächen, die an Zisternen mit einem Überlauf an den Kanal angeschlossen sind, erlässt die Stadt nach eigenen Angaben einen Teil der Gebühren. Eine Zisterne ist ein unterirdischer oder abgedeckter Sammelbehälter für Nutzwasser. Voraussetzung für die Gebührenreduzierung sei, dass die Zisternen fest installiert und dauerhaft mit dem Erdreich verbunden seien.

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