Zelihas Treff (Foto: Privat)

Versorgung von Betroffenen und Helfern

Streit um kostenlose Essen in Bad Neuenahr

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AUTOR/IN
Constantin Pläcking

In Bad Neuenahr gibt es einen Konflikt um ein Versorgungszelt, bei dem sogar der Bundespräsident involviert ist. Doch was steckt dahinter? Kurz: eine Meinungsverschiedenheit.

Als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Ahrtal besucht, spricht ihn Zeliha Atac vor laufender Kamera an und sagt: "Ich möchte, dass der Staat uns bitte unterstützt und dass die Stadt hinter uns steht. Man sagt uns, wir sollen die Versorgungszelte abbauen." Diese Aussage hat für Wirbel gesorgt.

Immerhin haben viele Medien über den Besuch Steinmeiers berichtet, und offenbar verlangt das Bundespräsidialamt jetzt auch eine Stellungnahme der Stadt zum Thema. Vor Ort sagte Steinmeier, dass ihre Botschaft und Klage angekommen sei. Doch ist die Aufregung berechtigt? Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler sagt: nein. Das Zelt soll gar nicht abgebaut werden. Also alles gut? Nein. Es ist etwas komplizierter.

Zeliha Atac betreibt eines von mehreren Versorgungszelten in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Ihr Zelt Zeliah's Treff steht auf dem Parkplatz eines lokalen Automobilhändlers, der wegen der Flut geschlossen hat. Dort gibt sie täglich kostenlose Essen aus, an jeden, der vorbei kommt und fragt. Die Arbeit von ihr und ihrem Team ist dabei komplett ehrenamtlich, Atac bekommt kein Geld.

Innenraum eines Zeltes, Menschen sitzen an Bierzelt-Tischen. (Foto: SWR)
Zeliha's Treff ist am Nachmittag gut besucht.

Wie soll es mit dem Zelt weitergehen?

Laut Ortsvorsteher Richard Lindner (parteilos) wolle die Stadt ab November nicht mehr, dass kostenlose Essen ausgegeben werden. Aktuell kann jeder kommen und bekommt etwas, nicht nur Anwohner und Betroffene, sondern auch auswärtige Helfer und Handwerker, die für Geld dort arbeiten. Die Stadt möchte eigenen Angaben zufolge zwar die Zelte als Treffpunkte für die Anwohner behalten, aber den Bedarf für kostenloses Essen gebe es nicht mehr. Und man wolle auch nicht Menschen durchfüttern, die sich auch anders Essen leisten könnten. Schließlich hätten auch schon wieder Geschäfte geöffnet. In den Zelten soll laut Stadt trotzdem weiter Essen angeboten werden - und zwar von der Stadt organisiert und für drei bis fünf Euro pro Essen.

Helferin sieht weiter Bedarf für kostenlose Essen im Ahrtal

Genau dagegen wehrt sich Zeliha Atac mit ihrem Appell an den Bundespräsidenten. Sie findet: Das kostenlose Essen werde weiter gebraucht, sonst würde der Treffpunkt nicht mehr funktionieren, Menschen nicht mehr kommen und vereinsamen. Und auch die Anwohner, die am Nachmittag regelmäßig ins Zelt kommen, sagen das. Der Tenor der älteren Menschen: Sie hätten eine kleine Rente, das kostenlose Essen helfe ihnen weiter.

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Zeliha Atac ist Helferin der ersten Stunde. Direkt nach der Flut hatte sie als Privatperson komplett in Eigeninitiative Essensspenden eingesammelt und nach eigenen Angaben 1.000 Essen am Tag herausgegeben. Jetzt, fast drei Monate später, sind es nur noch um die 100 Essen am Tag. Die Spenden seien vor allem aus der türkischen Community gekommen, wie Atac erzählt.

Auch jetzt finanziere sie das Essen aus Spenden, die Atac selbst organisiert. Nur die Kosten für das Zelt würden von der Stadt übernommen. Wie die Stadt mitteilt, wird das auch so bleiben, "solange es nötig ist", sagt Lindner. Außerdem haben Atac und die Stadt gegenüber dem SWR ihre Bereitschaft beteuert, miteinander reden zu wollen.

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Constantin Pläcking