Wetterextreme mit Starkregen und Hochwasser: Akademie Hochwasserschutz berät private Hausbesitzer (Foto: SWR)

Starkregen und Hochwasser als große Themen

Lehren aus der Flutkatastrophe: Kommunen überprüfen Konzepte

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Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal beschäftigen sich zahlreiche Kommunen im Norden von Rheinland-Pfalz verstärkt mit Hochwasser- und Starkregenkonzepten. Auch der Katastrophenschutz steht vielerorts auf dem Prüfstand.

Egal ob Lahn, Sayn oder Simmerbach - überall, wo Wasser fließt, stellen sich viele Menschen derzeit die Frage, wie gut ihr Umfeld gegen Starkregenereignisse gewappnet ist. Eine SWR-Recherche hat ergeben, dass sich viele Gemeinden bereits mit dem Thema Starkregen- und Hochwasserschutz auseinander gesetzt haben.

Nach Angaben des Umweltministeriums haben sich seit 2010 die Kommunen an den größeren Flüssen in Rheinland-Pfalz mit Unterstützung des Landes zu 25 Hochwasserpartnerschaften zusammengeschlossen. Hier werden demnach mit Unterstützung des Informations- und Beratungszentrums Hochwasservorsorge RP gemeinsame Schutzmaßnahmen entwickelt.

Land fördert kommunale Konzepte

Seit 2014 fördert das Land nach eigenen Angaben zudem örtliche Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte für Kommunen. Viele Kommunen im Norden des Landes haben davon schon Gebrauch gemacht - aber erst ein Viertel von mehr als 1.100 laufenden Konzepten sei bereits fertiggestellt.

Der Kreis Mayen-Koblenz verweist auf SWR-Anfrage beispielsweise auf das Hochwasserschutzkonzept "Nette und Nebengewässer". Der Kreis betont, dass bestehende Konzepte nach der Katastrophe im Ahrtal nochmal überprüft und an die jetzigen Erkenntnisse angepasst werden. Außerdem sollen auch für andere, kleinere Bäche entsprechende Konzepte erstellt werden.

Aus früheren Starkregenereignissen gelernt?

Im Rhein-Hunsrück-Kreis habe man nach eigenen Angaben bereits aus den Überflutungen im Jahr 2016 gelernt. Damals seien insbesondere die Verbandsgemeinden Simmern und Kirchberg stark betroffen gewesen. Im Nachgang wurden unter anderem besondere Pumpen angeschafft und eine Logistik für Sandsäcke aufgestellt. Weitere Anschaffungen und Vorkehrungen seien in Planung.

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Die Kreisverwaltung verweist auch auf Regenrückhaltebecken und Renaturierungen von Gewässern, wie sie vielerorts auf der Agenda stehen. In Koblenz beispielsweise betreibt die Stadtentwässerung nach eigenen Angaben rund 25 Regenrückhalteeinrichtungen. Sogenannte Stauraumkanäle sollen dafür sorgen, dass im Fall von Starkregen das Wasser nur nach und nach abgeleitet wird.

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Kreis Neuwied plant hochwassersicheres Katastrophenschutzzentrum

Nach Angaben der Kreisverwaltung Neuwied wurde seit 2014 ein rund 60-köpfiges Krisenstabsteam für den Kreis ausgebildet. Im Rahmen der Ausbildung habe es auch eine Übung gegeben, bei der von einem extremem Rheinhochwasser mit Überflutung des Neuwieder Deichs ausgegangen wurde.

Seit 2019 laufen Pläne dafür, ein hochwassersicheres Katastrophenschutzzentrum im Kreis Neuwied aufzubauen. Dies soll im Gewerbegebiet Distelfeld entstehen, wo zuletzt die Fieberambulanz untergebracht war. Rund 750.000 Euro seien für den Aufbau eingeplant.

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Die Probleme, die bei der Information der Bevölkerung im Ahrtal aufgetaucht sind, haben einige Kreise dazu bewogen, ihre Warnpläne zu überprüfen. Im Landkreis Neuwied seien beispielsweise zwölf neue mobile Sirenen für Lautsprecherdurchsagen angeschafft worden - zwei für jede Verbandsgemeinde im Kreis.

Bisherige Systeme müssen überprüft werden

Der Kreisausschuss des Kreises Mayen-Koblenz hat vor Kurzem unter anderem einstimmig beschlossen, ein modernes, sprachgesteuertes Sirenensystem auf den Weg bringen. Aus den Unterlagen zur Ausschusssitzung gehen zwei Kernprobleme in Sachen Alarmierung hervor: "Ein Warn-/ Sirenensystem nützt nichts, wenn niemand einen vorbereiteten Alarm- und Einsatzplan hat und Nutzer nicht für die Anwendung geschult sind" und "der beste Alarm- und Einsatzplan nützt nichts, wenn die entsprechenden Warn-/ Sirenensysteme nicht vorhanden sind."

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