Wahlplakat Cornelia Weigand im Ahrtal (Foto: SWR, Montage SWR)

Kommentar zur Landratswahl in Ahrweiler

Landrätin Weigand muss sofort liefern!

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Johannes Baumert
Bild von Johannes Baumert im Regionalbüro Bad Neuenahr (Foto: SWR)

Cornelia Weigand ist als Macherin in der Flutkatastrophe bekannt geworden. Nun muss sie als Landrätin zeigen, dass ihre Pläne keine leeren Versprechen bleiben. Johannes Baumert kommentiert.

Es war ein grandioser Sieg am Sonntag für Cornelia Weigand. Mit 50,2 Prozent wird sie in der ersten Runde zur Ahrweiler Landrätin gewählt. Als unabhängige Kandidatin in einem sonst tiefschwarzen Landkreis. Eine gute Wahl, mit der die Menschen im Kreis gezeigt haben: Es darf nicht einfach so weitergehen wie bisher! Denn die Versäumnisse in der Flutnacht und ihre Folgen wiegen schwer.

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Allein im Kreis Ahrweiler sind bei der Flutkatastrophe im Juli 134 Menschen ums Leben gekommen. Noch immer werden zwei Personen vermisst. Es war eine noch nie dagewesene Katastrophe im Ahrtal - die sich angesichts des Klimawandels und des Anstiegs solcher Extremwetterlagen auch wiederholen könnte.

Kreis muss mehr für den Hochwasserschutz machen

Das Ahrtal braucht einen besseren Hochwasserschutz und bessere Warnsysteme im Falle eines Hochwassers. Bei beidem hat die bisherige Kreisspitze offenbar versagt. Es ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Landrat Jürgen Pföhler (CDU). Dabei geht es um die Frage, ob mit früheren Warnungen Menschenleben hätten gerettet werden können. Es geht um seine Rolle in der Flutnacht.

Am Abend vor dieser Nacht hatte Weigand nach eigener Aussage Pföhler darum gebeten, etwas zu unternehmen und die Betroffenen zu warnen. Weigand war es auch, die dem Ahrtal in seiner größten Katastrophe ein Gesicht gab. Sie war es, die das Ahrtal im Sommer in den großen Nachrichtensendungen des Landes vertrat, die als Katastrophen-Managerin selbst in der internationalen Presse zitiert wurde, während die CDU im Kreis darüber debattierte, wie sie mit Pföhler und den Ermittlungen gegen ihn umgeht.

Hat sich Weigand zu viel vorgenommen?

Weigand hat gezeigt, dass sie das Tal und den Kreis gut repräsentieren kann. Allein das reicht aber nicht. Sie hat sich viel vorgenommen. Sie will das Ahrtal nachhaltig aufbauen. Sie will aus dem Kreis eine Modellregion machen - klimafreundlich, umweltbewusst. Sie will für Radmobilität sorgen, Windkraft ausbauen, hochwasser-resiliente Häuser errichten. Sie will den Kreis für den Tourismus noch attraktiver machen und die Wirtschaft stärken.

Gewiss, das sind alles wichtige Themen. Doch für die Menschen im Tal bleibt nicht viel Zeit. Schnell muss ihre Heimat wieder aufgebaut werden, bevor sie der Region den Rücken kehren. Derzeit fehlen noch konkrete Pläne, wie all das geschafft werden soll. Weigand muss jetzt zeigen, dass ihre Ankündigungen keine leeren Phrasen sind. Sie muss zeigen, dass sie als relativ unerfahrene Politikerin einen ganzen Landkreis führen kann. Sie muss sofort liefern.

Weigand muss gesamten Kreis Ahrweiler repräsentieren

Mit ihrem Wechsel ins Kreishaus bleiben viele Fragen, die Weigand nur mit dem Land und den Gemeinden gemeinsam beantworten kann. Die neue Landrätin darf da keine Einzelkämpferin sein. Sie muss die Orte an der Ahr mit einbeziehen, aber auch jene Regionen, die nicht von der Flut betroffen sind. Weigand ist bis jetzt das Gesicht der Katastrophe. Jetzt muss sie zeigen, dass sie auch das Gesicht des Wiederaufbaus sein kann.

SWR-Reporter Johannes Baumert (Foto: SWR)
SWR-Reporter Johannes Baumert aus dem SWR Büro in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
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