Montage: Die Geierlay-Brücke im Rhein-Hunsrück-Kreis mit Wahlkreuzchen (Foto: IMAGO, xRinglebx/Eibner-Pressefotox EP_srb)

Kommentar zur Landratswahl

CDU ist nicht mehr Garant für Wahlsiege im Rhein-Hunsrück-Kreis

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Constantin Pläcking
SWR-Reporter Constantin Pläcking aus dem Studio Koblenz. (Foto: SWR)

Die CDU im Rhein-Hunsrück-Kreis hat nach 42 Jahren den Landratsposten verloren. Dass jetzt Volker Boch gewonnen hat, liegt auch am Streit in der CDU, kommentiert Constantin Pläcking.

Es ist eine herbe Niederlage für die CDU im Rhein-Hunsrück-Kreis. Seit der ersten Landratswahl nach der Gebietsreform 1980 hat die CDU im Kreis den Landrat gestellt. Seitdem galt die Regel: Wer von der CDU nominiert wurde, der wird auch Landrat. Diese Regel wurde gestern durchbrochen. Der von SPD und Grünen unterstützte, aber parteilose Journalist Volker Boch ist mit einer deutlichen Mehrheit gewählt worden. Ganze zwölf Prozentpunkte standen zwischen ihm und seinem Mitbewerber Christian Klein von der CDU.

Eine Landratswahl ist auch immer eine Persönlichkeitswahl. Natürlich. Es geht um den Verwaltungschef im Kreis. Lag der Wahlsieg möglicherweise auch daran, dass Volker Boch als Reporter für die Rhein-Zeitung im Kreis bekannt und vernetzt war? Das gehört sicher dazu, dennoch ist Boch auch ein Politik-Neuling. Zwar professioneller politischer Beobachter, der die Themen und Zusammenhänge kennt, aber Erfahrungen als Politiker kann Boch nur wenige aufweisen.

Interner Streit hat CDU im Rhein-Hunsrück-Kreis geschadet

Deswegen glaube ich: Nur wenn auch noch eine Schwäche der CDU dazu kommt, ist so ein Ergebnis möglich. Und diese Schwäche ist nicht nur der Bundestrend, wie es Ex-Landrat und MdB Marlon Bröhr (CDU) nun ausmachen will. Nein, diese Schwäche ist auch hausgemacht im Rhein-Hunsrück-Kreis. Das Hin-und-Her mit der Nominierung, am Ende die eigenständige Kandidatur der ersten Beigeordneten Rita Lanius-Heck (CDU), ihre dem Gefühl nach halbherzige Wahlempfehlung auf Facebook für Klein zur Stichwahl. All das lässt auf massiven internen Streit schließen und lässt auch konservativ-bürgerliche Wählerinnen und Wähler zweifeln, ob Christian Klein überhaupt den Rückhalt in der eigenen Partei hat.

Dennoch, dass es sich so stark auswirkt, war für mich auch eine Überraschung: Bei dieser Stichwahl ging es darum, die über 27 Prozent der Wählerinnen und Wähler von Rita Lanius-Heck (CDU) aus dem ersten Wahlgang zwischen den beiden Kandidaten aufzuteilen. Viele Beobachter, auch ich selbst, sind deswegen vor der Wahl davon ausgegangen, dass es Christian Klein (CDU) locker schaffen wird. Immerhin waren es zwei CDU-Kandidaten, inklusive Wahlempfehlung. Rechnet man deren Stimmen zusammen, ergibt das einen klaren Wahlsieg von Klein. So einfach scheint es aber nicht gewesen zu sein.

SWR-Reporter Constantin Pläcking aus dem Studio Koblenz. (Foto: SWR)
SWR-Reporter Constantin Pläcking aus dem Studio Koblenz.

Wurde Volker Boch gewählt, weil er nicht in der CDU ist?

Wahlsieger Boch selbst sagt, er habe Inhalte in den Vordergrund gerückt und einen bürgernahen Wahlkampf gemacht. Das mag sicherlich stimmen. Aber auch CDU-Kandidat Klein hat einen engagierten Haustürwahlkampf gemacht.

Und zur Wahrheit gehört auch, dass sich die Inhalte der Kandidaten im Wahlkampf wenig voneinander unterschieden haben. Und so scheint es, dass die Wähler von Rita Lanius-Heck, sie eher als CDU-Rebellin, statt als CDU-Mitglied gewählt haben. Und sich deswegen in der Stichwahl mehrheitlich für den, auch in konservativ-bürgerlichen Kreisen inhaltlich komplett anschlussfähigen, Volker Boch entschieden haben. Vielleicht gerade, weil er nicht in der CDU ist.

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