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Seit einem Jahr bohren Arbeiter in Wehr im Kreis Ahrweiler ein Loch, das mehr als 1.000 Meter tief werden soll. Die Firma Carbo will so an die Kohlensäure kommen, um sie an Getränkehersteller, Gastwirte und Industrie zu verkaufen.

Auf dem Feld in Wehr steht der gut 10 Meter hohe orangefarbene Bohrer und schraubt langsam ein dickes schwarzes Rohr in den Boden. Man sieht es nicht, aber die Arbeiter haben inzwischen schon rund 1.000 Meter tief gebohrt. Die Carbo Kohlensäurewerke fördern seit den 1960er Jahren in Wehr Kohlensäure.

Die Arbeiter sind sich sicher, dass sie an der richtigen Stelle bohren. Das hat mit der Erdgeschichte zu tun, sagt Geschäftsführer Oliver Kik: "Hier bestand Vulkanismus. Es gab auch eine Eruption. Die Erdkruste hat Risse und Spalten, so das Kohlendioxid emporsteigen kann." Am Laacher See könne man das anhand kleiner Kohlendioxidbläschen an der Wasseroberfläche sehen.

Ein Glas Sprudelwasser (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa)
Kohlensäure wird unter anderem für die Herstellung von Sprudelwasser und andere Getränken verwendet. dpa

"Es gibt ihnen keiner eine Garantie, dass Sie etwas finden und wie viel Sie finden. Das ist Unternehmensrisiko."

Oliver Kik, Carbo Kohlensäurewerke

Riskante Millioneninvestition

Seine Firma investiert in die neue Förderstelle mehrere Millionen Euro, sagt Oliver Kik. Die Kohlensäure soll mit Wasser in das Werk in der Nähe gepumpt werden. Wie viel es am Ende sein wird, weiß er noch nicht: "Es gibt ihnen keiner eine Garantie, dass sie etwas finden und wie viel sie finden. Das ist Unternehmensrisiko."

Um das Risiko klein zu halten, hat er die Bohrstelle vorher mit Wissenschaftlern besprochen. Die waren von der Idee, genau dort ein mehr als 1.000 Meter tiefes Loch zu bohren, ganz begeistert.

Bohrungen auch für Wissenschaftler interessant

Professor Ulrich Schreiber von der Universität Duisburg-Essen untersucht das Material. Wo einst Vulkane Feuer spuckten und Geysire Wasserfontänen, will er herausfinden, wie Leben in so einem brodelnden Umfeld entstanden ist.

Die ersten Untersuchungen waren schon ein Erfolg, sagt er. Er hat in dem Material aus dem Bohrkern in der Eifel bereits Stoffe finden können, aus denen Leben entstehen kann: "Wir sind ganz begeistert. Wir haben nämlich schon die ersten Analysen durchgeführt. Und wir glauben, wir sind auf dem richtigen Weg.

Ende des Jahres wollen die Arbeiter mit dem Bohrer eine Tiefe von rund 1.200 Metern erreicht haben. Dann soll die Kohlensäureförderung in Wehr beginnen. Sie garantiert der Gemeinde nach Aussage der Bürgermeisterin zusätzliche Gewerbeeinnahmen.

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