Die Ärztin Astrid Weber koordiniert das Team der Impfstation im Löhr-Center und berichtet, dass sich die Zahl der Impfwilligen stark gesteigert hat.  (Foto: Astrid Weber, privat)

Astrid Weber koordiniert die Impfstation

Koblenzer Impfärztin: "Ich bin skeptisch, dass wir das ohne Lockdown hinkriegen"

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Birgit Steinbusch/Joachim Wulkop

Immer mehr Menschen lassen sich ohne Termin im Koblenzer Löhr-Center gegen Corona impfen. Doch das reiche nicht, befürchtet die Leiterin Astrid Weber. Es brauche härtere Maßnahmen.

SWR Aktuell: Vor Kurzem wurde das Impfzentrum auf dem Koblenzer Oberwerth geschlossen. Jetzt kann man sich in der Impfstation im Löhr-Center gegen das Coronavirus impfen lassen. Wie sieht die Lage hier momentan aus? Haben Sie noch viele Erstimpfungen?

Astrid Weber: Das ist dreigeteilt. Wir haben immer noch Erstimpfungen hier in der Impfstation im Löhr-Center. Das Landesimpfzentrum auf dem Oberwerth hatte Ende September zugemacht. Wir hatten im Oktober noch sehr viele Erstimpfungen hier im Löhr-Center, aber auch Zweitimpfungen und nur ganz wenig Auffrischungs-Impfungen. Das ist in der letzten Woche gekippt. Am Montag war es dann so, dass wir deutlich mehr Auffrischungs-Impfungen, also diese sogenannten Booster-Impfungen, hatten.

SWR: Liegt es an den steigenden Infektionszahlen, dass jetzt alle kommen? 

Astrid Weber: Das glaube ich schon. Also zum einen liegt es daran, dass es für die Ungeimpften immer ungemütlicher wird, und dass sie wahrscheinlich, wenn sie sich die Zahlen anschauen, doch auch langsam Sorge kriegen. Es ist eine Pandemie der Ungeimpften. Was wir beobachten, ist, dass die Zahl der Booster-Impfungen extrem in die Höhe geschnellt ist.

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Auch die Menschen mit vollem Impfschutz bekommen mit, dass sie sich trotz doppelter Impfung anstecken können. Gott sei Dank haben sie in der Regel einen relativ milden Verlauf, aber es gibt eben die ganzen Implikationen mit Quarantäne - und dass man eventuell andere anstecken könnte. Also es kommen sehr, sehr viele Menschen für eine Auffrischungs-Impfung. 

SWR Aktuell: Können Sie alle impfen, die geimpft werden wollen? 

Astrid Weber: Im Moment noch. Aber ich weiß nicht, wo das noch hinführen soll. Also die Zahl der Impflinge hat sich vom Anfang dieser Woche, also vom 8. November bis jetzt, fast verdoppelt. Wir hatten zuletzt am Tag 360 Impfungen. Wir haben niemanden weggeschickt. Aber es war fast wie Akkordarbeit. Wir sind mit einem Team von zehn Mann im Löhr-Center. Wenn das so weitergeht, dann stoßen wir an die Grenzen, auf jeden Fall. 

SWR Aktuell: Wenn man sich das anhört, viele Hausarztpraxen sind ja am Anschlag, müssten nicht die Impfzentren wieder aufmachen für mehr Tempo? 

Astrid Weber: Ja. Da sage ich ganz klar: Ja!

SWR Aktuell: Wenn Sie die aktuelle Lage in Deutschland betrachten, was müsste passieren, damit die Zahlen wieder sinken? 

Astrid Weber: Also zum einen glaube ich, dass die Auffrischungs-Impfungen beschleunigt vorangetrieben werden sollten. Und dass wir versuchen sollten, die Ungeimpften noch zu erreichen. Ich selber habe die Befürchtung, dass wir es ohne Einschränkung aber nicht hinkriegen werden. Ich weiß, die Politik sagt ja vollmundig: "Wir bekommen keinen Lockdown." Als leitende Ärztin der Corona-Ambulanz sehe ich immer schon etwas früher die Patienten, die sich infizieren. Wenn ich das vergleiche zum vergangenen Jahr. Da hatten wir um die gleiche Zeit eine niedrigere Inzidenz. Momentan haben wir zwar noch nicht so viele Corona-Patienten im Krankenhaus, aber es werden immer mehr. Ich bin skeptisch, ob wir das ohne Lockdown hinkriegen.

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SWR: Wenn Sie sich dann die Lockerungen für Veranstaltungen, Umzüge, Feiern draußen angucken, die vom Land vor einigen Tagen umgesetzt wurden, wie bewerten Sie das?  

Astrid Weber: Bei Außenveranstaltungen habe ich noch nicht so ein Problem, wenn sie mit der 2G-Regel durchgeführt werden. Das halte ich im Moment noch für vertretbar. Das Problem sind die Treffen und die Kontakte in Innenräumen. Da werden wir ohne Beschränkungen nicht durchkommen. 

SWR: Zu den Booster-Impfungen - die Politik sagt: "Gerne für alle!" Die STIKO macht da noch Unterschiede. Würden Sie sagen ja, es müssten jetzt alle eine Impfung bekommen, also nicht nur die über 70-Jährigen, die Vorerkrankten?

Astrid Weber: Ich sehe es so, dass alle eine Booster-Impfung bekommen sollten. Ich bin nicht bei der STIKO. Die Erfahrungen der letzten Wochen waren immer so, dass die STIKO meistens ein paar Wochen später das verkündet hat, wie es von der Politik schon vorher verkündet wurde. Wir sehen junge Leute mit Durchbrüchen, die den Virus dann eben auch weitergeben. Ich würde ganz klar sagen: Sechs Monate nach der zweiten Impfung würde ich eine Booster-Impfung durchführen. Das machen wir im Moment auch schon.

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