Canyon Fahrradhersteller Koblenz (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Finanzinvestor soll Koblenzer Firma übernehmen

Gewerkschaft fordert faire Löhne bei Fahrradhersteller Canyon

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Der Koblenzer Fahrradhersteller Canyon bekommt einen belgischen Eigentümer. Die Gewerkschaft IG Metall fordert Canyon jetzt auf, sich einem Tarifvertrag anzuschließen.

Die Beteiligungsgesellschaft Groupe Bruxelles Lambert (GBL) erwirbt Mehrheitsanteile an dem Unternehmen. Wie der belgische Finanzinvestor am Dienstag mitteilte, werde Canyon in den kommenden Jahren viele Wachstumsmöglichkeiten haben - in Europa und den USA sowie im boomenden E-Bike-Markt. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht. "Ich freue mich sehr über die Partnerschaft mit GBL, die mich und mein Team mit ihrer Leidenschaft für unser Geschäft, ihrer umfangreichen Erfahrung und ihrer langfristigen Ausrichtung beeindruckt haben", sagte Canyon-Gründer Roman Arnold laut einer Mitteilung.

Gewerkschaft fordert gerechte Löhne

Die Gewerkschaft IG Metall fordert von Canyon, sich einem Tarifvertrag anzuschließen. Gerade jetzt, wo Canyon stark expandieren wolle, wäre es ein wichtiges Zeichen, den Mitarbeitern gerechte Löhne zu zahlen, sagte ein Sprecher. Momentan lägen die Löhne rund 30 Prozent unter dem, was mit einem Tarifvertrag gezahlt werde, sagte ein Sprecher. Angst um die Arbeitsplätze hat die IG Metall aber trotz der Übernahme nicht, weil Canyon stark wachse und daher eher noch weitere Mitarbeiter benötige.

Fahrradhersteller Canyon aus Koblenz (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Der Fahrradhersteller Canyon hat seinen Hauptsitz im Koblenzer Industriegebiet am Autobahnkreuz an der A61. Picture Alliance

Jahresumsatz auf 400 Millionen gesteigert

Canyon hat rund 900 Beschäftigte weltweit. Das Koblenzer Unternehmen fertigt unter anderem Rennräder, Triathlon-Räder, Mountainbikes sowie E-Bikes. Der renommierte Hersteller ist stark im Profisport engagiert, verkauft über seinen eigenen Online-Direktvertrieb aber auch an Endkunden. Der Umsatz stieg gemäß den Angaben in den vergangenen sieben Jahren im Schnitt um 25 Prozent auf zuletzt mehr als 400 Millionen Euro.

Früherer Apple-Manager soll Canyon beraten

Allein in den vergangen drei Jahren habe sich der Erlös fast verdoppelt. Im Zuge der Transaktion werde der bisherige amerikanische Minderheitsgesellschafter TSG Consumer Partners seinen Anteil abgeben, hieß es weiter. Dafür steige der frühere Apple-Manager Tony Fadell mit einer Minderheitsbeteiligung ein und solle die Firma beraten. Er war maßgeblich an der Entwicklung des iPods und des iPhones beteiligt.

Canyon-Gründer bleibt Vorsitzender

Canyon-Gründer Arnold bleibe trotz des Einstiegs der Belgier Vorsitzender des Firmenbeirats und werde neben GBL einen "wesentlichen Teil" der Erlöse reinvestieren. GBL-Chef Ian Gallienne bezeichnete Canyon als schnell wachsende Premiummarke mit enormem Potenzial. Arnold sagte, Canyon sei weiter auf Wachstumskurs. Der Deal soll im ersten Quartal 2021 abgeschlossen sein.

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