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Frank war 36 Jahre alt, als AIDS sein Leben veränderte. Der Koblenzer bloggt im Internet über seine Leben nach der Diagnose - und warnt davor, in der Corona-Pandemie den Kampf gegen das HIV-Virus zu vernachlässigen.

Frank Scherb wusste nicht, dass sein Arzt auch einen HIV-Test hatte machen lassen. Eigentlich hatte sich der Koblenzer nur Blut abnehmen lassen, weil er sich immer sehr schlapp fühlte und einen lästigen Hautausschlag hatte. Die Diagnose sei für ihn deshalb aus heiterem Himmel gekommen, schreibt er in seinem Blog "meinneuesleben" im Internet. Er habe damals Angst gehabt, bald sterben zu müssen.

"Ich kann Ihnen leider nicht mehr helfen. Sie haben AIDS und müssen zu einem Spezialisten, sagte mein Arzt."

Internet-Blogger Frank Scherb aus Koblenz über den Tag der Diagnose

"Keine Ahnung, wo ich mich angesteckt haben könnte"

Fünf Jahre später hat Frank Scherb immer noch keine Ahnung, wo er sich mit dem HI-Virus infiziert hat. Der 41-Jährige ist homosexuell und lebt seit vielen Jahren mit seinem festen Freund zusammen. Vielleicht hat er sich lange vorher bei einem früheren Partner angesteckt? Oder bei seiner Arbeit als Krankenpfleger in der Notaufnahme und auf einer septisch-toxikologischen Station? Er weiß es nicht.

Heute kann der Koblenzer ein weitgehend normales Leben führen, dank moderner Aids-Therapien. Trotzdem hat das HIV-Virus seinen Alltag verändert. Viele Menschen wüssten auch heute noch nicht, wie sie mit HIV-Infizierten umgehen sollen - oder Menschen, bei denen die Aids-Krankheit ausgebrochen ist, sagt Frank Scherb.

"Wenn ein HIV-Positiver regelmäßig seine Medikamente nimmt und unter der Nachweis-Grenze ist, dann kann er das Virus nicht mehr weitergeben."

Internet-Blogger Frank Scherb aus Koblenz

HI-Virus und Aids führen noch immer zu Diskriminierung

Er selbst erlebe immer wieder, dass er wegen seiner Krankheit diskriminiert werde, etwa bei Ärzten. Es sei sehr belastend, wenn er in manchen Praxen nur mit Mundschutz und Handschuhen behandelt werde, obwohl nur ein Verband gewechselt werden müsse.

Der Koblenzer Frank Scherb bloggt im Internet regelmäßig über sein Leben mit dem HI-Virus. (Foto: Frank Scherb)
Der Koblenzer Frank Scherb bloggt im Internet regelmäßig über sein Leben mit dem HI-Virus. Frank Scherb

Dank der Medikamente sei das Virus in seinem Blut nicht mehr nachweisbar. Noch immer wüssten einige Mediziner aber nicht, dass man dann das HI-Virus nicht mehr übertragen und sogar ungeschützten Sex haben könne. Frank Scherb nimmt selbst zwei Tabletten am Tag gegen den HI-Virus, in absehbarer Zeit sogar nur noch eine.

"Die Mediziner müssten sich weiterbilden und offen und ehrlich über das Thema sprechen."

Internet-Blogger Frank Scherb aus Koblenz

Es gebe einfach immer noch zu viel Unsicherheit mit HIV-Infizierten, sagt Frank Scherb. Das möchte er ändern und hat deshalb den Selbsthilfeverein pro plus für die Betroffenen gegründet. Zudem möchte er andere Menschen warnen, mit einem AIDS-Test nicht zu warten. Und Mediziner ermutigen, Patienten häufiger darauf anzusprechen, ob sie einen solchen Test machen lassen möchten. Bei ihm selbst wurde das Virus erst diagnostiziert, als er schon schwer an AIDS erkrankt war, schreibt er in seinem Internet-Blog.

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Und der Koblenzer fürchtet, dass das Thema AIDS durch die Corona-Pandemie vergessen werden könnte. Covid 19 sei seit Anfang des Jahres das beherrschende Thema. Es überrasche ihn schon, wie schnell jetzt mögliche Impfstoffe gegen das Virus gefunden worden seien, gegen das HI-Virus aber nach Jahrzehnten noch nicht.

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Deswegen dürften andere Krankheiten aber nicht ins Hintertreffen geraten. Am Welt-Aids-Tag wird er wieder an der Gedenktafel an der Liebfrauenkirche in der Koblenzer Altstadt eine Kerze aufstellen. Und am 19. Dezember an einem Infostand über das HI-Virus und AIDS informieren.

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