In etwa jedem fünften Gespräch gehe es momentan um den Krieg in der Ukraine und die möglichen Auswirkungen auf Europa, heißt es von der Telefonseelsorge Mittelrhein in Koblenz. Vor allem bei älteren Menschen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt hätten, sei die Sorge groß, dass es wieder zu einem Krieg kommen könnte. Insgesamt habe die Zahl der Anrufe aber nicht zugenommen.
Dabei seien die Gesprächsthemen inhaltlich weit gefächert, heißt es von der Telefonseelsorge. Die Generation der Überachtzigjährigen fühle sich durch die Berichte im Fernsehen oft an die eigenen Kriegstraumata erinnert: Das Sirenengeheul, Bilder von Menschen aus Kellern und Schächten oder Feuersbrünste holten sie heute ein. Andere Anrufer fürchteten sich allein aufgrund der Berichterstattung.
Telefonseelsorge Mittelrhein: Helfen hilft gegen Gefühl der Ohnmacht
Neben Fassungslosigkeit und Hilflosigkeit bewegten die Menschen zudem oft auch konkrete Ängste um die Versorgung im Land, die Folgekosten, die getragen werden müssten oder der Sorge vor einem möglichen atomaren Angriff. Für viele käme zudem jetzt noch ein Gefühl der Ohnmacht vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie dazu.
Für die Mitarbeiter der Telefonseelsorge Mittelrhein bedeute das, die Sorgen und Nöte der Anrufer nicht nur zu hören, sondern auch zu verstehen. Und ihnen klar zu machen, dass es in der gegenwärtigen Situation normal ist, sich Sorgen zu machen. Zudem sollten die Anrufer in die Lage versetzt werden, wirksame Strategien auszuprobieren. Denkbar sei etwa das Helfen und "Mitanpacken" bei Hilfsaktionen, durch Sachspenden oder bei der Bereitstellung von Wohnraum für Geflüchtete und Integrationshilfe für die ankommenden Kinder.
Kinderschutzbund Neuwied: Auch immer mehr Kinder haben Redebedarf
Auch jüngere Menschen hätten das Bedürfnis, über ihre Angst vor einem Krieg zu reden, sagt eine Sprecherin der Telefonseelsorge Mittelrhein weiter. Das stellt auch der Kinderschutzbund Neuwied fest. Nach eigenen Angaben verzeichnet er vermehrt Anrufe bei der sogenannten "Nummer gegen Kummer".
Hier meldeten sich demnach in den vergangenen Tagen immer mehr Kinder und Jugendliche, die nicht wissen, wie sie mit den Kriegsbildern im Fernsehen und ihren Ängsten umgehen sollen. Sie fühlten sich alleine gelassen. Der Kinderschutzbund habe im Gespräch mit Schülervertretern festgestellt, dass sich auch die Schulen viel zu wenig mit dem Thema beschäftigten.
Er rät deshalb den Eltern, mit ihren Kindern zu sprechen und nur gemeinsam Nachrichten zu schauen. Darüber hinaus gebe es auch Fernsehsendungen wie beispielsweise "Logo", wo solche Themen kindgerecht aufgearbeitet werden.