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Das Amtsgericht Montabaur hat einen Mann verurteilt, der ein junges Mädchen erpresst und gezwungen hatte, ihm Nacktfotos zu schicken. Er muss wegen Vergewaltigung in Haft.

Die Richter am Amtsgericht Montabaur folgten in ihrem Urteil dem Strafantrag des Staatsanwaltes. Er hatte drei Jahre Haft für den Angeklagten gefordert, unter anderem wegen Vergewaltigung, sexuellen Missbrauchs und Verbreitens von Kinderpornografie. Der Verteidiger des Mannes aus dem Raum Hachenburg hatte dagegen 18 Monate Haft auf Bewährung gefordert. Er kündigte noch im Gerichtssaal an, gegen das Urteil in Berufung gehen zu wollen.

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Kommunikation über WhatsApp

Nach Überzeugung der Richter hatte der Angeklagte zwischen März und August 2017 mit einer damals 12-Jährigen über WhatsApp gechattet. Das Mädchen hatte die ersten Nacktfotos offenbar freiwillig an den Angeklagten geschickt, der ihr dafür im Gegenzug etwas Geld bezahlen wollte.

Nachdem er diese Bilder hatte, erpresste er sie damit und drohte ihr, sie in der Nachbarschaft und am Jugendzentrum ihres Wohnortes aufzuhängen. Damit hat er die damals Zwölfjährige nach dem Urteil der Richter so stark unter Druck gesetzt, dass sie ihm weitere Nacktfotos geschickt hat.

Amtsgericht: Typischer Fall von Cyber-Grooming

Dabei zwang der Angeklagte sie, in einem Fall selbst sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen. Der Mann aus dem Raum Hachenburg hatte die Taten zu Beginn des Verfahrens am Donnerstagvormittag gestanden und damit dem Mädchen einen Großteil ihrer Aussagen vor Gericht erspart. Auch ihre Pflegemutter musste deshalb nicht aussagen. Ein Sprecher des Amtsgerichts Montabaur sagte, es handele sich um einen Fall von Cyber-Grooming.

Der Prozess sollte ursprünglich schon im Oktober beginnen, damals sei der Angeklagte aber nicht vor Gericht erschienen, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Montabaur dem SWR. Deshalb saß er inzwischen in Untersuchungshaft.

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21:45 Uhr
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Das Erste

Pflegemutter entdeckte anzüglichen Chat bei WhatsApp

Die Ermittlungen kamen nach Gerichtsangaben ins Rollen, nachdem die Pflegemutter des Mädchens dessen WhatsApp-Nachrichten überprüfte. Dabei entdeckte sie den Chat mit dem Beschuldigten. Der Kontakt zu ihm sei zustande gekommen, nachdem die damals 12-Jährige Geld verdienen wollte und im Internet nach einer Beschäftigungsmöglichkeit etwa als Babysitterin gesucht hatte, so der Sprecher weiter.

Der SWR hat zu dem Thema Cyber-Grooming einen Fernsehfilm mit dem Titel "Das weiße Kaninchen" produziert. Er wird in Schulen gezeigt und im Unterricht besprochen. Dabei geht es auch darum, wie sich Kinder und Jugendliche vor Anmache im Internet schützen können.

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