STAND

Der Sanitätsdienst in Koblenz soll auch weiter eine wichtige Rolle in der Bundeswehr spielen. Eine Schwächung des Standorts Koblenz im Zuge der Reform sei nicht vorgesehen, so Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Sie gehe davon aus, dass der Standort Koblenz "eher gestärkt wird, als dass er sozusagen zurückgebaut wird", sagte die Ministerin am Montagabend in einer Videokonferenz. Es werde kein Standort geschlossen, sondern eher etwas dazukommen. Es gehe bei der Strukturreform generell nicht um Personalabbau und Schließung von Standorten, sondern um eine "gewisse Umschichtung" in den Streitkräften, um die Einsatzfähigkeit angesichts neuer internationaler Bedrohungen zu steigern.

Nach einem kürzlich von Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) vorgelegten Eckpunktepapier sollen die Streitkräfte auf vier "Dimensionen" - Heer, Luftwaffe, Marine und Cybertruppe - hin organisiert werden. Das Sanitätswesen wäre kein eigenständiger Organisationsbereich mehr, aber mit einem neuen Kommando Gesundheitsversorgung in Koblenz und einem Generalarzt der Bundeswehr im Verteidigungsministerium vertreten.

Sanitätsdienst hat weiter eine wichtige Rolle in der Bundeswehr

Der Sanitätsdienst in Koblenz solle angesichts neuer internationaler Krisen weiterhin eine wichtige Rolle innerhalb der Bundeswehr spielen, sagte Kramp-Karrenbauer. Vor allem auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union und der Nato. Die Arbeit für den Sanitätsdienst werde eher mehr werden.

Laut Kramp-Karrenbauer soll der Sanitätsdienst "wesentlich elaboriert werden". Was das konkret in der Praxis bedeuten soll, ließ die Ministerin aber weitgehend offen. Auch die Frage, ob möglicherweise mehr Dienstposten nach Koblenz kommen, bejahte die Verteidigungsministerin nicht eindeutig - schloss die Möglichkeit aber auch nicht kategorisch aus.

Bundeswehr bekommt nicht mehr Personal

Kramp-Karrenbauer machte in der Videokonferenz, an der auch viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Bundeswehr teilnahmen, immer wieder deutlich, dass die Bundeswehr insgesamt nicht mehr Personal bekommen wird. Die Marke liege nach wie vor bei 203.000 Stellen. Es müsse deshalb innerhalb der Bundeswehr umgeschichtet werden.

Im Zuge der geplanten Reform sollen deshalb die Führungsstrukturen verschlankt werden. Es gebe zu viele Doppelstrukturen, die abgebaut werden müssten, so die Verteidigungsministerin. Für den Sanitätsdienst sei geplant, dass es statt eines Inspekteurs in Koblenz einen Generalarzt im Bundesverteidigungsministerium geben soll.

SPD-Bundestagsabgeordneter Pilger hält an Kritik fest

Dieser Punkt sorgt in der Region für Kritik. Der Koblenzer Bundestagsabgeordnete Detlev Pilger (SPD) hält an seiner Forderung fest, dass der Sanitätsdienst in Koblenz eigenständig bleiben solle. Es sei ihm völlig unverständlich, warum eine gut funktionierende und in der Region vernetzte Struktur zerschlagen werden solle, sagte Pilger dem SWR. Die Führung des Sanitätsdienstes sei zielgerichtet organisiert.

Außerdem sei es wahrscheinlich, dass eine neue Bundesregierung nach der Wahl im September zu ganz anderen Erkenntnissen komme. Es sei deshalb unnötig, zu diesem Zeitpunkt mit einer geplanten Bundeswehr-Reform für so viel Unsicherheit zu sorgen, so Pilger.

Auch Beschaffungsamt soll neu organisiert werden

Von der geplanten Reform ist laut Kramp-Karrenbauer auch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in Koblenz betroffen. Viele Arbeitsabläufe dort seien viel zu kompliziert und aufwendig. Außerdem werden laut Kramp-Karrenbauer die Beschaffungen für die Truppe immer wieder durch Sonderwünsche seitens der Streitkräfte erschwert. Diese sollen jetzt an einem Konzept mitarbeiten, wie die Arbeit im BAAINBw besser organisiert werden kann. Auch die Mitarbeiter sollten in den Prozess mit einbezogen werden.

Innenminister fordert konkrete Infos zu den Auswirkungen

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hatte zuvor erneut konkrete Informationen zu den Auswirkungen der Reform auf die Bundeswehr in seinem Bundesland gefordert. Die Pläne zur Zukunft des wohl seine Eigenständigkeit verlierenden Sanitätsdienstes seien für ihn nicht nachvollziehbar. "Das nun vorgestellte Papier wirft leider mehr Fragen auf, als es beantwortet. Die betroffenen Soldatinnen und Soldaten hängen damit im luftleeren Raum, der schnellstmöglich gefüllt werden sollte", mahnte Lewentz.

Koblenz

Sauerstoffanlage in Neu-Delhi installiert Koblenzer Soldaten kehren von Hilfseinsatz in Indien zurück

Nach dem Corona-Hilfseinsatz in Indien kommt das Team des Sanitätsdienstes der Bundeswehr am Mittwoch nach Deutschland zurück. Unter den Soldaten sind auch drei Sanitäter aus dem Westerwald.  mehr...

Koblenz

Wegen Corona-Pandemie Erstmals wieder Grundausbildung der Bundeswehr in Koblenz

Seit mehr als 15 Jahren findet erstmals wieder die Grundausbildung der Bundeswehr in Koblenz statt. 25 Rekruten haben am Mittwoch in der Falckenstein-Kaserne ihre Stuben bezogen.  mehr...

Am Nachmittag SWR4 Rheinland-Pfalz

Stuttgart

Krankenpfleger Janni Iakowidis arbeitet auf der Covid-19-Station

Corona-Kranke mit schwerem und schwersten Infektionsverlauf gehören zu seiner Klientel. Krankenpfleger Janni Iakowidis wird immer wieder auf einer der Corona-Quarantänestationen des Stuttgarter Marienhospitals eingesetzt. Und er hat noch nie er so viele Tote in so kurzer Zeit auf Station erlebt, erzählt er. Dabei ist der erfahrene Pfleger einiges gewöhnt. 14 Jahre lang war der Familienvater beim Sanitätsdienst der Bundeswehr und dort mehrmals im Auslandseinsatz im Kosovo und in Afghanistan. Im Studio erzählt er, was er im Krankenhaus mit seinen Patientinnen und Patienten täglich erlebt und warum er schier auf die Palme geht, wenn Menschen -| auch in seinem Freundeskreis -| Corona immer noch auf die leichte Schulter nehmen.  mehr...

Landesschau Baden-Württemberg SWR Fernsehen BW

STAND
AUTOR/IN