STAND

Seine Fans kennen Django Reinhardt als Elvis-Interpret und Swing-Musiker. Doch der 58-jährige Koblenzer setzt sich auch mit viel Herzblut für Sinti und Roma ein. Für sein Engagement hat ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Django Heinrich Reinhardt, wie er mit vollem Namen heißt, sitzt in seinem Büro in der Koblenzer Altstadt und schaut immer noch etwas ungläubig auf den Brief aus Berlin. Seine Tochter hatte ihn vergangene Woche in Empfang genommen und ihm abends feierlich überreicht. "Gemeinsam den Frieden in Europa stärken" steht darauf.

Familie des Koblenzer Musikers in der NS-Zeit verfolgt

Zum 76. Jahrestag von Kriegsende und der Befreiung vom Nationalsozialismus hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sechs Menschen ausgezeichnet, die in herausragender Weise Erinnerungsarbeit leisten und sich für ein tolerantes Miteinander in der Gesellschaft einsetzen. Django Reinhardt ist einer von ihnen. Der 58-Jährige setze sich in Koblenz vorbildlich für Sinti und Roma, sowie für Menschen in Notsituationen ein, heißt es in der Begründung.

Reinhardt stammt aus einer großen Koblenzer Musiker-Familie, die in der NS-Zeit verfolgt war. Sein Vater Daweli hat Konzentrationslager und Todesmarsch überlebt.

"Ich stand auf einem Bierkasten, weil ich nicht ans Mikrofon rankam und habe Weihnachtslieder gesungen."

Die Musik sei für ihn immer etwas Fröhliches gewesen, erzählt Django Reinhardt. Bei seinem ersten Auftritt vor Publikum war er acht Jahre alt. "Ich stand auf einem Bierkasten, weil ich nicht ans Mikrofon rankam und habe Weihnachtslieder gesungen", erinnert sich der Koblenzer.

Er trat bei einer Weihnachtsfeier auf, die das Deutsche Rote Kreuz für die Familien der Sinti und Roma ausgerichtet hatte, die damals in ärmlichen Verhältnissen in Koblenz-Lützel lebten. Anfangs machte er noch mit seinem Vater Musik. Später, mit seinen Brüdern und Freunden, interpretierte Django die Hits von Elvis Presley, Tom Jones und Frank Sinatra.

Djangos Musik unterstützt soziale Projekte

Mit seinen Konzerten unterstützte er soziale Projekte. Er gründete eine "soziale Jobbörse" für schwer zu vermittelnde Jugendliche oder Sonderschüler. Dabei habe er seine Bekanntheit ausgenutzt, erzählt er, sei zu Firmen gegangen und habe gefragt, ob sie nicht auch einfache Arbeiter gebrauchen könnten, Leute ohne guten Schulabschluss. Und da habe es immer einen Weg gegeben, die Jugendlichen unterzubringen.

"Willst du nur Gitarre? Davon kannst du vielleicht nicht leben. Oder willst du auch eine Ausbildung?"

Bis heute spendiert Django Reinhardt Kindern und Jugendlichen mit Unterstützung von Sponsoren kostenlosen Musikunterricht. Über die Musik sei er an die Jugendlichen herangekommen und habe dabei geholfen, ihnen Praktika und manchmal auch einen Arbeitsplatz zu vermitteln. Er stelle den jungen Menschen immer die Frage: "Willst du nur Gitarre? Davon kannst du vielleicht nicht leben. Oder willst du auch eine Ausbildung?"

Video herunterladen (15 MB | MP4)

Trotz vieler Preise ist Django Reinhardt noch nicht am Ziel

Für sein soziales und kulturelles Engagement hat Django Reinhardt schon 2012 die Verdienstmedaille des Landes bekommen und 2018 den Kinderschutzpreis des Deutschen Kinderschutzbundes Rheinland-Pfalz. Diese Auszeichnungen sind für ihn ein Ansporn, weiter zu machen. Er möchte, dass sich die Sinti und Roma nach der Verfolgung in der Nazi-Zeit mit Deutschland nicht nur arrangieren, sondern Teil dieses Landes sein wollen.

Er hat einen neuen Verein gegründet, die "Gesellschaft der Sinti und Roma in Europa". Sein Ziel: die Vergangenheit nicht zu vergessen, aber gleichzeitig auch nach vorne zu schauen: "Sinti und Roma müssen viel mehr in die Gesellschaft eingebunden werden. Das heißt: der Weg vom Kindergarten bis zur Schule bis zur Ausbildung muss funktionieren. Wir können die Vorurteile nur abbauen, wenn wir in die Gesellschaft auch integriert sind!"

Koblenz

Die Görresstraße in Koblenz

Die Görresstraße ist im Krieg nicht zerstört worden. Das ist einzigartig in der Altstadt und macht die Straße mit vielen Häusern aus der Gründerzeit zu einer Schönheit.  mehr...

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

STAND
AUTOR/IN