Mann in deutscher Polizeiuniform umringt von afghanischen Kindern (Foto: Frank Thomas)

Demo für Rettung der Ortskräfte

Koblenzer sorgt sich um Freunde und Bekannte in Afghanistan

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Frank Thomas war als Polizist ein Jahr lang in Afghanistan im Einsatz. Am Samstag organisierte er in Koblenz eine Demonstration zur Rettung afghanischer Ortskräfte.

Seit der Machtübernahme der Taliban Mitte August ist Frank Thomas in großer Sorge. Denn in seiner Zeit in Afghanistan habe er viele Menschen kennengelernt, die ihm ans Herz gewachsen seien, sagt er.

Die Ungewissheit darüber, wie es ihnen gehe und ob sie noch lebten, lasse ihn fast verzweifeln: "Ich weiß von einigen, dass sie jede Nacht an einem anderen Ort schlafen. Sie berichten, dass ein oder zwei Tage später dann die Taliban dort auftauchen und nach ihnen suchen."

Koblenzer Polizist im Einsatz in Afghanistan

Von 2010 bis 2011 war der Koblenzer Polizeibeamte in dem Land am Hindukusch im Einsatz. Dort war er für die Aus- und Weiterbildung afghanischer Polizisten und Menschenrechtler zuständig. Ein Foto auf seinem Handy zeigt eine Gruppe Menschenrechtler, die ein Massengrab untersucht. Auf einem anderen ist er gemeinsam mit afghanischen Polizisten zu sehen.

Männer untersuchen ein Massengrab in Afghanistan (Foto: Frank Thomas)
Menschenrechtler in Afghanistan untersuchen ein Massengrab. Frank Thomas

Es werde immer schwieriger, mit den Bekannten und Freunden in Afghanistan Kontakt zu halten, berichtet der 56-Jährige. Es gebe Hinweise, dass die Taliban viele Handys, Tablets und Laptops beschlagnahmt hätten: "Das macht mir Angst und das lässt mich manchmal fast verzweifeln. Weil ich nicht weiß, ob es nochmal gelingen wird, mit ihnen in Kontakt zu treten", sagt Thomas.

"Die Politik muss Voraussetzungen schaffen, bedrohte Menschen aus Afghanistan zu retten."

Viele von ihnen versuchten, aus dem Land zu fliehen und griffen nach jedem Strohhalm: "Für einige bin ich der Strohhalm. Aber ich muss sagen, dass es derzeit wenig Möglichkeiten gibt, weil die politischen Möglichkeiten fehlen."

Forderung: Gefährdete Afghanen aus dem Land holen

Eine Forderung der Gruppen, die am Samstag um 15 Uhr die Demonstration am Koblenzer Hauptbahnhof organisieren, lautet deshalb: Gefährdete Afghanen und ihre Familienangehörigen schnell aus dem Land herausholen. Dafür müsse die Politik endlich Voraussetzungen schaffen.

Das Plakat zeigt das Motto der Demonstration in Koblenz "Verraten und Vergessen". (Foto: Frank Thomas)
Das Plakat zeigt das Motto der Demonstration in Koblenz: "Verraten und Vergessen". Frank Thomas

Frank Thomas organisierte die Demonstration am Samstag gemeinsam mit verschiedenen politischen und privaten Gruppen. Darunter sind seinen Angaben zufolge auch viele junge Afghanen, die sich für ihr Land einsetzten, obwohl sie kaum oder gar nicht dort gelebt hätten. Sein Engagement für die Demonstration am Samstag sei rein privater Natur, betont Thomas. Es habe nur ganz am Rande mit seinem Beruf zu tun.

Demonstranten wollen auch an afghanische Musiker erinnern

Bashir Dezham organisierte ebenfalls die Demonstration am Koblenzer Hauptbahnhof mit. Er kam vor mehr als 20 Jahren nach Deutschland und ist schon lange gut mit Frank Thomas befreundet. Für den 64-jährigen Afghanen ist nach eigenen Angaben vor allem eine Forderung wichtig: Das Taliban-Regime dürfe auf keinen Fall von westlichen Regierungen anerkannt werden. Denn dann gebe es keine Chance mehr, dass ihre Schreckensherrschaft möglichst schnell wieder beendet werde.

Bashir Dezham ist Musiker und sorgt sich um seine Kollegen in Afghanistan. Denn auch die Musik- und Kunstszene in Afghanistan passt nicht in das Weltbild der Taliban. Auch daran wollten die Demonstranten in Koblenz erinnern.

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