Mit dem neuartigen Verfahren schafft es die Kläranlage, etwa 90 Prozent des eigenen Energiebedarfs zu decken. Bisher sind Kläranlagen - auch die in Koblenz - nur einen Schritt gegangen: Sie haben Klärschlamm mit Bakterien versetzt, um so aus Methangas Wärme und Strom zu gewinnen. Jetzt kommt in Koblenz ein zweiten Schritt hinzu. Denn der restliche Schlamm aus dem ersten Prozess wird nochmal weiter verwertet.
EU förderte das Kläranlagen-Projekt in Koblenz
Das neuartige Verfahren wurde zunächst in einem von der EU geförderten Projekt getestet. Ende August war das Projekt "SusTreat" ausgelaufen, jetzt ist die neue Anlage in Koblenz im Regelbetrieb. Wie die Stadtentwässerung mitteilt, soll die Koblenzer Kläranlage langfristig ohne zusätzliche Energie betrieben werden. Dafür sei geplant, Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Gebäude zu installieren.
Neues Verfahren spart Energie und Transportkosten
Bei bisherigen Verfahren wird aus dem Klärschlamm Methangas gewonnen. So können die Anlagen etwa 60 Prozent ihres Energiebedarfs decken. Der Schlamm, der bei diesem Prozess übrig bleibt, wurde früher auf Äckern verteilt, heute wird er meist in eine Müllverbrennungsanlage gefahren.
In Koblenz aber wird nun der restliche Klärschlamm nicht abtransportiert, sondern direkt vor Ort weiterverarbeitet. Im ersten Schritt wird er getrocknet, sodass das Material nur noch fünf Prozent Wasseranteil aufweist. Anschließend wird aus dem trockenen Schlamm erneut Gas gewonnen, welches wiederum für die Strom- und Wärmeproduktion genutzt werden kann. Die Kläranlage in Koblenz funktioniert so fast energieneutral.

Durch die neuartige Anlage kann die Stadtentwässerung Koblenz nach eigenen Angaben nicht nur effizienter arbeiten, sie spart auch Transportkosten. Denn der Klärschlamm wiegt deutlich weniger als bisher, weil ihm das Wasser entzogen wurde. Etwa 11.000 Tonnen Material muss laut den Verantwortlichen nun weniger abtransportiert werden.
Vorbild für Koblenzer Anlage steht im baden-württembergischen Balingen
Für die Stadtentwässerung hat die neue Anlage weitere Vorteile: Beispielsweise könne so sichergestellt werden, dass in Zukunft der Klärschlamm überhaupt entsorgt werden könne, denn das Endprodukt enthalte keine Schadstoffe mehr. Außerdem könne mit der Methode auch Phosphor aus dem Schlamm gewonnen werden, ein Stoff, der bis jetzt nach Europa importiert werden müsse, sagt Joachim Hölle von der Stuttgarter Firma Sweco, die die Koblenzer Anlage gebaut hat.
Als Vorbild für die Koblenzer Anlage dient die Kläranlage in Balingen im baden-württembergischen Zollernalbkreis. Das patentierte Verfahren der Firma SynGas aus Tübingen wird auch dort bereits eingesetzt.
Zwei Millionen Euro Förderung von der EU
Insgesamt 18 Millionen Euro hat das Projekt in Koblenz gekostet, zwei Millionen kamen von der Europäischen Union. Die Koblenzer Stadtentwässerung geht davon aus, dass sich die Investition rechnet, weil Strom und Transportkosten gespart würden.
Weitere Klärwerksbetreiber überlegen demnach, ob sie die Methode, die in Koblenz angewendet wird, auch übernehmen. Vielen wollen den Angaben zufolge aber erstmal abwarten, welche Erfahrungen die Koblenzer Stadtentwässerung mit ihrer Anlage im Regelbetrieb macht.