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Die Corona-Pandemie verlangt Kindern einiges ab. Freunde und Verwandte können sie nur selten sehen und der Wechselunterricht ist strapaziös. Das macht vielen Kindern zu schaffen - auch bei Familie Schmitt aus Bendorf.

Die siebenjährige Zoë Schmitt aus Bendorf ist ein aufgewecktes und fröhliches Kind. Doch die Corona-Pandemie macht auch ihr zu schaffen. Es ärgert sie, dass sie ihre Freunde nur selten sehen kann - etwa wenn Wechselunterricht stattfindet und die Hälfte der Klasse in der Schule ist. Über den Unterricht zuhause sagt die Erstklässlerin: "Ich finde das Homeschooling nicht so toll. In der Schule habe ich einfach ein anderes Gefühl beim Lernen. Und da könnte ich auch meine Freunde sehen."

Soziale Kontakte elementar für kindliche Entwicklung

Dass Zoë die sozialen Kontakte fehlen, merkt auch ihre Mutter Julia Schmitt. Sie beobachtet, dass Zoë launischer ist als sonst und dass ihre Stimmung schnell kippt. Ein durchaus typisches Verhalten in der aktuellen Situation, weiß Stephan Hannappel, Kinder- und Jugendpsychotherapeut aus Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis.

Zoë Schmitt aus Bendorf (Foto: Julia Schmitt)
Das Lernen fällt Zoë Schmitt aus Bendorf alleine deutlich schwerer als mit ihrern Freunden in der Schule. Julia Schmitt

"Soziale Kontakte sind sehr wichtig für die persönliche Entwicklung von Kindern", sagt Kinderpsychologe Hannappel. Das Fehlen von sozialer Interaktion führe zwar nicht unbedingt gleich zu pathologischen Problemen. Doch es entstehe Unzufriedenheit. Kinder seien dann oft unmotiviert und launisch.

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Nachfrage nach Psychotherapie gestiegen

Laut einer bundesweiten Studie des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf fühlen sich vier von fünf Kindern und Jugendlichen in Deutschland durch die Corona-Pandemie belastet. Fast jedes dritte Kind zeigt demnach psychische Auffälligkeiten.

Auch den Nastätter Kinderpsychotherapeuten Hannappel erreichen derzeit mehr Anfragen als vor der Pandemie. "Kinder können etwa mit Ängsten, Zwängen oder depressiven Verstimmungen reagieren", erklärt der Therapeut. "Viele ziehen sich außerdem zurück und beginnen soziale Interaktion zu vermeiden."

Fehlende Routine belastet Kinder

Die Kinder belastet dabei auch, dass Regelmäßigkeit und Struktur fehlen. Mal findet Präsenzunterricht in den Schulen statt, dann gibt es wieder Wechselunterricht, dann wieder komplettes Homeschooling. Das macht es schwierig für Familien, Routinen beizubehalten, die Kindern Halt und Sicherheit geben.

Zoë und Rik Schmitt spielen viel draußen im Wald.  (Foto: Julia Schmitt)
Bewegung tut gut: Zoë und Rik Schmitt spielen während des Lockdowns viel draußen im Wald. Julia Schmitt

Auch bei Familie Schmitt aus Bendorf sorgt der häufige Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht bisweilen für Stress. Wenn Präsenzunterricht stattfindet, kann sich Zoës neunjähriger Bruder Rik nur schwer motivieren in die Schule zu gehen. Ihm ist der Spaß an Schule vergangen. "Wir müssen ihm dann viel gut zureden und er braucht sehr viel Unterstützung", sagt Mutter Julia Schmitt.

Bewegung ist für Kinder besonders wichtig

Als Ausgleich versuchen die Schmitts viel zu unternehmen. Sie spielen, gehen raus in den Wald, erkunden die Natur. "Bewegung ist für Kinder in diesen Zeiten besonders wichtig", erklärt Kindertherapeut Stephan Hannappel, "das ist ein wichtiges Ventil und die Kinder können den Kopf frei kriegen."

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Auch wenn die letzten Monate kräftezehrend waren, schaut Familie Schmitt optimistisch in die Zukunft und hofft, dass bald wieder etwas mehr Normalität einkehrt. Die siebenjährige Zoë sagt: "Ich freue mich ganz schön, wenn die Schule wieder ganz normal ist. Dann kann ich meine Freunde wieder jeden Tag sehen."

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