Die vom Erdwall blockierte Zufahrt bei Kestert am Mittelrhein (Foto: SWR)

Verschüttete Zufahrt zu Grundstücken nach Felssturz am Mittelrhein

Umstrittener Erdwall bei Kestert: Keine schnelle Lösung in Sicht

STAND

Nach dem Felssturz soll der sechs Meter hohe Schutzwall bei Kestert laut Bahn bleiben. Doch er schneidet die dahinter liegenden Grundstücken ab. Wie lange das so bleiben soll, bleibt auch nach einem Treffen mit den Verantwortlichen unklar.

Am Montagmittag haben sich in Kestert Vertreter der Deutschen Bahn, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Loreley, Mike Weiland (SPD) und etwa 30 verärgerte Anwohner und Eigentümer von Grundstücken hinter dem Erdwall getroffen. Knackpunkt war die Frage, ob es möglicherweise doch noch eine andere Lösung gibt, die dahinter liegenden Grundstücke wieder für Autos zugänglich zu machen.

Video herunterladen (5,2 MB | MP4)

Bau einer Zufahrt könnte bis zu fünf Jahre dauern

Bei dem Treffen erhielten die Anwohner allerdings keine konkrete Antwort darauf, wann sie wieder mit dem Auto oder dem Traktor zu ihren Grundstücken hinter dem umstrittenen Erdwall kommen können. Die Bahn will beantragen, eine vorhandene Fußgängerunterführung als Zufahrt auszubauen. Nach ihren Angaben würde das aber bis zu fünf Jahre dauern. Auch nach dem Ortstermin in Kestert ist unklar, wie es weiter geht. Die Anwohner wollen eine schnelle Lösung, die Bahn hat dafür bislang keine Zusage gegeben.

Bei einer Video-Konferenz Ende Mai hatte ein Vertreter der Deutschen Bahn gesagt, man könne das Gelände bei Kestert in Zukunft nur durch Fangzäune und den Wall vor weiteren Felsstürzen schützen. Deshalb soll der sechs Meter hohe und 100 Meter lange Erdwall auf Dauer bleiben.

Verbandsgemeinde will sich weiter für Anwohner einsetzen

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Loreley, Mike Weiland, und der Ortsbürgermeister von Kestert, Uwe Schwarz (beide SPD), wollen nach eigenen Angaben nicht hinnehmen, dass der Erdwall auf Dauer bleibt. Sie sagten bei der Video-Konferenz am Montagabend, sie wollen sich mit allen Mitteln dafür einsetzen, dass das Gelände hinter dem Schutzwall wieder angefahren werden kann. Dort liegen unter anderem mehrere Streuobstwiesen.

Die beiden Kommunalpolitiker kritisierten, dass die Bahn ihrer Meinung nach eine einseitige Entscheidung treffe und alle anderen vor vollendete Tatsachen stelle. Sie kündigten an erreichen zu wollen, dass die Situation vor dem Felssturz wieder hergestellt werde, oder es wenigstens eine gleichwertige Alternative gebe.

Schwerster Felsrutsch seit Jahrzehnten

Am 15. März waren bei Kestert tonnenschwere Schieferplatten auf die Bahngleise gekracht. Verletzte gab es nicht. Die Güterzüge wurden aber sieben Wochen lang größtenteils linksrheinisch umgeleitet und erst am 10. Mai wieder vollständig freigegeben. Vorher musste mehrfach weiteres loses Gestein weggesprengt werden. Die rechtsrheinische Strecke im Welterbe Oberes Mittelrheintal ist laut Deutscher Bahn Teil von Europas meist befahrener Güterzugstrecke zwischen Genua und Rotterdam.

STAND
AUTOR/IN