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Nach dem Scheitern des Hotelprojekts auf der Loreley ist unklar, wie es mit dem Gelände weitergeht. Der Rückzug der Hotel-Planer überrascht auch die Landesregierung.

Das rheinland-pfälzische Kultusministerium bedauert den Stopp des Projektes.
Bisher seien die Gespräche mit dem Investor gut verlaufen, sagte ein Pressesprecher gegenüber dem SWR. Das Ministerium hatte die Hoffnung, dass am Loreleyplateau mit dem Investor eine Lösung für den Bau eines Hotels gefunden wird, die mit dem Welterbe verträglich ist, so der Sprecher.

Zukunft des Geländes völlig unklar

Die Investoren wollen das Gelände auf dem Loreley-Plateau zunächst behalten, schließen aber einen Verkauf nicht aus. Sven Hollesen, Vorstand der norddeutschen Planet Gruppe, sagte am vergangenen Donnerstag: "Das war ein harter Schlag für uns." Die Gruppe wollte demnach für das Hotel zusammen mit den Unternehmen Nidag und Aye Media rund 85 Millionen im Herzen des Welterbes Oberes Mittelrheintal investieren.

Die Investoren teilten mit, dass sie noch keine konkrete Vorstellung hätten, wie es mit dem Gelände auf dem Loreleyfelsen weitergehen soll. "Wir haben sehr viel Energie, Zeit und Geld in die Planung gesteckt, zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwer, sich vorzustellen, ob und wie es weitergehen könnte", sagte Vorstand Hollesen.

Offenbar Schallschutz Grund des Scheiterns

Es habe eine Abstimmungsrunde per Videokonferenz mit Behörden vor Ort zum Thema Schallschutz gegeben. Die Planet Gruppe äußerte sich am Donnerstag nicht zu Details der Debatte um Lärmschutz. Nach früheren Angaben des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Loreley, Mike Weiland (SPD), hatten die Investoren nicht dem im Bebauungsplan vorgegebenen Schallschutz des Hotels für die eigenen Gäste zugestimmt.

Unter anderem sei es um künftige Open-Air-Konzerte auf der Loreley-Bühne gegangen. Die Investoren hätten auf bauliche Lärmschutzmaßnahmen verzichten und bei Großveranstaltungen einfach Zimmer zur Bühne hin leer lassen wollen.

Verbandsgemeinde erfuhr aus der Presse vom Aus

VG-Bürgermeister Weiland erklärte am Freitag in einer schriftlichen Stellungnahme, dass er von der Absage der Investoren aus der Presse erfahren habe. Zwischen der Verbandsgemeinde und der Investorengruppe habe es in der vergangenen Woche noch konstruktive Gespräche gegeben. Dort habe er die Investoren darauf hingewiesen, dass die Kreisverwaltung im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens für den Lärmschutz zuständig sei.

Weitere strittige Punkte blieben offenbar ungeklärt

In dem Gespräch haben die Investoren nach Angaben des Verbandsbürgermeisters zwei weitere K.o.-Kriterien angesprochen. Zum einen sei es um die Möglichkeit gegangen, die Ferienhäuser früher als das Hotel in Betrieb nehmen zu können. Auch in diesem Punkt habe er darauf verwiesen, dass die Entscheidung beim Kreis liege, sagte Weiland.

Zum anderen hätten die Positionen in einem weiteren wichtigen Punkt deutlich auseinander gelegen: bei der Erschließung des Geländes. Weiland teilte dazu mit, dass die Verbandsgemeinde den Investoren gegenüber üblichen Bauvorhaben bereits ein weites Entgegenkommen signalisiert habe. In den kommenden Tagen habe eigentlich das weitere Vorgehen besprochen werden sollen, so Weiland.

Baugenehmigung konnte laut Kreis nicht erteilt werden

Der Landrat des Rhein-Lahn-Kreises, Frank Puchtler (SPD), sagte, der Bauantrag für das Hotel sei vom Kreis geprüft worden. Die bisher eingegangenen Stellungnahmen der beteiligten Fachbehörden hätten zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht zugelassen, eine Baugenehmigung zu erteilen. Im Bauantrag seien von Seiten der Investoren nicht alle Kriterien erfüllt worden - unter anderem beim Thema Schallschutz, so Puchtler.

Gefällte Bäume auf dem Loreley-Plateau (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)
Bereits im Februar wurden im Vorgriff auf den anstehenden Bau auf dem Loreley-Plateau Bäume gefällt. picture alliance/dpa | Thomas Frey

Hotel-Gegner: "Große Chance für Welterbegebiet"

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL), der die Hotelpläne von Beginn an kritisiert hatte, spricht nach dem Rückzug der Investoren von einer "großen Chance für das Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal".

Kritiker: Hotelprojekt sei überdimensioniert gewesen

Die Vorsitzenden der beiden RVDL-Regionalverbände Rhein-Main-Nahe und Rhein-Mosel-Lahn appellieren an die Verantwortlichen, jetzt die Weichen für "mehr Bescheidenheit und eine deutlichere Hinwendung zu allen relevanten Tourismussparten" zu stellen. Der aktuelle Bebauungsplan biete dafür durchaus einen geeigneten rechtlichen Rahmen. Nach Ansicht der Landschaftsschützer soll auch die Aufgabe des Campingplatzes auf dem Loreley-Felsplateau nochmals hinterfragt werden.

Hauptgebäude hätte fünfstöckig werden sollen

Das Hotel "Slow Down Loreley" sollte sich laut seinen Investoren mit begrünten Dächern gut in die abschüssige Landschaft einfügen - mit einem treppenförmigen fünfstöckigen Hauptgebäude, zehn zwei- bis vierstöckigen "Hotelvillen" sowie einstöckigen Bungalows.

Das Obere Mittelrheintal leidet unter extremem Bahnlärm, teils veralteten Tourismusangeboten und Bevölkerungsschwund. Die Planet Gruppe hatte 100 neue Jobs in Aussicht gestellt. Kritiker hielten das 700-Betten-Hotelprojekt im Welterbetal für überdimensioniert.

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