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Die Corona-Regeln werden bundesweit erneut verschärft. Aus diesem Anlass noch einmal unser Interview vom Oktober mit dem Landauer Psychologenprofessor Ottmar Braun. Was tun gegen den Corona-Blues?

Weniger Menschen treffen, keine Restaurant- und Konzertbesuche mehr. Die neuen Corona-Regeln in Rheinland-Pfalz greifen tief in das gesellschaftliche Leben ein. Dazu kommt, dass die Tage kürzer werden, die Temperaturen fallen und der Winter sich ankündigt. Damit die Menschen dabei mental gefestigt bleiben, gibt der Psychologe Ottmar Braun von der Universität Koblenz-Landau im Interview mit dem SWR Tipps aus seinem Forschungsgebiet der positiven Psychologie.

SWR Aktuell: Die neuen Einschnitte in den Alltag fallen gerade mit der dunklen Jahreszeit zusammen. Was können die Menschen selbst machen, um sich mental zu stärken?

Ottmar Braun: Mit Übungen aus der positiven Psychologie kann man verhindern, runtergezogen zu werden und depressiven Verstimmungen entgegenwirken. Zum Beispiel der positive Tagesrückblick: Am Abend darüber nachdenken, was gut gelaufen ist. Drei Dinge sollte man da finden und dann sollte man überlegen, was man selbst dazu beigetragen hat, dass es gut gelaufen ist. Welche persönlichen Stärken waren an den positiven Ereignissen des Tages beteiligt?

Professor Ottmar Braun (Foto: Privat)
Professor Ottmar Braun, Psychologe Privat

Wenn man das macht, entsteht mentale Stärke und es geht einem zunehmend besser. Die positive Psychologie zeigt, dass man durch diese einfache Übung in eine Aufwärtsspirale kommt. Es entstehen positive Gefühle, man wird sich seiner Stärken bewusst, man erwirbt neue Kompetenzen, erzielt Erfolge, die wiederum positive Gefühle auslösen.

SWR Aktuell: Zu Beginn der Pandemie sind viele Menschen davon ausgegangen, dass wir uns für eine kurze Zeit umstellen müssen. Inzwischen sieht es eher danach aus, dass die Einschränkungen lange andauern werden. Was kann man tun, um die Motivation nicht zu verlieren?

Braun: Man sollte sich auf die Dinge konzentrieren, die man noch unter Kontrolle hat und aktiv dafür sorgen, positive Dinge zu erleben. Bewusst mit Freunden und Familie telefonieren, Hobbys nachgehen aber auch der Genuss spielt eine große Rolle - ein Bad nehmen, gut essen. Man muss etwas für die gute Laune tun. Die ausschließliche Beschäftigung mit Corona-Nachrichten ist Gift für die Seele.

"In den Stunden, in denen es hell ist, raus an die frische Luft gehen."

SWR Aktuell: Zu Beginn der Pandemie und der ersten weitreichenden Einschränkungen sind wir in die Sommermonate gestartet. Nun kommen der Winter und die neuen Corona-Regeln zusammen. Welchen Unterschied macht das?

Braun: Der Winter hat zur Folge, dass wir dem Tageslicht weniger ausgesetzt sind und dann produziert der Körper weniger Dopamin und Serotonin. Vereinfacht gesagt, haben wir dann zu wenig Glückshormone. Dagegen hilft: In den Stunden, in denen es hell ist, raus an die frische Luft gehen. Ich gehe jeden Morgen für 45 Minuten zu einem sogenannten Pleasure Walk raus. Das heißt, ich schaue ganz gezielt Dinge an, die mir Freude bereiten. Das können jetzt im Herbst bunte Blätter sein, aber auch ein Bach oder eine Wolkenformation. Ich nehmen die Natur wahr, genieße sie und erfreue mich daran.

SWR Aktuell: Wenn das alles nichts hilft, sollte man sich in diesem Jahr besonders früh Hilfe suchen?

Braun: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich würde raten, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Mit Prävention lässt sich da gut gegensteuern. Die positive Psychologie ist ein Fachgebiet, in dem seit rund 20 Jahren viel geforscht wird. Durch empirische Studien konnte belegt werden, dass unser Wohlbefinden davon abhängt, wie wir denken. Wenn wir nur auf die schlimmen Nachrichten achten, wird es uns schlecht gehen. Wenn wir unseren Blick auch auf die positiven Dinge richten und darüber nachdenken, wird das Wohlbefinden gefördert und wir tun etwas für unsere psychische Gesundheit.

Die Fragen stellte SWR-Redakteurin Rafaela Rübsamen

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