Impfen Schule Neuwied (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Volljährige Schüler in Neuwied können sich impfen lassen

Kritik an Corona-Impfaktion für Schüler in Neuwied

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Viele junge Menschen warten noch immer auf ein Impfangebot. Ein Arzt aus Neuwied wollte das ändern und hat eine Impfaktion im Kreis Neuwied gestartet. Kritik kam von Hausärzten.

Am Freitagmittag um 14:00 Uhr ist eine große Impf-Aktion am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Neuwied gestartet worden. Am Donnerstag hatte es dazu eine Aufklärungsveranstaltung unter freiem Himmel gegeben.

Rund 420 Schüler und Schülerinnen hatten ihr Interesse an einer Impfung bekundet. Die Initiative für die Aktion geht von einem Neuwieder Orthopäden aus.

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Die Ärzteobfrau des Kreises Neuwied, Dr. Anja Meurer, kritisiert die heutige Impf-Aktion für Neuwieder Schüler. Kritik übt sie vor allem an der gewählten Form der Aufklärung. Nach Ansicht der Vertreterin der Hausärzte im Kreis Neuwied, sei dieses Vorgehen sehr bedenklich.

Sie verweist darauf, dass die genutzten Impfstoffe – AstraZeneca und Johnson & Johnson – von der Impfkommission erst für Menschen ab 60 Jahren empfohlen sind. Jüngere sollten diese Impfstoffe erst nach sorgfältiger Aufklärung erhalten.

Hausärzte üben Kritik an Aufklärung zur Corona-Impfung

Dr. Anja Meurer betont, dass eine solche Aufklärung bei einer Massenveranstaltung nicht möglich sei. Grundsätzlich befürwortet sie das Impfen von Schülern. Allerdings sollten dabei die Hausärzte mit ins Boot genommen werden. Dass viele Hausarztpraxen noch in der Priorisierungsliste hängen, sei nur ein vorübergehendes Phänomen, erklärt die Medizinerin. Ihrer Einschätzung nach sollten in spätestens drei Wochen schon wieder ausreichend Kapazitäten für Bevölkerungsgruppen ohne Prio-Zugehörigkeit in Sicht sein.

Die Schulleiterin des Werner-Heisenberg-Gymnasiums, Christine Osenberg sagte dem SWR zu der Impf-Aktion: "Wir wollen Schülerinnen und Schülern ein Signal geben, dass sie ernst genommen werden". Bisher seien sie in der Pandemie häufig vernachlässigt worden.

"Uns ist wichtig, dass wir zusammenstehen."

In der Schule ist dafür eine Impfstraße mit 15 Kabinen in der Schulturnhalle eingerichtet worden. "Etwa 60 Schüler unserer Schule interessieren sich dafür", sagt Schulleiterin Osenberg. "Uns ist aber wichtig, dass wir zusammenstehen, auch mit den anderen Schulen gemeinsam." Auch wenn zunächst nur am Werner-Heisenberg-Gymnasium eine Impfstraße eingerichtet wird: Das freiwillige Angebot gilt für alle volljährigen Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Kreis Neuwied.

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Neuwieder Arzt impft mit Astrazeneca und Johnson & Johnson

Hinter der Aktion steht der Neuwieder Arzt Marcus Ackermann. Mit seinem Team testet er seit April bereits an den Schulen im Kreis. Jetzt soll auch noch die Impfung dazu kommen. Ihm stehen nach eigenen Angaben etwa 1.500 bis 2.000 Impfdosen zur Verfügung. Dr. Marcus Ackermann verimpft dabei den Impfstoff von Astrazeneca und Johnson & Johnson. Weil diese Vakzine erst für Menschen ab 18 Jahren zugelassen sind, gelte das Angebot zunächst auch nur für Volljährige.

Der Kreis Neuwied als Schulträger äußerte sich am Mittwoch zurückhaltend zu der Aktion. Zwar begrüße der Kreis grundsätzlich jede Impfaktion, sagte ein Sprecher. Allerdings betonte er, dass der Kreis nichts mit der Aktion am Werner-Heisenberg-Gymnasium zu tun habe. Auch das Impfkontingent komme ausschließlich vom durchführenden Arzt. Für die Aktion werde kein Impfstoff verwendet, der eigentlich für das Impfzentrum in Oberhonnefeld vorgesehen sei, so der Kreissprecher.

Kritik an ähnlicher Aktion an Schule in Mainz, dem Theresianum

An einem Mainzer Gymnasium hatte es nach einer ähnlichen Impfaktion am Montag teils heftige Kritik gegeben. Dort wurden auf Initiative von Ärzten aus der Elternschaft etwa 150 Schülerinnen und Schüler mit dem Impfstoff von Biontech geimpft. So kritisierte beispielsweise Klaus Hartmann, Facharzt für Arbeitsmedizin und Impfschadengutachter, im SWR, dass im Moment noch nicht der richtige Zeitpunkt sei, gesunde, fitte Schüler zu impfen. Viele ältere und gebrechliche Menschen würden derzeit den Impfstoff dringender brauchen.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung kritisierte die Impfaktion in Mainz. Sie sei zum jetzigen Zeitpunkt unangemessen. Impfstoffmengen, die bei Personen mit geringem Krankheitsrisiko zum Einsatz gebracht würden, erhöhten die Wartezeiten für Risikopatienten.

"Wir nehmen niemandem etwas weg."

Kein Engpass bei Astrazeneca und Johnson & Johnson

Der Neuwieder Arzt Marcus Ackermann kann die Kritik verstehen. Allerdings gebe es mit den Impfstoffen von Johnson & Johnson und Astrazeneca derzeit keine Engpässe: "In meiner Praxis kann ich allen ein Impfangebot machen", sagt Ackermann. Wenn dem nicht so wäre, würde er die Aktion auch nicht durchführen, so Ackermann weiter. Nach eigenen Angaben bestelle er jede Woche die maximal mögliche Menge. Dadurch habe er in dieser Woche so eine hohe Zahl an Impfdosen zur Verfügung.

Auch Schulleiterin Christine Osenberg verteidigt die Impfaktion. "Wir nehmen niemandem etwas weg. Wir nehmen nur den Impfstoff, der zur Verfügung steht", sagt sie.

Informationsveranstaltung zur Impfung für die Schüler

Die interessierten Schülerinnen und Schüler wurden am Donnerstag bei einer verpflichtenden Informationsveranstaltung über den Impfstoff und die Risiken aufgeklärt. Nur wer dort anwesend war, kann sich am Freitag auch impfen lassen. Bei großer Nachfrage, so Ackermann, könne er sich gut auch noch eine zweite große Impfaktion vorstellen.

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