Eine Hornisse  (Foto: picture-alliance / Reportdienste,  imageBROKER)

Seltener Einblick ins Insektenleben

700 Hornissen zwischen Fenster und Holzklappladen

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Andreas Krisam
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Christina Nover
Autorin Christina Nover (Foto: SWR)
Ursula Barzen

Im Westerwald hat sich ein Hornissenvolk vor dem Fenster eines Ferienhauses ein Nest gebaut. Für die Besitzer ergeben sich so faszinierende Einblicke in das Leben der Insekten.

Da staunte Jan Hesper nicht schlecht: Als er seinem privaten Ferienhaus in Borod im Westerwald vor Kurzem einen Besuch abstattete, musste er feststellen, dass er unangemeldete Gäste hat. Ein Hornissenvolk hat sich zwischen dem Fenster und dem Holzklappladen auf dem Dachboden eingenistet. Entdeckt haben das Nest die Enkelkinder.

Kinder haben Hornissennest vor dem Fenster entdeckt

"Die Kinder sind ganz aufgeregt die Leiter runtergekommen und haben gerufen: da ist was!" Das Besondere laut Hesper ist, dass man dem "Treiben der Insekten so wunderbar zuschauen kann" und auch die Königin sieht. Hunderte braun-gelb gemusterte Arbeiterinnen fliegen und krabbeln zwischen den zehn Etagen des Nestes hin- und her und versorgen die Brut. Ein faszinierendes Schauspiel, wie Hesper sagt.

Auch Gabriele Neumann von der Naturschutzinitiative aus Quirnbach im Westerwald ist begeistert von dem besonderen Nest. So was sei ausgesprochen ungewöhnlich: "Normalerweise sind die Nester außen mit einer Papierschicht umgeben und man kann nicht sehen, was innen drin passiert."

Rund 700 Hornissen tummeln sich vor dem Fenster

Um die 700 Hornissen vermutet Neumann hinter der Glasscheibe - nicht immer seien alle da, einige jagten draußen Beute, andere versorgten die Brut im Nest. Die Königin hingegen bleibt laut Neumann immer im Nest, füttert den Nachwuchs und legt neue Eier.

In Borod im Westerwald haben sich Hunderte von Hornissen zwischen Fenster und Holzklappladen ein Nest gebaut.  (Foto: SWR)
In Borod im Westerwald haben sich Hunderte von Hornissen zwischen Fenster und Holzklappladen ein Nest gebaut.

Einen besseren Wohnort hätten die Hornissen kaum finden können, erklärt Gabriele Neumann. "Die Hornissen knabbern Holz, vermischen kleine Holzspäne mit ihrem Speichel, das ist ihr Nestbaumaterial, daraus bauen sie das Nest und ihre Waben. Deswegen haben sie hier hervorragende Bedingungen."

Hornissen sind eigentlich friedlich

Das Treiben der Hornissen ist in der Nachbarschaft nicht unbemerkt geblieben. Nachbar Manfred Zygan hat schon einige Hornissen herumfliegen sehen: "Die Frage war immer: Wo ist das Nest?", meint er. Hornissen gehören für ihn selbstverständlich zum Westerwälder Sommer dazu - aber er hat Respekt vor den Tieren: "Die Hornisse hat für ihre Größe schon einen gewaltigen Stachel. Die macht schon Angst", meint er.

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Naturschützerin Gabriele Neumann kann Manfred Zygan und Jan Hesper aber beruhigen: "Es stimmt nicht, dass eine gewisse Anzahl von Hornissenstichen einen Menschen oder ein Pferd töten könnte". Hornissen würden nur dann stechen, wenn sie sich bedroht oder angegriffen fühlten.

"Es ist immer gut, sich in der Nähe von Hornissen sehr ruhig zu bewegen und darauf zu achten, dass Hornissen nicht in Hosenbeine krabbeln. Aber: sie tun das eigentlich nicht, sie sind ganz, ganz friedlich", erklärt Neumann. Die Hornissen seien sogar nützlich: sie würden Fliegen, Raupen, Spinnen, Stechmücken oder Wespen fressen.

Für Jan Hesper sind die Hornissen deshalb gern gesehene Gäste und er lässt sie gewähren. "Ich werde mich hüten, Fenster oder Klappladen zu öffnen", sagt er. Im Winter, wenn die Hornissen ausgezogen sind, will er das Nest entfernen - falls sich nicht Naturschützer für das einmalige zehn-etagige Nest interessieren und es als Modell aufheben wollen.

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