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Kaum mit der Schule fertig gründen Daniel Zacharias, Jan Micha Kroll und Timo Stosius ein Start-up. Seit Corona starten sie richtig durch - der Erfolg bringt aber auch Probleme mit sich.

Seit Beginn des Fernunterrichts gibt es immer wieder Probleme mit den Plattformen, auf denen Schülerinnen und Schüler online lernen sollen. Zuletzt soll etwa ein Hackerangriff für einen Ausfall der vom Land Rheinland-Pfalz bereitgestellten Lernplattform Moodle gesorgt haben. Viele Schulen setzen statt auf Moodle aber auch auf private Anbieter. Einer davon ist das Koblenzer Start-Up Sdui, das es von einem Schulprojekt im Jahr 2015 zu einem wachsenden Unternehmen geschafft hat.

Aus Schülern werden Unternehmer

Über Sdui können Lehrkräfte unter anderem virtuellen Unterricht per Videokonferenz abhalten, Stundenpläne erstellen oder mit Schülerinnen oder Schülern chatten. Die Idee dazu war entstanden, als die Gründer selbst noch Schüler im Westerwald waren. Sie störten sich immer wieder daran, dass Informationen nicht schnell und direkt bei den Schülerinnen und Schülern ankamen. "Man quält sich morgens aus dem Bett, fährt in die Schule und dann fallen die ersten zwei Stunden aus. Das muss doch direkt kommuniziert werden können", erzählt Gründer Daniel Zacharias.

Mithilfe von Google-Suchen und Anleitungen auf der Video-Plattform Youtube bauten sie dann eine erste Version von Sdui. Fünf Jahre später nutzen mehr als 2.000 Schulen in ganz Deutschland die Plattform. Seit durch die Corona-Pandemie Schülerinnen und Schüler zu Hause über das Internet unterrichtet werden sollen, gab es einen Aufschwung für Sdui. "Wir haben zeitweise so viele Anfragen bekommen, dass wir sogar unsere Telefonnummer von der Internetseite nehmen mussten", sagt Zacharias.

Eine Lehrerin erklärt den Kindern an einer Mainzer Schule den Umgang mit der Kommunikations-App Sdui. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa/Andreas Arnold)
Eine Lehrerin erklärt den Kindern an einer Mainzer Schule den Umgang mit der Kommunikations-App Sdui. dpa/Andreas Arnold

Überforderte Server wegen zu vieler Zugriffe

Doch dieser Aufschwung bringt auch Schwierigkeiten mit sich. Wegen zu vieler Zugriffe funktionierte die Plattform zeitweise nicht problemlos, bedauern die Betreiber. Die Mitarbeiter in Koblenz erweiterten zwar ständig die Serverkapazitäten. Aber es gebe einfach zu viele Zugriffe auf das Netzwerk. "So viele Nutzer konnten wir vorher nicht testen. Da waren wir zeitweise überfordert, das müssen wir zugeben", sagt Gründer Timo Stosius.

Die Server von Sdui befinden sich in Deutschland – eigentlich ein Vorteil der Koblenzer Plattform. Denn so werben die Betreiber mit ihrer datenschutzkonformen Kommunikation. Bei der Nutzung werden eigenen Angaben zufolge weder Handynummer noch Email-Adresse benötigt. Außerdem sehe jeder nur das, was er sehen darf, so die Betreiber. So hätten Eltern beispielsweise nur Zugriff auf die Vertretungen, die auch ihre Kinder betreffen.

Doch die deutschen Server erschweren Sdui aktuell die Arbeit. Was in Deutschland fehle, seien Anbieter von großen Servernetzwerken, die auch eine solch hohe Last an Datenverkehr verkraften, so das Koblenzer Unternehmen. Außerdem fehle an vielen Schulen noch immer das Verständnis für digitale Prozesse.

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