Blick auf eine Tafel mit Preisen von verschiedenen Kraftstoffen an einer Tankstelle in der Stadt am frühen Morgen. Durch den Ukraine-Konflikt sind die Kraftstoffpreise weiter gestiegen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Swen Pförtner)

Logistikunternehmen: "Lage ist eine Katastrophe"

Hohe Kraftstoffpreise sorgen bei Betrieben in RLP für Anspannung

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Nada Fiebes
Bild von Autorin Nada Fiebes aus dem SWR Aktuell Studio Koblenz unterwegs als Reporterin in Bad Neuenahr-Ahrweiler. (Foto: SWR)

Die Kosten für Benzin und Diesel sind deutlich gestiegen. Diese Preissteigerung trifft viele Branchen im nördlichen Rheinland-Pfalz. Vor allem Logistikunternehmen.

Die aktuelle Lage sei eine Katastrophe, heißt es von den Verantwortlichen von Karst Logistics in Koblenz. Für eine Strecke von Portugal nach Koblenz würden beispielsweise aktuell 250 Euro mehr fällig als noch vor zwei Monaten. Auch der geschäftsführende Gesellschafter der ELSEN Unternehmensgruppe aus Mülheim-Kärlich, Thomas Klein, spricht von Mehrkosten von insgesamt 10 Prozent für sein Unternehmen. Aktuell würden Gespräche mit den Kunden geführt, denn die Kosten müssten eins zu eins weitergegeben werden.

"Die Situation ist ein riesiges Problem für die Branche."

Auch die RHT Spedition Hartmann in Koblenz verhandele deshalb mit ihren Kunden neu. Hier stoße man überwiegend auf Verständnis für die Situation, so der Geschäftsführer Achim Borchers. Denn allen sei klar, dass die Unternehmen sich nicht die Taschen voll machen wollen, sondern die Weitergabe der höheren Kosten in der aktuellen Lage eine Notwendigkeit sei.

Politik will Hilfsprogramme schaffen

Auf SWR Nachfrage teilte auch das Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz mit, dass die steigenden Energiekosten die Logistikbranche vor große Herausforderungen stellten. Globale Lieferketten seien bereits in der Vergangenheit aus verschiedenen Gründen beeinträchtigt gewesen, beispielsweise durch das Schiffsunglück im Suez-Kanal, Strafzölle oder die Corona-Pandemie.

Um Insolvenzen zu vermeiden sollen demnach auf Bundesebene Hilfsprogramme sowie Maßnahmen zur Entlastung entwickelt werden. Dennoch bedeuteten steigende Energiekosten auch erhöhte Preise für die Verbraucherinnen und Verbraucher.

Auch das Handwerk ist deutlich betroffen

Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise beschäftigen auch Marco Kraus. Er ist Geschäftsführer von Elektro Künster in Koblenz. Die rund 60 Mitarbeitenden des Elektrofachbetriebs sind regelmäßig mit 40 Dienstwagen im Großraum Koblenz unterwegs. Aber auch einige Kunden weiter weg werden betreut.

Ein Kunde sitze beispielsweise in Frankfurt. Und bei einer Strecke von Koblenz nach Frankfurt mit Dieselfahrzeug und Anhänger würden aktuell 35 bis 38 Euro pro Fahrt mehr fällig. Das gehe bei 21 Fahrten in einem Monat – hin und zurück - schon ordentlich ins Geld, berichtet Marco Kraus.

Handwerkskammer Koblenz spricht von branchenübergreifenden Problemen

Jörg Diester von der Handwerkskammer Koblenz bestätigt diese Entwicklung ebenfalls. Im Prinzip seien alle Unternehmen betroffen, deren Alltag fahrintensiv sei. Dazu zähle im Zuständigkeitsbereich der Handwerkskammer vor allem auch das Bau- und Ausbaugewerbe, denn hier müssten die Mitarbeitenden oft weitere Wege zu Kunden in Kauf nehmen.

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Und genau diese Unternehmen hätten aktuell ohnehin schon mit den stark gestiegenen Materialkosten zu kämpfen. Vor allem für kleinere und mittelständische Unternehmen seien die Preise an der Tankstelle demnach ein entsprechend schwerwiegendes Problem.

Preise in allen Bereichen gehen nach oben

Diese Erfahrung hat auch Marco Kraus gemacht. Denn auch im Großteil der benötigten Materialien, die seine Mitarbeitenden im Arbeitsalltag brauchen, sei Rohöl verarbeitet, beispielsweise in Kunststoff. Das treibe die Preise weiter in die Höhe. Und das mache sich dann in den Beschaffungskosten deutlich bemerkbar. Ein Kabelzulieferer, der bisher kostenlos geliefert habe, würde jetzt für eine komplette Lieferung zu einer Baustelle bis zu 250 Euro berechnen, erzählt Marco Kraus.

Eines der größten Probleme für viele Betriebe ist laut Handwerkskammer die große Unsicherheit bei der Planung. Im Prinzip könnten die Unternehmen im Moment nicht mit fixen Kosten planen und kalkulieren, sagt Jörg Diester.

Preissteigerungen kommen auch bei Kunden und Verbrauchern an

Die Handwerkskammer berät Unternehmen per Hotline und empfiehlt mögliche Preisschwankungen und auch längere Fahrtwege direkt im Vertrag mit den Kunden festzuhalten. Es sei wichtig, dass die Betriebe einen finanziellen Puffer einbauen. Sonst blieben vor allem kleine und mittelständische Unternehmen auf den Kosten sitzen.

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Marco Kraus plant bereits jetzt für das laufende Jahr mit deutlichen Mehrkosten. Bereits von 2020 auf 2021 habe er 40.000 Euro netto mehr für Kraftstoff ausgeben müssen, er gehe davon aus, dass es jetzt noch mehr werde. Zuletzt habe das Tanken seinen Betrieb 3.000 Euro mehr im Monat gekostet. Er hoffe daher jetzt auf ein schnelles Einlenken der Regierung. Er habe seine Mitarbeitenden auf jeden Fall die Anweisung gegeben bei jeder einzelnen Fahrt zu prüfen, ob sie notwendig sei.

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