Brücke in Schuld an der Ahr (Foto: SWR)

Vier Wochen nach der Katastrophe

Wiederaufbau und Sorgen an der Ahr

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Die Infrastruktur an der Ahr ist zerstört, Hunderte Menschen haben ihr Leben verloren. Vier Wochen nach der Flutkatastrophe wird noch immer aufgeräumt. Doch mit der Zeit kommen Fragen: Wie soll man in Zukunft an dem Fluss leben?

Die Ahr fließt wieder ruhig durch den kleinen Ort Schuld, fast so, als wäre nichts geschehen. Das Wasser ist wieder klar, der kleine Fluss plätschert durch das Eifeldorf. Doch die Spuren in dem Ort zeugen von dem reißenden Strom, in den sich der Fluss vor einem Monat verwandelt hat: Am Ufer liegen noch immer entwurzelte Bäume. LKW bringen Schutt aus dem Ort. Große Bagger vom Technischen Hilfswerk verladen Kies. Vor der Kirche steht eine Marienfigur aus Stein, von Bundeswehr und Feuerwehr aus den Trümmern geborgen. Die Flutwelle zerstörte den 600-Einwohner-Ort fast vollständig.

Marienstatue vor einer Mauer in Schuld (Foto: SWR)
Diese Marienstatue stand ursprünglich an einem Denkmal in Schuld. Die Flut spülte sie weg. Inzwischen haben Bundeswehr und Feuerwehr vor der Kirche einen neuen Ort dafür gefunden.

"Der größte Teil der Bevölkerung ist erst mal von der Hilfe überwältigt, die jeder bekommen hat und man ist langsam wieder in ein Stück Normalität zurückgekehrt."

Schulds Bürgermeister Helmut Lussi sitzt im Gemeindehaus, neben ihm stapeln sich Lebensmittel. Lussi ist seit vier Wochen im Dauereinsatz, sein Handy steht nicht mehr still, seitdem das Mobilfunknetz wieder funktioniert.

Viele Menschen überlegen Schuld zu verlassen

Auch die Straßen in Schuld sind inzwischen wieder größtenteils freigeräumt. Zum Teil fließt auch wieder das Wasser - über eine Notversorgung, die das THW gebaut hat. Auch Strom gibt es wieder. An der Kirche haben die Einsatzkräfte ihr Lager aufgeschlagen. Doch so wie vorher, wird es wohl nie mehr entlang der Ahr, so Helmut Lussi, fast alle Häuser sind zerstört. "Brücken müssen erneuert werden, Straßen müssen erneuert werden. Kanal, Wasser, Breitband. Das muss ja alles neu gelegt werden und das wird schon noch Jahre in Anspruch nehmen."

"Der Aufbau wird Jahre in Anspruch nehmen."

Wie hoch der Schaden in dem Ort ist, kann der Bürgermeister nicht sagen. Kurz nach der Katastrophe hatte er den Schaden in seinem Dorf auf rund 50 Millionen Euro geschätzt. Doch inzwischen geht er davon aus, dass der Wiederaufbau deutlich teurer werden könnte.

Viele Menschen denken in dem Ort aber inzwischen auch darüber nach das Ahrtal zu verlassen, sagt Lussi, denn die Perspektive fehlt.

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Ortsteil von Ahrbrück war komplett abgeschnitten

Wenige Kilometer weiter die Ahr hinab liegt Ahrbrück. Hier sind geborstene Fenster mit Holzplatten verrammelt. Das THW hat mit roter Farbe die Häuser markiert, die abgerissen werden müssen. Viele Menschen sind obdachlos geworden. Die meisten sind bei Freunden in höheren Ortsteilen oder in anderen Städten untergekommen. In den Straßen staubt es, es riecht nach Abgasen und Heizöl. Vor allem den Stadtteil Brück hat es schwer getroffen, so Christian Keuler, der in Ahrbrück im Krisenstab sitzt. "Das Problem bei Brück war auch, dass die Brücke am Anfang als einzige Verbindung komplett zerstört war. Da musste erst ein Brückenkopf errichtet werden, damit das schwere Gerät da überhaupt drüber konnte."

Überwältigende Hilfsbereitschaft

Tagelang konnten die Bagger und Kräne nicht in den Ortsteil kommen. Die Hilfsbereitschaft aus ganz Deutschland sei aber überwältigend, sagt Keuler, dessen Haus beim Hochwasser auch zerstört wurde. Viel Zeit hatte er aber noch nicht über die Katastrophe vor einem Monat nachzudenken.

"So lange wir was zu tun haben ist alles gut. Wenn man dann mal eine ruhige Minute hat, schluckt man schon mal schwer."

Arbeiten nach der Flutkatastrophe werden Jahre dauern

Eine große Hilfe sei die Bundeswehr in dem Ort. Mit Bergepanzern können sie durch die Ahr fahren, helfen den Schutt wegzuschaffen. Keuler sorgt sich, dass die Bundeswehr aus dem Ort abrücken könnte. "Wir brauchen die Hilfe". Und auch in Ahrbrück fragen sich die Menschen, ob sie weiterhin an der Ahr wohnen wollen und ihre Häuser wieder aufbauen.

42.000 Menschen im Ahrtal von Flut betroffen

Bis die Zerstörung vollständig beseitigt ist, wird es noch lange dauern. Die Bahn rechnet damit, dass die Zugstrecken teilweise erst in Jahren wieder freigegeben werden können. Insgesamt sind rund 42.000 Menschen im Ahrtal von der Flut betroffen. Doch vor allem, die emotionalen Verletzungen werden lange nicht verheilen. Mindestens 142 Menschen haben im Tal durch das Wasser ihr Leben verloren.

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