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Durch die Flutkatastrophe sind viele Hunde, Katzen und andere Haustiere verloren gegangen. Im Kreis Ahrweiler koordiniert der Tierschutzverein jetzt die Anfragen für vermisste oder gefundene Tiere.

"Kater Krümel wird seit der Flutnacht in Sinzig vermisst. Er ist kastriert, kneift das rechte Auge häufig zu und hat einen Knick in der Spitze des rechten Ohres" - dazu das Foto einer getigerten Katze auf einer Wiese. Solche und viele andere Aufrufe findet man immer häufiger in den sozialen Netzwerken.

Die Lage vor Ort sehr unübersichtlich

Durch das Hochwasser wurden viele Haustiere von ihren Besitzern getrennt oder sind vor den Fluten geflüchtet. Andere wurden in der Unglücksnacht von den Wassermassen einfach mitgerissen und teilweise kilometerweit weggespült.

Tiere, die Glück hatten und mit dem Leben davonkamen, konnten sich teilweise ganz woanders aus eigener Kraft retten, finden nun aber nicht mehr nach Hause. Viele Menschen suchen jetzt ihre Haustiere – andere finden Tiere und suchen deren Familien.

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Mehrere Dutzend Haustiere wurden in den vergangenen Tagen von Mitarbeitern des Tierheims in Remagen aufgenommen und versorgt, wie der Erste Vorsitzende des Vereins "Tierheim und Tierschutzverein Kreis Ahrweiler", Claus Krah, dem SWR berichtet. Am Anfang sei der Verein "völlig überfordert" gewesen mit der Lage. Gleich mehrere Mitarbeiter des Tierheims seien selbst von der Katastrophe betroffen.

"Wir haben eine Schildkröte bekommen, die sah aus, als wäre ein Panzer über sie drüber gefahren"

Trotzdem wird alles versucht, um den gestrandeten Tieren bestmöglich zu helfen. Krah spricht von vielen traumatisierten Haustieren, die oft verletzt oder in einem sehr schlechten Zustand gewesen wären "Wir haben eine Schildkröte bekommen, die sah aus, als wäre ein Panzer über sie drüber gefahren", berichtet er.

Tiere sind oft traumatisiert und in schlechter Verfassung

Katze "Paula" sei triefnass und nach Diesel stinkend aufgefunden worden. "Die muss mehrere Stunden im Wasser verbracht haben", glaubt Krah. Nach der Rettung habe sich die Katze tagelang kaum bewegt. Bei ihrer Untersuchung habe sich herausgestellt, dass sie größere Mengen Diesel und Öl zu sich genommen hatte.

Eine Katze trinkt nach einer Hochwasserkatastrophe aus einer Pfütze (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/BERNAMA)
Eine Katze trinkt nach einer Hochwasserkatastrophe aus einer Pfütze. picture alliance/dpa/BERNAMA

Fundtiere sollen dem Tierheim in Remagen gemeldet werden

Die aufgefundenen Tiere werden gesäubert und tierärztlich versorgt und müssen danach in Quarantäne. "Wir haben zum Glück viele private Pflegestellen - im Tierheim hätten wir all das nicht stemmen können", so Krah. Er weiß auch, dass viele Privatmenschen Tiere aufgenommen haben und sie bei sich betreuen. Diese sollten ihre Funde am besten dem Tierheim melden, damit Besitzer eine zentrale Anlaufstelle haben.

Alternativ könnten sich die Menschen auch an Polizeibeamten vor Ort wenden, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Koblenz dem SWR. Diese würden dann versuchen, die Meldungen an die zuständigen Tierheime weiterzugeben.

Zahlreiche Einträge über gefundene oder vermisste Tiere bei Facebook

Der Verein "Tierheim und Tierschutzverein Kreis Ahrweiler" in Remagen veröffentlicht auf seiner Facebookseite zahlreiche Fotos von Hunden, Katzen oder Vögeln, die entweder abgegeben wurden oder die von ihren Besitzern über die sozialen Medien gesucht werden.

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Bis die Haustiere mit ihren Besitzern wieder vereint werden können, wird nach Aussagen des ersten Vorsitzenden in vielen Fällen aber noch einige Zeit vergehen. "Viele haben ja gar kein Zuhause mehr - da muss erst eine gesicherte Umgebung geschaffen werden, bevor die Tiere zurückkommen können", erklärt Krah.

Chips von toten Haustieren werden ausgelesen

Auch viele tote Haustiere, die in den Fluten ertrunken sind, sind in den vergangenen Tagen beim Verein gelandet, wie Krah bedauernd berichtet. In den Fällen, in denen Tiere gechippt waren, können die Besitzer informiert werden: "So haben die Menschen wenigstens Gewissheit und können abschließen", sagt er.

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Als bemerkenswert bezeichnet Krah die große Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung. Zahlreiche Sachspenden wie Tiernahrung, Transportboxen oder Leinen sind bereits in Remagen eingetroffen. Ähnlich wie an anderen Stellen seien die Lager aber mittlerweile so prall gefüllt, dass der Verein darum bittet, von weiteren Sachspenden abzusehen.

Geld statt Sachspenden

Wer helfen will, könne stattdessen Geld spenden - dafür wurde vom Verein extra ein Spendenkonto ins Leben gerufen. Das Geld wird laut Krah dringend gebraucht - unter anderem um die hohen Tierarztkosten zu decken, die derzeit noch vom Verein übernommen werden.

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