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Besondere Rettungsaktion: Im Hunsrück sind diese Woche etwa 30 Nester von Hirschkäfern umgesiedelt worden, weil auf dem Beurenberg Windräder gebaut werden sollen. Ein Jagdhund hat die seltenen Insekten erschnüffelt.

Dort, wo künftig vier etwa 240 Meter große Windkraftanlagen stehen sollen, sind diese Woche Bagger angerollt. Nicht nur für die Erdarbeiten im Zuge des Baus der Windräder, sondern auch, um etwa 30 Nester mit Hirschkäfern umzusiedeln. "Die Käfer überwintern vor allem in alten Wurzelstöcken von Eichen, tief unter der Erde. Dort legen sie auch ihre Eier ab", erklärt der Revierförster des Forstamts in Kastellaun, Richard Schuler.

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Jagdhund hat Hirschkäfer-Nester erschnüffelt

Um die Nester der Käfer an einen anderen Standort zu bringen, hat ein Bagger komplette Wurzelstöcke ausgehoben und sie etwa 300 Meter weiter wieder abgesetzt. Jeder Wurzelstock samt Erde, Käferengerlingen und Käfern in ihrem Winterschlaf kam in ein Loch, das vorher ausgegraben wurde.

Doch das ist nicht das einzige Besondere an der außergewöhnlichen Rettungsaktion. Denn die Insekten wurden zuvor von einem Jagdhund erschnüffelt, sagt Schuler: "Der Förster des benachbarten Forstamts Zell, Markus Rink, hat ihn darauf spezialisiert und dressiert, Hirschkäfer mit seiner Nase zu lokalisieren".

Ein Bagger setzt eine Wurzelknolle in ein Erdloch im Wald  (Foto: SWR)
Förster Dr. Markus Rink begleitet die außergewöhnliche Umsetzaktion im Wald

Windradbetreiber finanzieren die Umsiedelung der Hirschkäfer

Förster Rink aus Bad Bertrich im Kreis Cochem-Zell hat seine Doktorarbeit über Hirschkäfer geschrieben und gilt als "Hirschkäferpapst". Seinen Hund hat der Umweltwissenschaftler nach eigenen Worten in etwa so trainiert, wie einen Hund, der Trüffel suchen soll. "Die Larven haben einen Eigengeruch, den der Hund riecht - so kann er die Nester aufspüren", sagt der Hirschkäferexperte.

Nur noch 500 bis 600 Hirschkäfer in Rheinland-Pfalz

Rink erforscht seit Jahren das Verhalten der Insekten, von denen es in Rheinland-Pfalz schätzungsweise nur noch 500 bis 600 Exemplare gibt, so der Wissenschaftler. Sie stehen auf der roten Liste bedrohter Tierarten und sind stark gefährdet. Die Käfer mögen Totholz, die Larven ernähren sich von morschem und feuchtem Holz.

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Neuland für die Windkraft-Betreiber

Finanziert wird die Umsiedlung der Käfer von den Betreibern der künftigen Windenergieanlagen auf dem Beurenberg. Auch für das Unternehmen ist die Käfer-Umsiedelaktion neu und außergewöhnlich.

Der Projektleiter der Firma ABO Wind, Sebastian Schroll, sagte dem SWR, dass bei Bauvorhaben normalerweise eher auf andere seltene Tierarten Rücksicht genommen wird - zum Beispiel beim Rotmilan oder bei Amphibien. Projektleiter Schroll freut sich, dass die Aktion auf dem künftigen Gelände der Windräder so gut gelaufen ist, und die seltenen Käfer jetzt in ihrer neuen Umgebung weiterleben können.

Widerstand gegen Bau der Windräder auf dem Beurenberg

Im Mai soll mit dem Bau der vier Windräder begonnen werden. Die Anlagen sind umstritten, unter anderem hatten die Schwestern des Klosters Engelport in Sichtweite der künftigen Windräder versucht, den Bau zu stoppen. Mit ihrem Antrag gegen die Genehmigung scheiterten sie vor dem Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz.

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