Auf dem Boden liegt ein Schild mit der Aufschrift "Geldautomat" zwischen Scherben. Nach der Geldautomatensprengung in Eichelhardt sucht die Polizei mögliche Zeugen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

So viele Fälle wie noch nie

Gesprengte Geldautomaten beschäftigen Banken und Polizei

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Im vergangenen Jahr haben Kriminelle 35 Geldautomaten in Rheinland-Pfalz gesprengt – so viele wie noch nie. Auch Banken im Raum Koblenz waren betroffen. Wir klären, wie erfolgreich die Polizei bei den Ermittlungen war und wie Banken mit der Bedrohung umgehen.

Ein lauter Knall, mitten in der Nacht: In Weißenthurm wird Mitte März ein Geldautomat der Sparkasse Koblenz gesprengt. Es ist nur einer von vielen Fällen in jüngster Zeit. Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) Rheinland-Pfalz wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Koblenz im vergangenen Jahr zehn Geldautomaten gesprengt – unter anderem in Polch, Höhr-Grenzhausen und Saffig.

Täter aus Mayen und Mülheim-Kärlich in U-Haft

Wie Nachfragen bei den zuständigen Staatsanwaltschaften in Mainz und Koblenz ergeben haben, dauern die Ermittlungen zum großen Teil noch an. Wegen der Sprengungen in Mayen und Mülheim-Kärlich befinden sich den Angaben zufolge zwei Beschuldigte in Untersuchungshaft. Ihnen werden laut Staatsanwaltschaft insgesamt zehn Taten zur Last gelegt. Die Ermittlungen seien weitgehend abgeschlossen.

Landesweit liegt die Aufklärungsquote bei den Geldautomatensprengungen laut LKA für das Jahr 2020 bei 57 Prozent. Den Erkenntnissen der Polizei zufolge sind in Rheinland-Pfalz zum großen Teil gut organisierte, professionelle Banden aus dem Ausland für die Sprengungen verantwortlich.

Mit 35 Fällen in einem Jahr sei 2020 ein Höchststand erreicht worden. Der Gesamtschaden liege den Angaben zufolge bei mehr als 2 Millionen Euro – reiner Sachschaden. Denn zur Höhe der Beute macht die Polizei keine Angaben.

Mehr feste Sprengstoff statt Gas eingesetzt

Eine detaillierte Beschreibung der Taten macht die Polizei nicht, um Nachahmungstaten zu verhindern. Die Vorgehensweise der Täter sei aber immer ähnlich. Mithilfe von verschiedenen Sprengmittteln, wie Gas oder andere Sprengstoffe, versuchen die Täter, den Tresor des Automaten zu sprengen, um an das Geld im Inneren zu kommen.

Bei den Fällen aus dem vergangenen Jahr sei auch Gas zum Einsatz gekommen, die Polizei stellt nach eigenen Angaben allerdings eine deutliche Zunahme an Festsprengstoffarten fest.

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Ein Grund dafür: Viele Banken in Rheinland-Pfalz haben ihre Automaten mittlerweile gegen Gasangriffe gesichert. Das hat eine SWR-Anfrage beim Sparkassen-Verband ergeben. Die Banken lassen sich demnach vom Landeskriminalamt beraten. Zum Einsatz kommen unter anderem auch verstärkte Tresore, Geld-Einfärbe- und Raumvernebelungssysteme. Bei der Auswahl der Sicherheitsmaßnahme werde stets die spezielle Gefährdungslage vor Ort berücksichtigt.

Banken schätzen Risiko als hoch ein

Von der Sparkasse Koblenz heißt es: "Die vermehrte Anzahl von Geldautomatensprengungen in Deutschland, Rheinland-Pfalz und auch in unserer Region macht uns betroffen und bereitet uns auch Sorgen." Die Täter verursachten dabei nicht nur enorme Sachschäden an Automaten und Gebäuden, sondern würden auch die Gefährdung Unbeteiligter im Umfeld des Automaten in Kauf nehmen.

Jürgen Jung, Direktor für die Region Koblenz, Mittelrhein und Mosel bei der Volksbank RheinAhrEifel erklärte auf SWR-Anfrage: "Generell schätzen wir aktuell das Risiko, dass es zu Geldautomatensprengungen oder Sprengversuchen kommt, als hoch ein."

Polizei konnte Sprengung in der Eifel verhindern

Jung berichtet von zwei fehlgeschlagenen Sprengversuchen an Automaten der Volksbank RheinAhrEifel in jüngster Zeit. In Antweiler konnte die Polizei die Sprengung eines Automaten verhindern und die Täter festnehmen, bei einem anderen Fall sei ein Sachschaden von 100.000 Euro entstanden.

Um größere Schäden in Filialen zu verhindern, sind nach Jungs Angaben einige Geräte mit sogenannten Sprengmatten ausgerüstet worden. Sie sollen die Wucht der Explosion mindern und gleichzeitig sicherstellen, dass der Tresor geschlossen bleibt.

Sorgen Sprengungen für Rückbau der Automaten?

Nicht nur für die Banken sind die Sprengungen ein Problem, sondern auch für die Kunden – denn die Automaten stehen danach – je nach Ausmaß der Beschädigung - meistens eine ganze Weile nicht zur Verfügung. Jürgen Jung betont jedoch: "Ganz bestimmt werden wir Geldautomaten aufgrund von Sprengungen beziehungsweise Sprengversuchen nicht abbauen."

Bei der Sparkasse Koblenz sieht das etwas anders aus. Von dort heißt es nach der jüngsten Sprengung in Weißenthurm, dass durchaus über eine Reduzierung der Automatenanzahl nachgedacht wird. Denn Bargeldautomaten würden ohnehin immer weniger genutzt werden. In Zukunft will man nach eigenen Angaben noch stärker abwägen zwischen "dem Kundennutzen der jederzeitigen Bargeldverfügbarkeit vor Ort und dem Risiko eines Sprengversuchs durch Täter".

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