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Seit Mittwoch ist klar: Gaststätten und Hotels bleiben mindestens bis zu den Weihnachtsferien geschlossen - aus wirtschaftlicher Sicht ein erneuter Rückschlag. Gastronomen und Hoteliers aus dem Norden von Rheinland-Pfalz reagieren mit Verständnis und Sorge.

Die Regale im Kühlhaus von Stefan Pohl sind leer. Statt frischem Fleisch oder Zwiebeln liegen hier jetzt Werkzeuge. Der Gastwirt aus Winningen an der Mosel hat viel Zeit, sein Restaurant, die Gutschänke Schaaf, zu renovieren.

Das Bund und Länder auch über den Winter Corona-Maßnahmen beschließen, war für ihn klar: "Ich bin nicht davon ausgegangen, dass wir dieses Jahr nochmal öffnen werden. Um das Leben von Anderen und auch sein eigenes zu schützen, muss irgendwie eine vernünftige Regelung her. Der, der entscheidet ist auch immer der, der an allem Schuld ist."

"Ich bin nicht davon ausgegangen, dass wir dieses Jahr nochmal öffnen werden."

Stefan Pohl, Gastronom aus Winningen

Gastronom aus Winningen hat Verständnis

Angesichts der steigenden Zahl von Corona-Infizierten hält Stefan Pohl die Entscheidung für richtig, Gaststätten und Hotels auch weiterhin zu schließen. Die Lokale dann eventuell nur über die Weihnachtsfeiertage zu öffnen, ist für ihn Unsinn: "Wenn sie nur für zwei oder drei Tage aufmachen, dann müssen sie die ganzen Waren einkaufen, sie müssen planen. Das ist rechnerisch sehr schwierig."

Der Gastwirt hat im Sommer gut verdient und sich ein finanzielles Polster geschaffen, das aber immer kleiner wird. Seine Mitarbeiter hat er in Kurzarbeit geschickt. Er will die November- und Dezemberhilfe des Bundes beantragen, seinem Personal einen Teil des Lohns fortzahlen können: "Die müssen ja alle leben. Und nur von 70 Prozent zu leben, die es beim Kurzarbeitergeld gibt, ist schwierig."

Bernd Kiesheyer und sein Sohn Nils sind an Silvester ausgebucht, wissen aber nicht mit Sicherheit, ob sie die Gäste empfangen können. (Foto: SWR)
Bernd Kiesheyer und sein Sohn Nils sind an Silvester ausgebucht, wissen aber nicht mit Sicherheit, ob sie die Gäste empfangen können.

Koblenzer Hotelier bemängelt fehlende Planbarkeit

Bernd Kiesheyer hat noch einige Geschäftsgäste, die er im Top Hotel Krämer in Koblenz beherbergt. Er hatte sich erhofft, dass jetzt endlich klar wäre, ob er über die Weihnachtsfeiertage auch Touristen empfangen darf: "Unser Haus ist nach dem derzeitigen Stand an Silvester komplett ausgebucht. Es ist also eine schwierige Situation, keine klare Planbarkeit. Das ist das, was ich bei diesem Entschluss bemängele." Ministerpräsidentin Dreyer hatte angekündigt, dass Hotels und Gastronomie auch nach dem 20. Dezember geschlossen bleiben müssen. Darüber werde vor Weihnachten noch einmal beraten.

Kiesheyer sitzt im Vorstand des Hotel- und Gaststättenverbandes in Koblenz. Von vielen seiner Kollegen weiß er, dass die finanzielle Hilfe für die Gastronomen wichtig ist. Allerdings hätte er sich die früher gewünscht. "Zunächst war es eine Hängepartie. Keiner wusste, wie die Regelungen genau aussehen. Seit gestern ist es bekannt, dass Hilfen beantragt werden können. Für viele wird das vielleicht zu spät kommen."

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